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Bayern - Mainz „Sehe uns nicht als Lückenbüßer“

Für Trainer Martin Schmidt und Mainz bleibt es kompliziert, die angeschlagenen Bayern weiter zu verwunden.

Mainz 05
Erzielte im Dezember das 1:0: Jhon Cordoba gegen den Bayern-Spieler Javi Martinez. Foto: imago

Es wäre eigentlich nahe liegend, dass Martin Schmidt einfach die Bilder aus dem vergangenen Jahr zeigt. Der große FC Bayern empfing den kleinen FSV Mainz 05, der Vorsprung des Rekordmeisters auf den Tabellenzweiten betrug komfortable acht Zähler – und was passierte? Am 2. März 2016 leistete sich das Münchner Starensemble einen Ausrutscher. Ausgerechnet beim ersten Stadionbesuch des aus dem Gefängnis entlassenen Uli Hoeneß kassierten die Bayern eine 1:2-Heimniederlage, als kurz vor Schluss Jhon Cordoba den Außenseitersieg perfekt machte. Trotzdem mag der Mainzer Trainer seinen Spielern vor dem anstehenden Gastspiel bei den Bayern (Samstag 15.30 Uhr) nicht solche Sequenzen von vor 13 Monaten zeigen.

„Das ist abgenutzt, wenn vier, fünf Spieler nicht mehr dabei sind“, sagte der Schweizer Fußballlehrer, der ansonsten auf der Pressekonferenz am Donnerstag damit beschäftigt war, sich gegen ein landauf, landab gängiges Urteil zu stellen: dass es keinen besseren Zeitpunkt geben könnte, als morgen in München-Fröttmaning anzutreten. Selbst 4500 mitreisende Anhänger der Nullfünfer denken ja: Wenn nicht jetzt, wann dann? Gegen eine Mannschaft, die nach erster Diagnose ihres Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge nach dem Champions-League-Aus bei Real Madrid „in Trümmern“ lag. Und die nach Auskunft aktiver Beteiligter noch lange, lange an dieser traumatischen Nacht zu knabbern hat.

Schmidt hat die dramatischen Ereignisse im Bernabeu daheim am Fernseher verfolgt. „Da geht man mit, da hofft man, dass sie das Ding drehen.“ Denn: „Man muss für Bayern sein, weil das dem Uefa-Koeffizient der Liga nützt. Wir haben selbst als Siebter davon profitiert.“ Trotzdem hat nicht Mitleid oder Mitgefühl zuerst seine Empfindungen bestimmt, „sondern ich habe mir Gedanken gemacht, wie das unser Spiel beeinflusst“. Wille und Einsatz müssten die Parameter bleiben, sonst ist der Aufwärtstrend aus dem Hertha-Heimspiel nicht fortzuführen. „Wenn wir in der Lage sind, in unserer Leistung über 100 Prozent zu gehen, dürfen wir anfangen zu träumen. Es wäre fatal, nur auf einen müden Gegner zu hoffen.“

Nein, der 50-Jährige will nicht glauben, dass der personell und körperlich ausgeblutete Gegner nachlassen wird. „Das ist eine Fehleinschätzung. Bayern ist jedesmal gierig. Ich sehe uns nicht als Lückenbüßer, der unterschätzt wird. Sie werden eine Truppe auf Topniveau haben.“ Und bitte: „Wenn Bayern hinten mit Rafinha, Martinez, Alaba und Bernat spielt, ist das eine Weltklasse-Viererkette.“

Dahinter aber hält kein Weltklassetorwart mehr: Manuel Neuer macht wegen seines gebrochenen Zehs kein Saisonspiel mehr und wird sich auch für den Confed Cup abmelden. Muss aber immerhin nicht operiert werden. Aber nicht mal in diesem Ausfall mag Schmidt einen Vorteil erkennen. „Auch da bilden wir uns nix darauf ein: Wir werden nur zwei bis fünf Torschüsse haben. Und da müssen wir vieles richtig machen, damit die Dinger sitzen.“ Selbst gegen Ersatzmann Sven Ulreich.

Rätselraten in Torwartfrage

Wer beim Tabellen-15., bei dem sich erst im Abschlusstraining das Mitwirken der angeschlagenen Jean-Philippe Gbamin, Cordoba und Jairo entscheidet, zwischen den Pfosten steht, gerät hingegen zu einem der am besten gehüteten Geheimnisse. Schmidt gab sich bei der pikanten Personalie – Stammtorwart Jonas Lössl oder Eigengewächs Jannik Huth? – ungewohnt wortkarg. „Einer von beiden, mehr sage ich nicht.“

Der auserkorene Schlussmann soll es etwas eher erfahren als erst kurz vor Spielbeginn, so viel nur. Das Versteckspiel lässt den Schluss zu, dass tatsächlich die Zeit für den Torwarttausch gekommen ist. In der Vorsaison gewannen die Rheinhessen bei den Bayern mit einer Galaleistung eines gewissen Loris Karius. Der 23 Jahre alte Huth könnte sich also ein Beispiel am inzwischen in Liverpool vom Ex-Mainzer Jürgen Klopp auf die Bank beorderten Vorgänger nehmen. Das geht zur Not ohne die alten Bilder.

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