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Mainz 05 Auf der Suche nach dem Trotzblock

Vor dem Hertha-Heimspiel schließt Mainz 05 die Reihen, um sich auf den Abstiegskampf einzuschwören.

SC Freiburg - FSV Mainz 05
Muss sich gegen Hertha beweisen: Torhüter Jannik Huth. Foto: dpa

Nun hat auch der FSV Mainz 05 für sich ein Motto entdeckt, hinter dem sich möglichst viele versammeln. „Mainzbleibt1“ heißt der Slogan für den Saisonendspurt, der beim Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag (15.30 Uhr) tausendfach auf T-Shirts getragen werden soll. Es ist nicht die erste PR-Maßnahme dieser Art, die ein akut vom Abstieg bedrohter Erstligist ins Leben ruft, aber es ist das nach außen sichtbare Signal, dass sich auch das Aushängeschild der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz nicht einfach so aus der Bundesliga vertreiben lässt. Dafür war der Weg zum etablierten Erstligisten viel zu mühselig.

Rouven Schröder, der Sportdirektor der Rheinhessen, hat in seiner Zeit beim SV Werder hautnah miterlebt, welch innere Kraft entstehen kann, wenn Verein, Stadt und Anhängerschaft zu einem Trotzblock verschmelzen, der gemeinsam den Kampf für den Klassenerhalt führt. Als in Bremen die inzwischen preisgekrönte Initiative entstand, die unter dem Hashtag „greenwhitewonderwall“ geführt wurde, arbeitete Schröder schließlich noch an der Weser. „Hier passiert das auch gerade“, hat der 41-Jährige dieser Tage behauptet.

Kartenverkauf steigt an

Tatsächlich hat der Kartenverkauf noch einmal kräftig angezogen. 6000 von bislang 28 000 veräußerten Tickets für die Partie gegen Hertha sind alleine in den letzten drei Tagen verkauft worden. Der Schulterschluss auf den Rängen darf nicht der einzige bleiben. Auch die Spieler müssen tunlichst an jenen Spirit anknüpfen, der vor anderthalb Wochen gegen RB Leipzig (2:3) zu besichtigen war – und dem Publikum zumindest in Sachen Einstellung keinen Grund zu Beanstandungen gab.

„Wir haben den Glauben, dass wir das Ding drehen“, sagt Martin Schmidt. Der Schweizer Trainer hat keinen Hehl daraus gemacht, dass ihn das Treuebekenntnis ein Stück weit erleichtert. Weil die Störgeräusche, die sich mit seiner Person beschäftigt hatten, aus der Welt geschafft sind. „Die Ruhe, die jetzt herrscht, macht die Arbeit mit dem Team sicher einfacher. Wir haben dadurch aber keinen Punkt mehr.“

So muss der seit Mittwoch 50 Jahre alte Fußballlehrer rasch eine Mannschaft finden, die nach fünf Niederlagen und dem Abrutschen auf Platz 15 endlich in die Erfolgsspur findet. Wenn nicht gegen die auswärtsschwachen Berliner, die mit neun Punkten eine jämmerliche Bilanz auf fremden Plätzen vorweisen, gegen wen sonst? Dass es für die Mainzer danach zum FC Bayern geht, macht die Lage nicht einfacher. Schröder wie Schmidt sind überzeugt, dass sich die Nullfünfer bald für ihren zuletzt wieder entdeckten Fleiß in Training und Spiel belohnen werden. „Wir sind einfach mal wieder dran“, glaubt der Sportchef, „die Mannschaft lebt.“

Dem Team aber fehlen weiterhin der gesperrte Mittelfeldabräumer Jean-Philippe Gbamin, der nur dann dauerhaft zur Verstärkung wird, wenn er sich diszipliniert verhält, und wohl auch Torwart Jonas Lössl, die zweite wichtige Stütze. Der Däne hatte sich vor der Freiburg-Partie eine Schleimbeutelquetschung im Knie zugezogen. Ihn dürfte erneut Jannik Huth vertreten.

Kein Torwartproblem

Auf den 22 Jahre jungen Tormann werden intern viele Hoffnungen gesetzt, nicht umsonst hat der Klub das Arbeitspapier mit dem Olympiafahrer bis 2020 ausgedehnt. Dass sich der Bad Kreuznacher aber gerade in dieser heiklen Phase bewähren muss, ist nicht ohne Risiko. Parallel hat Schröder im Interview mit dem „Kicker“ versucht, dem Eindruck entgegenzutreten, Mainz plage ein Torwartproblem.

Das Thema werde von außen schärfer betrachtet als von innen, weil sich das Umfeld noch nicht vom letzten Torwart (Loris Karius) gelöst habe. „Jetzt kommt mit Jonas Lössl der völlige Gegenentwurf. Was ihm fehlt ist ein Spiel, das er mit zwei, drei Glanzparaden alleine gewinnt.“ Noch ein Indiz, dass beim selbst ernannten Karnevalsverein die Reihen geschlossen werden, um erstklassig zu bleiben.

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