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Mainz 05 Sensible Gemengelage

Die 0:3-Niederlage gegen Mönchengladbach deckt schonungslos die Schwächen im Spiel von Mainz 05 auf.

Mainz 05
Soll dem Mainzer Spiel Robustheit bringen: Nigel de Jong grätscht Patrick Herrmann ab. Foto: imago

Sandro Schwarz ist in der Regel ein Mensch, der gute Laune verbreitet und entsprechend gerne lacht. Das tat der Trainer von Mainz 05 sogar nach dem 0:3 vor 2200 Zuschauern im Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach, wiewohl er das Ergebnis als „extrem nervig“ einstufte. Der 39-Jährige wollte immerhin „ordentliche Ansätze“ gesehen haben. Er habe nicht den Eindruck gehabt, „dass wir komplett chancenlos waren“. Das ist sehr freundlich im eigenen Sinne formuliert, tatsächlich demonstrierten die Gladbacher den Nullfünfern, wie Umschaltfußball funktioniert, wie stabile Abwehrarbeit und gelegentliches kollektives Pressing aussieht, und vor allem: Wie man Tore macht.

Bei den Gastgebern sah das Passspiel zwar mitunter recht ansehnlich aus, heraus kamen aber gerade mal zwei Situationen, die für den Gegner unangenehmer hätten ausgehen können. Schwarz sieht ein: „Wir müssen definitiv zulegen im letzte Drittel – und in der Konsequenz zu verteidigen.“ Es fehlt also hinten und vorn, und in der Mitte, um ehrlich zu sein, auch.

Nigel de Jong soll mit seiner ganzen Erfahrung Abhilfe schaffen. Der Niederländer kam am Sonntag um viertel nach zwei in die Kabine, stellte sich vor und stand um halb fünf zur zweiten Hälfte schon auf dem Platz. Bis zum Samstag in Hannover soll der 33-Jährige zum Stammpersonal gehören, gegen Gladbach war er sichtbar bemüht, bereits Einfluss auf die Mitspieler zu nehmen. Die mehr als halbjährige fehlende Spielpraxis war allerdings genauso unübersehbar. Das Image als Raubein, vor dem sich die Gegner fürchten, soll er nicht ablegen, freilich, ohne dabei über die Stränge zu schlagen. Sandro Schwarz erklärt: „Es geht nicht darum, Nigel eine völlig neue Spielweise beizubringen. Wir brauchen seine Härte und seine Schärfe. Er ist erfahren genug, dass er weiß, wie das auf dem Feld auszusehen hat.“ Der Trainer erwartet von de Jong „Mentalität, Power und fußballerische Qualität“. Also im Grunde alles außer Tore.

Die soll Anthony Ujah besorgen, der am Samstag beim 2:1-Testsieg im schweizerischen St. Gallen traf. „Da hat Tony seine Torjägerqualität gezeigt“, so Schwarz, dem die „körperliche Präsenz und die tiefen Läufe“ des Nigerianers gefallen haben. Interessant wird nun auch zu beobachten, wie Danny Latza und Yoshinori Muto mit der neuen Konkurrenz umgehen. Beide waren bislang Stammkräfte und sahen am Wochenende nicht so aus, als strotzten sie vor Selbstvertrauen. Ganz im Gegenteil.

Die Gemengelage in Mainz ist also sensibel, eigentlich steht die Vokabel „Abstiegskampf“ noch auf dem Index, man will sich verbal nicht noch mehr Druck aufhalsen, als das ohnehin der Fall ist, aber de Jong konnte das an seinem ersten Arbeitstag natürlich noch nicht mitgekriegt haben, also sagte er: „Den Abstiegskampf müssen wir gewinnen.“ Sandro Schwarz konnte drüber lachen.

Jenseits der Platzes nicht fies

Aber natürlich hat der Chefcoach die Ernsthaftigkeit der Situation klar ausgemacht, andernfalls wäre es ja auch gar nicht nötig gewesen, in der Winterpause personell korrigierend einzugreifen. Es habe bisher halt keine „fiesen Typen“ im Kader gegeben, sagt Stefan Bell, selbst ein feiner Kerl. Diesen „fiesen Typen“ auf dem Platz hat Bell nun begrüßen dürfen, wobei de Jong im persönlichen Umgang keineswegs fies ist. Ganz im Gegenteil. Es wäre aus Mainzer Sicht förderlich, würde der Vizeweltmeister sich schneller fußballerisch einleben, als dass vor einem Jahr dem einstigen Wunderkind Bojan Krkic gelang. Der ist übrigens seit Sommer schon wieder ausgeliehen. Von Stoke City zum Drittletzten der spanischen Liga, Deportivo Alavés.

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