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Mainz 05 Endspurt mit Fanatismus und jeder Menge Druck

Die Rheinhessen müssen unangenehme 24 Stunden länger warten als die Konkurrenz, ehe sie in den Abstiegskampf eingreifen dürfen.

FC Augsburg - FSV Mainz 05
Nachdenklich: Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz. Foto: dpa

Ganz einfach ist die Situation für Mainz 05 am Wochenende nicht. Erst für Sonntagnachmittag ist die nicht ganz unwichtige Partie gegen den nicht ganz unfavorisierten RB Leipzig angesetzt. Das heißt, die Rheinhessen laufen realistisch Gefahr, beim Anpfiff ihres Spiels schon 22 Stunden lang nicht mehr punktgleich mit den bereits einen Tag zuvor in wahren Abstiegsdramen beschäftigten SC Freiburg (gegen den 1. FC Köln) und dem VfL Wolfsburg (gegen den Hamburger SV) auf Platz 15 zu stehen. Das ist eine unangenehme Vorschau, die 05-Trainer Sandro Schwarz lieber verscheucht wie eine lästige Stubenfliege. Es sei „total irrelevant, was der Mainzer Cheftrainer sich wünscht“, ließ er dieser Tage wissen.

Mehr Einfluss hat Schwarz am Ende seiner ersten, allenfalls gerade noch durchwachsenen Bundesligasaison auf das, was seine eigene Truppe auf den Platz bekommt. Oder auch nicht auf den Platz bekommt: Genau das war am vergangenen Sonntag beim 0:2 in Augsburg nämlich sehr mickrig, wenn auch längst nicht so verheerend wie neulich beim 0:3 in Frankfurt. Schwarz fordert nun umso intensiver, (und hat das auch trainieren lassen) „mit Fanatismus ins letzte Drittel reinzulaufen“, um so „für viel Hektik beim Gegner zu sorgen“. Es sei beileibe „kein Hexenwerk, mit vielen ballentfernten Spielern in die Box“ zu kommen.

Stimmt zwar, ist aber dennoch in Mainz viel zu selten gesehen worden. Entsprechend mager ist die Torquote der letzten elf Spiele, in der es für die eigenen Anhänger lediglich acht Treffer zu bejubeln gab. Durchschnittlich ein Tor pro Spiel ist schlicht zu wenig, um in der Bundesliga Ruhe zu haben.

Schweres Restprogramm

Die Nullfünfer dürfen davon ausgehen, von den in der Offensive tatsächlich allesamt noch harmloseren Konkurrenten um die Plätze 18 bis 14 aus Köln, Hamburg, Freiburg und Wolfsburg die schwierigsten Restaufgaben lösen zu müssen. Leipzig kämpft, wenn auch gerade nicht in Hochform, um die direkte Qualifikation zur Europa League und darum, nicht hinter Eintracht Frankfurt auf den ungeliebten Platz sieben abzurutschen. Eine Woche später geht es Borussia Dortmund gegen die Nullfünfer um die Champions League-Teilnahme, ehe am letzten Spieltag Werder Bremen nach Mainz kommt. Das, immerhin, klingt vor allem deshalb machbar, weil die Hanseaten weit weg von Gut und Böse sind und außerdem Mainz traditionell recht gern mögen.

Zur Partie am Sonntag verteilt Mainz 05 10.000 kostenlose T-Shirts mit der Aufschrift „Endspurt, Mainzer“, damit auch jeder in der Stadt kapiert, dass das Ganze eine ernste Angelegenheit ist. Sandro Schwarz hat die knifflige Aufgabe gegen Leipzig als „fünftes Endrundenspiel“ bezeichnet. Er hatte nach der Länderspielpause im April einen Neustart ausgerufen, seitdem gab es fünf Punkte in vier Spielen, einen Sieg, eine Niederlage, zwei Unentschieden. Wäre die ganze Saison so stabil verlaufen, müssten sie jetzt nicht gemeinsam zittern. Schwarz räumt ein: „Es wäre ja Quatsch, wenn wir wegdiskutieren würden, dass Druck herrscht.“ Und er regt an, den Druck „in Energie zu kanalisieren“. Das wäre in der Tat klug.

Helfen könnte dabei die Energie der wiedergenesenen Stefan Bell, Daniel Brosinski, Yoshinori Muto und dem nach einer kleinen Blessur wieder auf die Füße gekommenen Pablo de Blasis. Der stets kampfeslustige Argentinier wird als „Emotional Leader“ wahrscheinlich mehr gebraucht als jeder andere. Die letzten drei Tore für sein Team hat der nach dem Hamburger Tatsuya Ito zweitkleinste Bundesligaprofi allesamt höchstpersönlich besorgt. Eins per Kopf, eins vom Elfmeterpunkt und einen Abstauber. Und wenn es darum geht, die eigenen Fans zu emotionalisieren, kann auf de Blasis keinesfalls verzichtet werden.

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