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Mainz 05 Der Animateur

Jean-Philippe Mateta wird für Mainz immer wichtiger und besser.

FSV Mainz 05
Wird in Mainz immer besser: Jean-Philippe Mateta (m.). Foto: dpa

Es sieht fürwahr ein bisschen ulkig aus, dass Jean-Philippe Mateta in der Winterzeit zwar ein kurzärmeliges Trikot trägt, über die Hände allerdings schwarze Handschuhe streift. Ein rastloser Fußballprofi wie er, mit Anpfiff auf Betriebstemperatur, dürfte in einem Bundesligaspiel eigentlich nicht frieren. Zumal die Arme irgendwie Teil des Fußballs sind, den der Mittelstürmer des FSV Mainz 05 spielt. Vorne festgemachte Bälle werden von ihm mit Händen und Füßen verteidigt. Und dann gibt es ja noch die ausufernden Armbewegungen, wenn „Ji-Pi“, wie sie ihn rufen, spontan, aber regelmäßig das Publikum einbindet.

Ein erkämpfter Einwurf, eine herausgeholte Ecke genügen – und der junge Franzose wird zum Animateur der Anhängerschaft. Zuletzt beim feurigen Heimspiel gegen Borussia Dortmund (1:2) hat das gut geklappt, weil der Neuzugang sich trotz seines torlosen Auftritts zu einer Darbietung besonderer Güte aufschwang. Weil der 21-Jährige oft genug drei, vier Gegenspieler beschäftigte, sich in jeden Zweikampf warf und selbst noch den Abschluss suchte, heimste er Beifall auf offener Bühne ein. Nur ein Tor fehlte zur Krönung.

Trainer Sandro Schwarz lobte seine Nummer neun: „Ji-Pi hat hier ein bisschen gebraucht, aber da ist völlig normal. Für uns kommt diese Entwicklung gar nicht so überraschend. Er hat enorm viel Potenzial, und unser Job als Trainerteam ist es, ihn jeden Tag zu verbessern.“ Hält die Entwicklung an, wird ein Mainzer Szenario wie bei Abdou Diallo wahrscheinlich: Weiterverkauf nach nur einer starken Saison für eine hohe zweistellige Millionensumme.

Natürlich ist das Szenario bei der aktuellen Trefferquote (zwölf Spiele/drei Tore) einerseits noch Spekulation. Andererseits hat der forsche Draufgänger gerade in der französischen U21-Nationalmannschaft im November-Test gegen Kroatien (2:2) im dritten Einsatz sein erstes Tor erzielt. Sollte der Mainzer bei der kommenden EM-Endrunde in Italien und San Marino im Juni 2019 für Aufsehen sorgen, könnte sich rasch konkretes Interesse entwickeln. Doch zuerst muss der schlaksige Angreifer, der mit der Empfehlung von 19 Toren in 37 Einsätzen vom französischen Zweitligisten AC Le Havre für stolze acht Millionen Euro Ablöse an den Bruchweg kam, seine Weiterentwicklung bezeugen.

An der kurzen Leine

Mateta sei jemand, sagt Schwarz im Porträt des Stadionmagazins „Nullfünfer“, der an der kurzen Leine geführt werden müsse. „Er ist ein überragender Kerl, aber du musst immer gucken, was der Kamerad veranstaltet.“ Der Fußballlehrer will nicht falsch verstanden werden: Der Spieler sei kein Luftikus, aber brauche klare Ansagen, um das Optimale herauszuholen.

Im Gegenzug unterhält der Neuzugang mit seiner offenen Art und ausgesprochen guten Laune oft die ganze Kabine. Mateta hat kongolesische Wurzeln, aber das zentralafrikanische Land noch nie besucht. Geboren wurde er in Clamart, einer Kleinstadt zehn Kilometer südwestlich von Paris. Wäre er ein Politiker, sagt er, „würde ich denen helfen, die in den Banlieues leben und nicht so viel Glück im Leben haben.“ Vielleicht rührt es aus seiner Sozialisation, dass er manche Dinge nicht immer ganz so ernst nimmt, aber deshalb schätze er seinen Trainer so, sagt Mateta: „Er redet mit dir, was du besser machen kannst.“

Es sei nun definitiv so, dass die Bundesliga ein ganz anderes Level für ihn bedeute. „Die Liga ist viel intensiver, die Verteidiger sind viel cleverer als in der zweiten Liga in Frankreich.“ Mateta sagt, die Bundesliga sei die Lieblingsliga seines Vaters gewesen. „Ich lerne mit jedem Spiel dazu.“ Dann passt es ja, dass die Mainzer schon am Freitag bei Fortuna Düsseldorf antreten. Dort sorgt übrigens ein verschließbares Dach dafür, dass es im Stadion oft um einige Grad wärmer ist. Dann braucht es die Handschuhe vielleicht gar nicht.

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