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Mainz 05 Dranbleiben und drinbleiben

Beim 3:1-Sieg in Freiburg wird Torschütze Karim Onisiwo zur Mainzer Symbolfigur.

Karim Onisiwo feiert seinen Treffer
Große Gefühle: Jean-Philippe Gbamin und Moussa Niakhate feiern den FSV-Torschützen Karim Onisiwo (Mitte). Foto: dpa

Die Dunkelheit hatte sich längst breitgemacht über dem Schwarzwald und der Dreisam, als Sandro Schwarz im Pressekabuff des Freiburger Fußballstadions zu einer kleinen Anekdote anhob. Neulich, vor dem Spiel des FSV Mainz 05 gegen Werder Bremen, erzählte der Nullfünf-Trainer, habe er sich zufällig länger mit dem früheren Mainzer Verteidiger Nikolce Noveski unterhalten, über die Bundesliga und den Fußball an sich, und am Ende des Erfahrungsaustausches seien sie gemeinsam zum Schluss gekommen: „Es ist einfach verdammt schwierig, in der Bundesliga Spiele zu gewinnen“, sagte Schwarz. „Das darf man nie vergessen.“

Am Samstag im herbstnassen Freiburg haben die Mainzer nun zum zweiten Mal nacheinander gewonnen in dieser verflixten Bundesliga, nach dem verdienten 2:1 gegen den SV Werder gelang ein 3:1 beim Sport-Club, das erneut die Komplexität des Wettbewerbs für die Rheinhessen darlegte. Sie hatten eine hinreißende Anfangsphase hingelegt, 30 Minuten, für die der nicht gerade für überbordende Lobhudeleien bekannte Schwarz seinen Team große Worte spendete. „Überragend“ sei der Start gewesen, „top“, „total überzeugend, mit Ball, ohne Ball“, schlicht und einfach: „Sehr überzeugend.“

Sie waren konsequenterweise in Führung gegangen durch die beiden Jean-Philippes im Team, Gbamin (6.) und Mateta (18.), und hinterher blickten sie doch wieder auf ein Spiel zurück, das hätte kippen können. Das aber nicht kippte, weil die anfangs völlig abwesenden Freiburger später fünf erstklassige Chancen liegenließen und nur einmal trafen (Roland Sallai, 72.) und nur drei Minuten nach dem 1:2 die dankbaren Gäste zum 1:3 einluden.

„Da merkst du, wo ein Ergebnis gemacht wird“, sagte Schwarz über den letztlich spielentscheidenden Treffer des eingewechselten Karim Onisiwo, der den Ball mehr mit Willenskraft als mit Technik ins SC-Tor zwang. Der Mainzer Coach lobte „die Konsequenz von Karim, wie er unbedingt das Tor machen will“, und auch daran konnte er eine übergeordnete Entwicklung der Mannschaft festmachen, die die Länderspielpause im verkehrsberuhigten Tabellenmittelfeld erleben wird. Vor anderthalb Wochen noch, beim Pokal-Aus in Augsburg, waren die Mainzer bei ähnlichem Spielverlauf nicht in der Lagdte gewesen, den Sieg in Sicherheit zu bringen, bevor dem Gegner seine Stärke einfällt.

Aber natürlich haben die Mainzer sich noch am Samstag in Freiburg gegen das Gefühl von Zufriedenheit gewehrt, dem großen Feind der Weiterentwicklung. Schwarz sprach sachlich davon, dass es sich gut anfühle, wenn die Mannschaft, wie in der ersten halben Stunde, so spiele, wie er sich das vorstelle („Das sah schon sehr nach Fußball aus“), und wirkte gleichzeitig recht nachdenklich. „Es geht darum, sich Woche für Woche zu verbessern, beharrlich dran zu bleiben, komplett stur drinzubleiben im Fokus“, erläuterte Schwarz, der weiß, dass der unglückliche Sport-Club den Mainzern den Sieg noch hätte klauen können. Und dass Tabellenführer Borussia Dortmund, der Gegner der Rheinhessen in zwei Wochen, weniger nachgiebig sein dürfte. 

SC-Stratege Höfler verletzt

So war Torschütze Karim Onisiwo die Mainzer Symbolfigur fürs existenzielle Dranbleiben und Drinbleiben, Tag für Tag, Woche für Woche. Der 26-jährige Offensivspieler aus Österreich hatte zuletzt nicht viel spielen dürfen. „Man wartet halt auf seine Chance und haut sich rein“, sagte der Wiener lakonisch: „Manchmal klappt’s nicht, heute hat’s geklappt.“ Alle waren sie aufgesprungen von der Gästebank, als er das 3:1 erzielt hatte eine Viertelstunde vor dem Ende, im Bewusstsein, dass etwas geschehen war, was nicht sehr oft geschieht. In seinen bald drei Mainzer Jahren war es das dritte Tor für Onisiwo, zuletzt war er beinahe auf den Tag genau vor einem Jahr erfolgreich, auch damals gegen den SC Freiburg, auch damals mit einem Treffer, der ein enges Spiel endgültig entschied, zum 4:2.

Doch nicht nur deshalb löst der Name Karim Onisiwo keine Glücksgefühle aus im Breisgau. Bei einem Zweikampf mit dem Mainzer verletzte sich der unersetzliche SC-Stratege Nicolas Höfler schwer am Knie. Trainer Christian Streich ging am Samstag mindestens von einem Innenbandriss aus, man hoffe, dass es kein Kreuzbandriss sei. „Das wäre eine Katastrophe.“ Und Katastrophen, das weiß Streich genauso gut wie Sandro Schwarz und Nikolce Noveski, können Teams der Kragenweite Mainz und Freiburg im Verdrängungswettbewerb Bundesliga nicht so gut vertragen.

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