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Mainz 05 Disziplinarischer Denkzettel

Zur Unzeit kommen drei Profis beim FSV Mainz 05 zu spät und sitzen im Pokalspiel draußen.

Die Durststrecke nimmt beim FSV Mainz 05 allmählich bedrohliche Ausmaße an. Mit dem Ausscheiden im DFB-Pokal beim FC Augsburg (2:3 nach Verlängerung) summiert sich die Serie siegloser Pflichtspiele auf sieben. Die letzte Partie haben die Rheinhessen am 15. September eben gegen den FCA gewonnen, den das völlig neu formierte Team von Trainer Sandro Schwarz am Dienstagabend beinahe erneut besiegt hätte. Drei Minuten plus Nachspielzeit fehlten zum Pokalcoup, der vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen (Sonntag 18 Uhr) so gut getan hätte. 

Nun aber wächst der Frust. „Es nervt, dass wir viele Dinge gut machen, aber die Spiele nicht gewinnen“, sagte Schwarz nach einem anfangs mutig, am Ende aber zu fehlerhaften Auftritt. Es sei „ärgerlich“, dass es nicht gelungen sei, einen „gefühlten Sieg mit nach Hause zu nehmen“. 

Seine Mannschaft hatte nach sehr starker erster Hälfte und Treffern von Philipp Mwene (19.) und Robin Quaison (45.) bis zur 87. Minute in Führung gelegen, ehe erst Michael Gregoritsch den Ausgleich und dann Caiuby den Siegtreffer (105.) für die Gastgeber erzielten. „Wir haben einfach zwei Tore zu wenig gemacht“, sagte Kapitän Stefan Bell, dem in der 40. Minute das vierte Eigentor seiner Karriere unterlief. Als Bell anfangs seine Mitspieler aufs Feld führte, muss er vermutlich selbst noch einmal geschaut haben, wer wo neben ihm spielt. 

Denn gleich acht Veränderungen hatte Schwarz vorgenommen. Viel mehr als angekündigt, viel mehr als erwartet. Beispielsweise Torwart Robin Zentner, Verteidiger Alexander Hack oder Stürmer Anthony Ujah Spielpraxis zu verschaffen, machte durchaus Sinn. Aber derart radikal zu rotieren? „Der eine oder andere Wechsel war sportlich“, erklärte später der Coach, „der eine oder andere disziplinarisch. Drei Spieler waren zu spät zur Mannschaftsbesprechung gekommen. Die konnte ich dann nicht aufstellen.“ 

Nur Neuzugänge betroffen

Für den 40-Jährigen kommen diese Verfehlungen absolut zur Unzeit, denn Geschlossenheit und Teamgeist sind Werte, die nicht nur Schwarz vorlebt, sondern der Verein voraussetzen muss, will er im knallharten Verdrängungswettbewerb der Bundesliga bestehen.

In einem vergleichbaren Fall hatte Ralf Rangnick bei RB Leipzig ebenfalls mit einer Denkpause für die Profis Jean-Kévin Augstin und Nordi Mukiele für Aufsehen gesorgt und die Spieler öffentlich gemaßregelt. Schwarz verzichtete darauf, das Trio namentlich zu identifizieren. Es soll sich nach Informationen des „Kicker“ um die spanische Linksverteidiger-Leihgabe Aarón Martin, den Mittelfeldmann Pierre Kunde aus Kamerun und den niederländischen Flügelspieler Jean-Paul Boëtius gehandelt haben. Drei Neuzugänge, die offenbar nicht wussten, dass Pünktlichkeit beim Fußballlehrer Schwarz fast über allem steht; auch aus Respekt vor den Teamkollegen. 

Der prinzipientreue Familienvater nahm mit der aus seiner Sicht alternativlosen Verbannung auf die Bank in Kauf, dass an der einen oder anderen Stelle die Abstimmung nicht passte. Linksverteidiger Gaetan Bussmann war die fehlende Spielpraxis anzumerken, so dass erneut die linke Seite zur Schwachstelle avancierte. Bussmann war es auch, der sich bei der entscheidenden Flanke vor dem 2:3 wegdrehte. (mit sid)

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