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Interview Sandro Schwarz „Wir müssen die Nähe zu den Leuten wiederherstellen“

Mainz-05-Trainer Sandro Schwarz spricht vor dem Spiel der Mainzer bei der Eintracht über ein Leben zwischen Arbeitsplatz in Mainz und Wohnort in Frankfurt und Kindheitserfahrungen am Riederwald.

Trainer Sandro Schwarz von FSV Mainz 05 in der FRRedaktion
Kämpft darum, dass Mainz 05 den Negativtrend stoppt: Chefcoach Sandro Schwarz beim Redaktionsbesuch. Foto: Monika Müller

Haben Sie eigentlich eine App, mit der sie beispielsweise das Schlafverhalten und die Ernährung der Spieler überprüfen können?
Nee, haben wir nicht. Ich finde, man muss auch aufpassen, dass es nicht überhandnimmt und dass die Eigenverantwortung der Spieler unterstützt wird. Alles zu kontrollieren, ist irgendwann auch nervig für die Spieler. Die sollen doch auch mal richtig feiern, nachdem sie ein Fußballspiel gewonnen haben. Am besten zusammen.

Wie war das bei Ihnen in den Profijahren? Sie wohnten gemeinsam mit Marco Rose, der inzwischen  Chefcoach bei RB Salzburg ist, in einer WG in Mainz. Gab´s da immer nur Pommes mit Ketchup?
Wir haben auf unsere Ernährung sehr geachtet. Marco hat gekocht. Ich war mehr für das Füllen der Spülmaschine verantwortlich. Und gefeiert haben wir natürlich auch. Wir wussten, wann das ging. Ich bin aber auch nach Niederlagen dagegen, dass die Spieler sich wegschließen.  Mir ist auch persönlich eine gewisse Entspanntheit immer wichtig.

Was passiert bei Ihnen vor dem Pokalspiel in Frankfurt zu Hause. Ihre Frau ist in Frankfurt geboren und bestimmt auch Eintracht-Fan?
Nein. Die hält zum Ehemann. Aber ich räume ein: Der Bruder meiner Frau ist Eintracht-Fan. 

Was verbindet Sie persönlich mit Eintracht Frankfurt?
Meiner Freundschaft zu Alex Schur, mit dem ich gemeinsam meine Trainerlizenz absolviert habe.

Und noch mehr?
Ein erfolgloses Probetraining, als ich zwölf Jahre oder vielleicht 13 Jahre alt war. Ich spielte bei SV 07 Bischofsheim in der C-Jugend und wurde dann von der Eintracht eingeladen. Ascheplatz am Riederwald. Die anderen trugen alle Puma King-Fußballschuhe, und ich stand da in meinen alten Galoschen. Da habe ich dann relativ schnell gemerkt: Okay, das könnte eng für dich werden. Drei Tage später habe ich dann auch die Benachrichtigung bekommen, dass es nichts wird mit mir und der Eintracht.

Würden Sie sagen, dass Sie als Zweitligaspieler das Optimale aus Ihrer Spielerkarriere herausgeholt haben?
Definitiv! Zu mir haben alle gesagt, ich sei zu langsam. Hinzu kamen drei Kreuzbandrisse. Ich war im Grunde schon abgeschrieben, als ich aus der A-Jugend herauskam.

Ist es gut für die Trainerwerdung, wenn man als Spieler langsamer war und das Spiel deshalb besser lesen musste, um mitzuhalten?
Das könnte stimmen. Auf der Sechserposition musst du strategisch denken. Wir hatten das große Glück in Mainz, dass wir großartige Trainer hatten. Was Wolfgang Frank mich geprägt hat, können Sie sich gar nicht vorstellen. Ich kann heute noch seine 14 Lebensgrundsätze auswendig. Zum Beispiel: „Vor jeder guten Tat steht eine Idee“.  Ich wollte deshalb sehr früh schon Trainer werden. Später kam dann „Kloppo“, dann Thomas Tuchel als Chefcoach in Mainz. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ihr Vater ist Italiener. Was von der Mentalität eines Italieners steckt in Ihnen?
Ich glaube schon, dass ich von der italienischen Emotionalität einiges abbekommen habe. Typisch deutsch bei mir ist sicher das strukturierte Arbeiten. Ich bin sehr ordnungsliebend.

Was bedeutet für Sie Ihr Arbeitsort Mainz und was Ihr Wohnort Frankfurt?
In Frankfurt bin ich abends zum Schlafen, hin und wieder an der Eisdiele oder auf dem Spielplatz in Niederrad. In Mainz bin ich geboren, als Fan groß geworden und habe dort in einer tollen Gemeinschaft Fußball gespielt. Diese Gemeinschaft hat mir sehr viel gegeben. Das verbindet brutal.

Ein Umzug nach Mainz ist kein Thema?
Bestimmte Themen muss man bei Frauen länger ansprechen, um zu überzeugen.

Interview: Jan Christian Müller, Arnd Festerling, Jörg Hanau, Jakob Böllhoff

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