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Mainz 05 Frust umwandeln

Mainz 05 will die Pleite gegen Hoffenheim in positive Energie umsetzen.

Mainz 05
Mainzer Frust: Rene Adler (v.l.), Leon Ballogun und Stefan Bell. Foto: imago

Welche Niederlagen sind schmerzlicher? Diejenigen, die sich als logische Konsequenz einer gründlich misslungenen Vorstellung gegen einen schwachen Gegner erweisen und deshalb vollauf verdient sind? Oder die, nach denen man in der Kabine zusammenhockt und vor Frust am liebsten die Tür oder besser noch die ganze Wand eintreten würde, weil man nach einem Klassespiel gegen einen wehrhaften Kontrahenten noch nicht mal ein Zählerchen auf das ohnehin nur mager gefüllte Punktekonto geschaufelt hat? „Sauer sein: ja, böse sein: ja“, sagte der Mainzer Fußballtrainer Sandro Schwarz am Mittwochabend, als es schon sehr spät geworden war, „in Selbstmitleid verfallen: nein!“ Die verbale Strategie nach dem überaus ärgerlichen 2:3 (2:2) der Nullfünfer gegen die TSG Hoffenheim zielte schon auf das nächste Heimspiel am Samstagnachmittag gegen Hertha BSC ab. Schwarz will sich nun daran machen, den Frust in den wenigen verbleibenden Stunden in „Energie umzusetzen“.

Unmittelbar nach Spielschluss, Hoffenheim hatte durch Mark Uth erst in der dritten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielt, entlud der geballte Zorn auf das ganze Unglück dieser Fußballwelt sich noch beim Schiedsrichter Manuel Gräfe. Aber es gab keinen nachweislichen Grund für Beschwerden irgendwelcher Art, der Berliner hatte seine Sache gewohnt gut gemacht und in einem zunehmend hektischeren Spiel die Ruhe und Übersicht bewahrt. Sandro Schwarz attestierte dem Referee denn auch einen „Topjob“. Dass es ein „geiles Spiel mit dem komplett falschen Ergebnis“ geworden war, lag am geilen Spiel und dem falschen Ergebnis, aber bestimmt nicht an bösen Menschen in Schiedsrichterkluft beim Deutschen Fußball-Bund.

Wie wilde Kerle

Die Mainzer hatten ja schon 2:0 geführt, hatten die wegen der vielen Verpflichtungen in Europa auf fünf Positionen umgestellten Hoffenheimer gut 20 Minuten lang schwindelig gespielt, waren angelaufen, hatten gepresst, hatten gekontert wie wilde Kerle auf der Wiese – und hätten zur Pause schon vier oder fünf Tore machen können. Stattdessen stand es plötzlich 2:2, weil Sandro Wagner fast mit dem Pausenpfiff einen Ball nach einer Ecke ins Netz gewuchtet hatte, wofür sich der Mainzer Abwehrchef Stefan Bell in den Senkel stellte: „Da muss ich dran sein. Das war mein Ding.“

Bells Ding war auch ein Foul an Wagner in der 92. Minute unmittelbar vorm eigenen Strafraum, als er dem Angreifer von hinten gerade so sehr zu arg zusetzte, dass dieser dankbar zu Boden gehen durfte und der Pfiff berechtigt war. Zuvor hatten Bell und Kollegen Wagner regelmäßig gerade perfekt an der Grenze des Erlaubten gestört, eine sehr gute Strategie, diesmal ging Bell den einen Schritt zu weit. Daraus entwickelte sich die Szene, die eine Minute später nach einer Ecke zum Siegtreffer führte.

Der wehrhafte Wagner gab später zu: „Wir wären auch glücklich ins Bett gegangen, wenn wir Unentschieden gespielt hätten.“ Wie schon vor einem Jahr, als Mainz eine 4:1-Führung verspielte und die Fans Wagner wegen einiger provozierender Gesten als Hassobjekt ausgedeutet hatten, legte sich der in derlei Situationen erfahrene Stürmer auch diesmal in Form von exzessiven Jubels vor deren Kurve mit den Mainzer Ultras an, ohne dabei aber das Maß an bewusst portionierter Frechheit zu überziehen.

Ob den Mainzern die kurze Vorbereitung auf die Partie am Samstag gegen die stabile Hertha zugutekommt, ist schwerlich voraussehbar. Das wilde Gerenne in „maximalem Tempo“ (Schwarz) gegen Hoffenheim hat fraglos überdurchschnittlich viele Körner gekostet für ein Team, das vor allem von der Physis lebt, der Frust muss zudem mental schnell abgearbeitet werden. Schwarz fand in der Eigendiagnose bereits Hinweise, dass „es schon wieder kitzelt“, denn: „Es kann auch richtig Spaß machen, solche Widerstände anzugehen.“ Die richtigen Worte so scheint es, hat der Trainer mit Blick auf den Gegner aus Berlin schon mal gefunden.

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