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Mainz 05 Das letzte Alarmsignal

Der FSV Mainz 05 ist leichtfertig in den Abstiegskampf geraten.

Mainz 05
Hängende Köpfe: Die Mainzer Profis nach dem Derby. Foto: dpa

Der „alles in allem gebrauchte Tag“, von dem der frühere Darmstädter Danny Latza hinterher in den viel zu engen Katakomben des Stadions am Böllenfalltor sprechen sollte, begann aus Sicht des FSV Mainz 05 schon vor Anpfiff. Aus dem Stehplatzbereich, der in diesem Gründerzeitstadion dem Gästeklientel vorbehalten ist, zündeten unverbesserliche Wirrköpfe vor und während des Derbys so viel Pyrotechnik, das die Nullfünfer eine saftige Geldstrafe im fünfstelligen Bereich erwarten dürfte. Genau aus dieser harten Mitte erklangen nach Abpfiff auch die wüsten Beschimpfungen, die auf die Profis als verbale Abstrafung für eine kaum erstligareife Vorstellung herabprasselten.

Kurz darauf hörte sich auch noch Martin Schmidt auf der Pressekonferenz vollkommen ohnmächtig an: „Ich habe versucht, meinem Team in Wort, Bild und Videomaterial zu vermitteln, was hier passiert. Aber entweder habe ich undeutlich geredet oder das Team hatte taube Ohren.“ Der Fußballlehrer aus dem Wallis ist oft genug Tribünengast in Darmstadt gewesen – dass all seine Warnungen gar keinen Widerhall fanden, muss das letzte Alarmsignal an einem Standort sein, der eigentlich mal als Hort für Beständigkeit und Bodenständigkeit galt.

Die imageschädigende Affäre um den Präsidenten Harald Strutz, der sich im ersten Spiel nach seiner Nicht-Kandidatur schweigend im kleinen Presseraum an die Wand lehnte, überlagert sich nun mit einer latenten Schaffenskrise einer Mannschaft, die zum wiederholten Male gegen einen schlechter platzierten Gegner nicht die nötige Körperspannung aufbrachte. Besonders tölpelhaft agierten dabei die beiden Innenverteidiger Ramalho und Stefan Bell, wobei der eine (Ramalho) den Elfmeter zum 0:2 verschuldete, der andere (Bell) sich eine Gelb-Rote Karte einhandelte (90.).

Schmidt rätselte darüber, dass wir „alle zwei, drei Wochen eine Leistung bringen, in der wir wieder zurückfallen.“ Seine Erklärung: „Wir sind noch ein Verein, der sich entwickelt und noch kein konstanter Verein.“ Spitzenklubs könnten diese Dellen besser auffangen. Wer indes Yoshinori Muto, Bojan Krkic oder Jairo erstmal auf der Bank belassen kann, gehört aber eigentlich zur Mittelklasse, die beim Tabellenletzten anders auftreten müsste.

Doch ihr eigentlich kratzbürstiges Auftreten, das gepaart mit einem gekonnten Umschaltspiel das Mainzer Stilmerkmal gibt, kam in Darmstadt nie zum Vorschein. In den ersten 20 Minuten gewannen die Mainzer Mimosen gerade mal lächerliche 27 Prozent der direkten Duelle. „Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen“, mäkelte Latza, „das war eine Sache der mentalen Einstellung, das war vom Einsatz zu wenig.“ Selbst der schwedische Nationalspieler Robin Quaison, der neben dem 1:2-Anschlusstreffer (45.+3) einige positive Ansätze zeigte, konnte dem vielleicht einzigen persönlich zufriedenstellenden Auftritt nicht viel abgewinnen: „Ich bin nicht glücklich.“

Schalke soll jetzt büßen

Sein Trainer erwartet vom Team im Heimspiel am kommenden Sonntag, dass wir „Schalke anspringen, um das zurechtzubiegen.“ Der Klassenerhalt sei ein steter Kampf, nur dieses Jahr ist er in der Tabelle komplizierter.“ Und: „Wenn wir nicht 100 Prozent geben, können wir nicht punkten.“ Die sportliche Leitungsebene will die Antennen so schnell wie möglich wieder auf Empfang schalten. Rouven Schröder schaute ebenso grimmig wie verärgert, als der Sportdirektor konstatierte: „Jeder wusste, was ihn erwartet. Dann ist die erste Halbzeit schwer akzeptabel. Wir haben erst 29 Punkte, jeder kann die Tabelle lesen. Wir sollten gewarnt und sehr, sehr wach sein.“

Tatsächlich wird der Sonntag nicht nur zum Stimmungstest vor der Länderspielpause – gegen die königsblauen Vielspieler aus Gelsenkirchen kommt es plötzlich zum Wegweiser, ob das passiert, was unter Schröder-Vorgänger Christian Heidel die vergangenen Jahre eigentlich immer vermieden werden konnte: dass in Mainz bis zum Schluss gezittert werden muss.

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