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Mainz 05 Schröders Kehrtwende

Der Sportvorstand von Mainz 05 nimmt die Herausforderung nicht an, den HSV zu alter Größe gedeihen zu lassen. Ein Kommentar.

Hamburger SV
Im notorisch unruhigen Hamburg hätte Schröder mit traditioneller Sicherheit ähnliche Störgeräusche wie in Mainz zu ertragen gehabt. Foto: dpa

Wenn Rouven Schröder am Vatertag dem Training des Hamburger SV einen Besuch abgestattet hätte, wäre der Sportvorstand von Mainz 05 wahrscheinlich noch mal gedanklich ins Wanken geraten. Denn dort hatten sich weit mehr als 2000 Fans versammelt, die die potenziellen Absteiger wie einen angehenden Meister mit Beifall bedachten. Derart viele Kiebitze verlaufen sich in Mainz noch nicht einmal kumuliert über eine gesamte Saison hinweg. So winzig geschrumpft der HSV sportlich auch sein mag, in der Wahrnehmung im Land ist er viel größer als die Nullfünfer und wird immer größer bleiben. 

Weil die Hanseaten so derart fahrlässig heruntergewirtschaftet wurden, weil sie zudem einen unverbrauchten, intelligenten und emphatischen Trainer haben, hätte Schröder eine hochinteressante Herausforderung annehmen können mit einem weiten Feld an Möglichkeiten, diesen Verein in einer wunderschönen Stadt zur alten Größe gedeihen zu lassen. Nachvollziehbar, dass die Verlockung für den 42-Jährigen, an dem HSV-Präsident Bernd Hoffmann intensiv gebaggert hatte, groß war.

Zumal Schröder sich bei Mainz 05 schon geraume Zeit spürbar unwohl fühlte. Die Kapriolen um den Ex-Präsidenten Johannes Kaluza, der Machtkampf mit dem Aufsichtsrat, der Stress mit den eigenen Ultras, die bösen Kommentare in den sozialen Netzwerken hatten ihm zugesetzt. Er wirkte oft stark genervt. 

Andererseits ist der Familienvater in Mainz inzwischen auch mit neuer Liebe privat heimisch geworden und Trainer Sandro Schwarz in einem gewachsenen Vertrauensverhältnis verbunden. Der Abschied wäre entsprechend schwer gefallen, und eines ist unbedingt anzunehmen: Im notorisch unruhigen Hamburg hätte Schröder mit traditioneller Sicherheit ähnliche Störgeräusche zu ertragen gehabt. 

In Mainz dagegen scheint Ruhe eingekehrt zu sein, der Klub hat sich auch personell neu aufgestellt. Schröder selbst hat daran seinen Anteil. Er muss jetzt vor allem beweisen, dass er beim Einkaufen geschickter agieren kann als diese Saison, in der Mainz 05 nur knapp jenem Schicksal entgangen ist, das dem HSV jetzt droht. 

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