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Mainz 05 Raubein mit Geschäftssinn

Die neue Führungskraft Nigel de Jong stellt sich gut gelaunt und pfiffig in Mainz vor.

Fussball Bundesliga
Die neue Nummer fünf in Mainz: Nigel de Jong (links) mit Sportchef Rouven Schröder. Foto: Andreas Arnold (dpa)

In der Winterpause haben Rouven Schröder und Sandro Schwarz die Köpfe zusammengesteckt und überlegt, warum sie mit Mainz 05 nur 17 Punkte in der Bundesligavorrunde erreicht haben. Der Sportchef und der Trainer kamen zu folgendem Ergebnis, das Schwarz so zusammenfasste: „Es gibt bei uns ein Stück Bequemlichkeit, die müssen wir rauskriegen. Das fängt mit der Alltagsstimmung an.“ Die beiden wurden sich schnell einig, dass Handlungsbedarf besteht, sich Hilfe von außen zu holen. Also begab sich Schröder auf die Suche nach einem „Aggressiv Leader“ – und fand den ablösefreien Nigel den Jong. Mehr Galligkeit, als sie der mittlerweile 33-Jährige Zeit seiner bewegten Karriere im defensiven Mittelfeld ausstrahlte, geht kaum. Am Sonntag vor dem Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) stellten die Nullfünfer, die tags zuvor 2:1 in St. Gallen gewonnen hatten, den Niederländer persönlich vor.

Schröder verteidigt Transfer

Schröder ist sicher, dass er jemanden gefunden hat, der in Sachen „Arbeitsmentalität“ zum Vorbild taugt. De Jong, bestens gelaunt, bestätigte in fließendem Deutsch, er werde „nie die Person sein, die den Fuß zurückzieht, aber du wirst älter und schlauer“. Raubeinigkeit ist sein Markenzeichen, das weiß er. Die Frage, die derzeit noch niemand seriös beantworten kann, ist nur: Ist der ehemalige Profi des Hamburger SV, von Manchester City und AC Mailand nach einem dreiviertel Jahr in Los Angeles in der zweitklassigen Major League Soccer und zuletzt einer Hinrunde bei Galatasaray Istanbul, in der er überhaupt nicht mehr zum Einsatz kam, noch gut genug für die Bundesliga?
 

In Istanbul, berichtet de Jong, habe er sich mit Trainer Igor Tudor, einem Kroaten, nicht verstanden. „Es war schwer, sechs Monate nicht zu spielen, aber ich habe mich fit gehalten. Ich wusste, es kommt wieder eine Chance.“ Kein Zweifel, es wird ihm an Matchpraxis mangeln. Der Vertrag gilt nur bis zum Saisonende. „Ich muss realistisch sein“, sagt de Jong, er ist ja jetzt kein umworbener Topmann mehr. „Nach fünf Monaten kann ich hoffentlich mit Rouven reden und sagen: ,Hey, wir hängen noch ein Jahr dran.“ Das hängt von meiner Leistung ab.“

Der Mainzer Sportvorstand Schröder verteidigte die Verpflichtung eines Spielers, der nicht ins typische Nullfünf-Beuteschema „Perspektivspieler“ passt. Er habe die Kritik natürlich vernommen: „Wenn wir einen jungen Spiele holen, heißt es: ,Warum holen die keinen Leader?““ Jetzt habe man einen Leader und es sei auch wieder nicht allen Recht. Schröder ficht das nicht an: „Es geht darum, Mainz 05 für die Rückrunde anzuschieben. Nichts anderes zählt.“ De Jong sei genau „das Puzzlestück“, das gefehlt habe, „um noch aggressiver aufzutreten“.

Die Puzzlestücke für die Karriere nach der Karriere hat der 81-fache niederländische Nationalspieler längst fein säuberlich zusammengelegt. Schon im Alter von 22 Jahren, berichtete de Jong, sei er ins Autogeschäft eingestiegen, in Hamburg ist er Inhaber eines exklusiven Autohauses. Dort werden Sport- und Luxuskarossen nur im Hochpreissegment verkauft, ausgefallene Sonderwünsche inklusive. Etwa einen Lamborghini Aventador für lumpige 350 500 Euro. Oder, wem das zu teuer ist: Einen McLaren 720 S Luxury für schlappe 297 000 Euro. Einige Bundesligaprofis gehören zu den Kunden von de Jong. Kein Wunder: Der erfolgreiche Geschäftsmann kann sich vorstellen, mit seiner Frau nach der aktiven Laufbahn in Deutschland zu bleiben.

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