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Mainz 05 Kämpferische Haltung in Mainz

Mainz 05 will sich vom Amtsgericht nicht vorschreiben lassen, in welcher Struktur sich der Bundesligist aufstellt.

FSV Mainz 05
Mitgleiderversammlung beim FSV Mainz 05: Vereinsvorsitzender Stefan Hofmann (m.) ist mit von der Partie. Foto: Jan Huebner/Ulrich (imago sportfotodienst)

Da sage noch einer, der FSV Mainz 05 gebe kein gutes Aushängeschild der Fußball-Bundesliga ab. In wirtschaftlicher Hinsicht sind die Rheinhessen zweifelsohne Musterschüler im Oberhaus, der erheblich zum positiven Jahresergebnis beiträgt. Die Nullfünfer haben im achten Geschäftsjahr hintereinander ein positives Ergebnis vermeldet (3,3 Millionen Euro Gewinn); sie haben ihren Umsatz noch einmal um vier Millionen gesteigert (114 Millionen); sie haben fast 34 Millionen Eigenkapital angehäuft. In der laufenden Saison wird nun sogar ein Jahresüberschuss von 18 Millionen erwartet. Bei mehr als 140 Millionen Gesamtumsatz.

Das alles kann trotz Abstiegskampf gelingen – und als eingetragener Verein. Umso erstaunlicher nun, dass den Klub nicht nur ein Brief aus der Rechtspflege des Amtsgerichtes Mainz erreichte, indem der Verein zu einer Änderung der Struktur gedrängt, ja gefühlt fast schon genötigt wird. Das Gericht hat nunmehr sogar eine Frist gesetzt, bis zum 15. November eine Umstrukturierung in eine Kapitalgesellschaft in Gang zu bringen. Diesen ungewöhnlichen Vorgang machte die Vereinsführung erstmals auf der Mitgliederversammlung am Montagabend öffentlich.

„Mainz 05 baut auf die Struktur als eingetragener Verein“, betonten der Vereinsvorsitzende Stefan Hofmann und der Aufsichtsratsvorsitzende Detlev Höhne in ihren Reden vor 502 Mitgliedern unisono. Aus ihrer Sicht ist es fast ungeheuerlich, dass das Amtsgericht nicht nur einen Zeitplan zu einer Entscheidung über die Ausgliederung des Profi-Spielbetriebs einfordert, sondern ein Verfahren aufgrund einer Rechtsformverletzung erwägt, wie es im Juristendeutsch heißt. Im schlimmsten Falle würde damit die Löschung aus dem Vereinsregister drohen. Der FSV Mainz 05 vor der Auflösung? Das ist allerdings ungefähr so wahrscheinlich wie die Vorstellung, dass das Team von Trainer Sandro Schwarz demnächst auf dem Mainzer Gutenbergplatz die Meisterschale zeigt. Das Thema taugte vortrefflich, um einen Schulterschluss zu propagieren und gegenüber den Mitgliedern das Recht auf Selbstbestimmung einzufordern.

Hofmann erhält Vergütung

„Die Entscheidungshoheit über die Frage, wie wir uns organisieren, sollte bei uns und unseren Mitgliedern liegen. Wir sehen uns durch die aktuelle Rechtsprechung in jeder Hinsicht bestätigt“, betonte Hofmann. Und Höhne beklagte: „Sollte das Amtsgericht Klage erheben, wäre dies zugleich ein Angriff auf die bisher von der Rechtsprechung gestützten Strukturen des Profifußballs und des Profisports. Der 1. FSV Mainz 05 gehört seinen Mitgliedern. Diese können mit Dreiviertel-Mehrheit entscheiden, in welcher Rechtsform der Profifußball in Mainz organisiert wird. Eine Klage würde auch das Selbstbestimmungsrecht der Vereinsmitglieder in Frage stellen.“

Vor diesem gezeichneten Damoklesschwert ließen sich die delikaten Themen etwas weniger hitzig abhandeln. Etwa das dunkle Kapitel unter der Regentschaft des Präsidenten Harald Strutz, dem bekanntlich monatlich 23 000 Euro zuflossen. Was davon aber war als Aufwandsentschädigung zu deklarieren? Höhne führte in dieser unerfreulichen Causa aus, der Verein sei nach einer juristischen Beratung zu dem Schluss gekommen, „dass eine gerichtliche Klärung zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde“. Ergo: Die Entlastung mit dem Alt-Vorstand erfolgte auf Basis einer Zahlung von 12 000 Euro.

Der lange im eigenen Nachwuchsleistungszentrum tätige Hofmann hat sich nun in die Satzung schreiben lassen, dass er neben einer Aufwandsentschädigung für die ehrenamtliche Tätigkeit (3000 Euro monatlich) auch „eine angemessene Vergütung für die Wahrnehmung von Aufgaben im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb“ bekommt. Mit 270 Ja-Stimmen (bei 89 Nein-Stimmen) votierten die Mitglieder für diese Satzungsänderung. Über die entsprechende Honorierung entscheidet der Aufsichtsrat, und die Höhe soll – wichtig für die Transparenz – später im Finanzbericht nachzulesen sein. Der Abteilungsleiter im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium will seine Expertise im wirtschaftlichen und sportlichen Bereich – er ist selbst Fußballlehrer – in Zukunft stärker einfließen lassen. Dafür möchte er aber auch Geld bekommen.

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