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Mainz 05 Das Mainzer Märchen

Nach dem Überraschungserfolg in Dortmund bleiben die Nullfünfer erstklassig, das Festhalten an Trainer Schwarz zahlt sich aus.

Fussball 1. Bundesliga, Borussia Dortmund - FSV Mainz 05
Die Anspannung muss raus: Die Mainzer Profis feiern in Dortmund den vorzeitigen Klassenerhalt. Foto: Jan Hübner

Alexander Hack sah aus wie ein Urlauber auf dem Weg zu seinem Liegestuhl. Der Blick des Mainzer Innenverteidigers nach dem 2:1-Sieg in Dortmund war tiefenentspannt, sein Oberkörper nackt, und über die rechte Schulter hatte er lässig ein rot-weißes Handtuch geworfen. In dieser Montur plauderte der fröhliche Vollbartträger über den exzellenten Umschaltfußball der Nullfünfer in der ersten Hälfte, die weniger attraktive Abwehrschlacht nach der Pause und das halbstündige Jubelbad vor den eigenen Fans. Jenen Menschen, die den FSV-Profis sieben Wochen zuvor, nach dem 0:3 in Frankfurt, noch die Rücken zugedreht hatten.

Das aber war nach dem erfolgreich absolvierten Klassenkampf vergessen. „Gigantisch“ seien die Feierlichkeiten mit den Mainzer Anhängern gewesen, berichtete Hack, dem natürlich nicht entgangen war, wie Trainer Sandro Schwarz in der sonnengetränkten nordöstlichen Ecke des Stadions zum Zaunkönig im Gästeblock avancierte. „Jeder ist froh, die Strapazen der letzten Wochen vergessen zu können“, beschrieb der 24-Jährige die enorme Erleichterung nach dem vorzeitigen Ligaerhalt, ehe ihm der Schalk endgültig ins Gesicht schlich. „Ich zwinkere mit einem Auge schon nach Mallorca“, äußerte Hack den Wunsch nach einem kurzentschlossenen Trip auf die Baleareninsel. „Aber ich denke, das ist schwierig, weil wir nächste Woche noch ein Spiel haben“, sagte Hack.

Ausgelassene Partynacht

Mit dieser Einschätzung lag der Abwehrmann absolut richtig. „Der Trainer war schon sehr bestimmt, dass sich beim Feiern keiner zurückhalten darf“, sagte Kapitän Niko Bungert zwar, nach auskuriertem Muskelfaserriss seit zehn Tagen wieder im Mannschaftstraining, zwar. Doch auch wenn sich Schwarz („So ganz schlecht war’s da nicht“) gerne an seine beiden Mallorca-Reisen als Trainer der Mainzer U23 erinnert, stellte er klar: „Wir müssen schon seriös bleiben.“ Sprich: Bremen darf beim Ligafinale am nächsten Samstag nicht auf sonnenverbrannte Mittelmeerurlauber hoffen.

Entsprechend ausgegelassen ließen es die Mainzer Profis noch in der Nacht nach dem Dortmund-Coup krachen. Mit lauter Musik, innigen Gesängen und Dortmunder Bier feierten die FSV-Profis die Rettung. Kistenweise trugen Betreuer den Gerstensaft in den Mainzer Bus. Schwarz versicherte gelöst, niemand müsse sich sorgen, „zu verdursten“. In Mainz angekommen, ging die Party weiter. Etliche Fans hatten sich versammelt, um ihre Spieler in Empfang zu nehmen. Schwartz richtete dankende Worte an den treuen Anhang.

Nun steht noch das Spiel gegen Werder an. Die Bremer ,üssen damit rechnen, dass die Mainzer dann noch einmal die lustvollen Balleroberungen mit anschließendem schnellem Angriffsspiel praktizieren, mit denen sie zuletzt mit Leipzig und Dortmund zwei Champions-League-Teilnehmer dieser Saison bezwungen haben. Wie sechs Tage zuvor bei seinem Bundesligadebüt gegen RB traf die schmale Kämpfernatur Ridle Baku erneut. Abgezockt veredelte der 20-Jährige das Zuspiel von Jean-Philippe Gbamin nach vier Minuten mit einem halbhohen Schuss mitten ins Tor. Neun Minuten später erhöhte Yoshinori Muto auf 2:0, mehr als den raschen Anschlusstreffer durch Maximilian Philipp brachten die bemerkenswert einfallslosen und behäbigen Dortmunder aber nicht zustande.

Bereits ein Unentschieden hätte der Mannschaft von Peter Stöger das Ticket in die Königsklasse beschert. Nun droht den Schwarz-Gelben gar der Absturz in die Europa League – wenn der Showdown beim direkten Konkurrenten Hoffenheim mit zwei oder mehr Toren Differenz verloren geht und Leverkusen zeitgleich ein hoher Sieg gegen die nun endgültig geretteten Hannoveraner gelingt. „Das war eine Leistung zum Schämen, mehr möchte ich nicht sagen“, schäumte Borussias Sportdirektor Michael Zorc nach der Partie gegen den FSV. Stögers Ablösung durch den früheren Gladbach-Trainer Lucien Favre, aktuell bei OGC Nizza beschäftigt, scheint beschlossene Sache. Die selige Nullfünfer-Gemeinde dagegen ortete den Schulterschluss mit den Mitte März noch pikierten Fans als entscheidenden Wendepunkt hin zum Guten. „Ein Riesenkompliment an Sandro Schwarz und sein Trainerteam, weil er wirklich in allen Situationen ruhig geblieben ist, sein Ding durchgezogen hat“, lobte der Mainzer Sportchef Rouven Schröder, der am Ende sogar Verständnis für Alexander Hacks spontane Mallorca-Idee aufbrachte: „Er hat viel geköpft, außerdem schien die Sonne stark“, scherzte Schröder.

So stark, dass Trainer Schwarz bei wolkenlosem Himmel und 21 Grad das frühsommerliche Mainzer Märchen genoss. „Es passt perfekt“, kommentierte der 39-Jährige das Ambiente beim Klassenerhalt der Rheinhessen. „Wir haben auf den richtigen Moment gewartet.“

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