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Kommentar Mainz 05 Mainz 05 am Scheideweg

Ob unter Eva-Maria Federhenn Führungsstärke und Ruhe bei Mainz 05 einziehen würden, kann niemand seriös voraussagen. Ein Kommentar.

EVA MARIA FEDERHENN VORSTELLUNG DER KANDIDATEN FUER DEN VEREINSVORSITZ MAINZ 05 MAINZ PUBLICATIONxNO
Eva-Maria Federhenn: Mainz 05 könnte sein Image mit einer Frau an der Spitze mächtig aufpolieren. Foto: Martin Hoffmann (imago)

Es musste erst die größte Vereinskrise seit drei Jahrzehnten und eine eilig zusammengezimmerte Satzungsänderung her, damit erstmals in der Geschichte des deutschen Profifußballs einer Frau die Chance eröffnet wird, Chefin eines Bundesligaklubs zu werden. Bei Mainz 05 ist in den vergangenen beiden Jahren, seit Bekanntwerden des Abgangs von Allmacht Christian Heidel zu Schalke 04, so ziemlich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte. Maßgeschneidert für den damaligen Präsidenten Harald Strutz wurde eine Vereinsstruktur gebastelt, die es ermöglicht, im Amateurverein UND im Profibereich in Personalunion den Chefposten zu übernehmen. Doch ehe Strutz in den Genuss dieser Führungsaufgabe kommen konnte, trat der Mann, der den Klub fast 30 Jahre lang angeführt hatte, unter dem Druck zurück, er habe sich selbst zu wenig selbstlos für sein Ehrenamt bezahlen lassen.

Sein Nachfolger Johannes Kaluza war mit der Doppelaufgabe heillos überfordert, was ihm eines Tages sogar selbst gewahr wurde. Man könnte die Entwicklung im selbsternannten Karnevalsverein noch belustigt als Folklore abtun, würde das Führungsvakuum, das seit zwei Jahren herrscht und den ganzen Klub lähmt, nicht auch auf den sportlichen Bereich durchschlagen. Nie seit dem Wiederaufstieg 2009 hat Mainz 05 eine derart schwache Vorrunde gespielt. Dafür Sportchef Rouven Schröder und Trainer Sandro Schwarz allein verantwortlich zu machen, wäre allzu oberflächlich betrachtet. Unter diesen Bedingungen lässt sich nicht ungestört mit der nötigen Professionalität arbeiten.

Ob unter einer möglichen Vereins- und Vorstandsvorsitzenden Eva-Maria Federhenn Führungsstärke und Ruhe in den Klub einziehen würden, kann niemand seriös voraussagen. Die 50-Jährige gilt vermutlich nicht grundlos als Handlangerin des machtbewussten Aufsichtsratschefs Detlev Höhne, auch wenn sie das vehement dementiert. Ihre Vita als langjährige Spielerin, Trainerin und Leiterin der erfolgreichen Handballabteilung und ihre Präsentation vor einer Woche im Casting lässt aber auch nicht automatisch Rückschlüsse darauf ziehen, dass die Juristin heillos überfordert auf dem ihr noch ziemlich unbekannten Terrain wäre. Zumal ihre Sozialkompetenz unbestritten ist.

Kein Zweifel dürfte zunächst herrschen, dass Mainz 05 sein arg angekratztes Image mit einer Frau an der Spitze mächtig aufpolieren würde. Hilfreich wäre das allerdings nur dann, wenn diese Frau es fundamental besser macht als ihr clownesker Vorgänger. Sonst droht Mainz 05 wieder zu dem zu geraten, was der Klub vor der Ära Klopp jahrzehntelang war: die grauste Maus der zweiten Liga.

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