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Ganz der Papa

Kasper Schmeichel schickt sich in der Premier League an, ein ebenso guter Torhüter zu werden wie der legendäre ManU-Keeper

09.10.2007 00:10
RAPHAEL HONIGSTEIN
Fußball - Falkirks Torwart Kasper Schmeichel
Erhält Lob von allen Seiten: Kasper Schmeichel. Foto: dpa

Kinder von Prominenten erzählen ja gerne, dass die Berühmtheit des Vaters (oder der Mutter) im Grunde eher hinderlich für die eigene Karriere gewesen sei. Kasper Schmeichel, Sohn des ehemaligen Manchester-United-Torwarts Peter Schmeichel, macht es sich nicht so einfach. "Natürlich hat mir mein Vater enorm geholfen", sagt der 20-jährige Keeper von Manchester City, "ich konnte zum Beispiel immer erstklassige Fußballer aus nächster Nähe sehen. Spieler wie Eric Cantona, David Beckham oder Ryan Giggs waren meine Helden, und ich durfte als Kind oft mittrainieren. "

Gute Beziehungen haben in diesem Geschäft ja noch nie geschadet. Kasper Schmeichels große Chance kam im Sommer 2002, als er als 15-Jähriger das Tor der dänischen EM-Gewinner von 1992 in einem Freundschaftsspiel hüten durfte; sein Vater stand nämlich - "das hatte in diesen Partien Tradition" - aus Spaß im Sturm. Verteidiger Lars Olsen, ein Nachwuchstrainer, wurde in dem Match auf Kasper aufmerksam. Er nahm ihn mit nach Bröndby, wo er in einem Jugendturnier glänzte. Prompt lud ihn Manchester City zum Probetraining ein; Peter Schmeichel hatte dort 2003 seine glanzvolle Karriere beendet.

"Der Fußball kann mich nicht mehr überraschen", sagt Schmeichel junior, "durch meinen Vater habe ich früh Disziplin gelernt." Er ist selbstbewusst, hat die kühle Intelligenz des Vaters, und zumindest in Ansätzen hat der Däne in der Premier League bereits ein ähnliches Talent zwischen den Pfosten bewiesen. Als sich im Sommer Stammtorhüter Andreas Isakson und dessen Stellvertreter Joe Hart verletzten, nutzte er mit starken Leistungen die Gelegenheit. Trainer Sven-Göran Eriksson hatte eigentlich vorgehabt, einen zusätzlichen Torwart zu verpflichten, doch Schmeichel überzeugte ihn. "Er ist nicht der Größte", sagt der Schwede, "aber er ist schnell, auf der Linie fantastisch und kann den Ball sehr genau passen."

Schmeichel spielte in den ersten sechs Partien viermal zu null und hatte großen Anteil an Citys überraschend gutem Saisonstart. Der vom thailändischen Milliardär Thaksin Shinawatra aufgepäppelte Klub belegt hinter Arsenal und dem Lokalrivalen United den dritten Tabellenplatz. Schmeichel verdiente sich im September einen neuen Vierjahresvertrag. Zuletzt ließ Eriksson zwar dreimal den englische U-21- Keeper Hart auflaufen; der Däne nahm es jedoch gelassen: "Joe ist mein bester Kumpel im Team. Als Torhüter halten wir zusammen. Ich freue mich, wenn ihm eine Parade gelingt". Schmeichel meint das auch so.

Auf der Insel wird der junge Mann mit dem bekannten Nachnamen schon als Torhütersensation gefeiert. Das liegt zum einen an der Konkurrenz: einigermaßen qualifizierte Keeper sind hier selten, "nicht alle Premier-League Vereine haben Premier-League-Torhüter", weiß sein Vater. Aber noch mehr fasziniert die Engländer Kaspers Ähnlichkeiten mit dem Mann, den sie "Peter the Great", Peter den Großen, nennen. Der Kerl ist blond, er schreit gern seine Verteidiger an und hat zudem genau wie der legendäre Vater den sogenannten "starfish-save", den "Seestern" im Programm: Stürmern springt er mit weit ausgestreckten Armen und Beinen entgegen.

Der Däne bleibt Däne

Seine guten Anlagen haben sogar fünf Jahre Torwarttraining in Manchester und Orten wie Bury, Darlington und Falkirk unbeschadet überstanden, das ist vielleicht das größte Kompliment, das man ihm machen kann. Selbstverständlich wurden schon Stimmen laut, die ihn am liebsten im notorisch durchlässigen Tor der englischen Nationalelf sehen würden. Bisher hat Schmeichel nur für Dänemarks U21 gespielt, theoretisch gäbe es die Chance. Doch der Papa winkt ab. "Diese Diskussion brauchen wir gar nicht anfangen", sagt der 43-Jährige, "er ist Däne, seine Familie ist dänisch und nichts kann aus ihm einen Engländer machen". Und man kann Kasper Schmeichel nur wünschen, dass er auf der Insel auch immer ein dänischer Torwart bleiben wird.

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