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Anthony Ujah trifft für den FSV Mainz Zwei Tore auf die Festplatte

Lange schien Anthony Ujah nicht die hohen Erwartungen beim FSV Mainz halten zu können. Nach einem Sonderurlaub scheint der Nigerianer angekommen.

06.11.2011 15:44
Jan Christian Müller
Angekommen in Mainz: Stürmer Anthony Ujah feiert mit den Fans. Foto: Bongarts/Getty Images

Am Mittwoch haben sich die Fußballprofis des FSV Mainz 05 mal ohne ihren Trainer getroffen. Sie haben die Köpfe zusammengesteckt und sich darauf eingeschworen, dass das, was sie da gerade erleben, Abstiegskampf ist.

Zwei Tage später haben sie das Spiel gegen den VfB Stuttgart nach einem 0:1-Rückstand mit erbarmungslosem Gegenhalten und auch mit Hilfe eines wohltätigen Schiedsrichters umgebogen und 3:1 gewonnen. Und dann waren sie alle miteinander furchtbar erleichtert. Denn sie wussten ja, dass es auch ganz anders hätte kommen können. Vor allem Anthony Ujah wusste das.

Der Nigerianer ist gerade erst 21 Jahre alt geworden. Eine ganze Menge europäischer Mittelklasseklubs hatte den Stürmer zu Saisonbeginn von Lilleström SK verpflichten wollen, schließlich machte Mainz 05 2,5 Millionen Euro locker. Aber Ujah, der in Norwegen für 27 Tore nur 36 Spiele benötigt hatte und so schnell ein Held der Lilleström-Fans wurde, war lange nicht recht angekommen in Mainz.

Mehr Speicher nach dem Sonderurlaub

Was daran lag, dass er keinen Urlaub hatte, weil in Norwegen im Sommer durchgespielt wird, und außerdem daran, dass er die komplexeren Laufwege der Rheinhessen erst einmal kennenlernen musste. So kam es, dass der teuerste Neuzugang der Saison Ende August noch nicht einmal mehr im Kader stand und Mario Gavranovic von Schalke 04 verpflichtet wurde, um dem Angriffsproblem Herr zu werden.

Dann hat Trainer Thomas Tuchel Ujah eine Woche lang nach Nigeria in einen Sonderurlaub geschickt und danach festgestellt, dass der jetzt „ein paar Speicherplätze mehr frei hat“. Bald darauf durfte Ujah wieder mitmachen, gut spielte er aber nicht. Auch gegen Stuttgart sah es so aus, als würde der flinke Stürmer einen frustrierenden Abend erleben. Frei vorm Tor prallte ihm gleich nach der Pause der Ball zu weit vom Fuß. Im Gegenzug schoss Cacau das 1:0 für Stuttgart.

Vermutlich wäre Ujah bald ausgewechselt worden und hätte jetzt nachlesen können, dass seine Handlungsschnelligkeit für die Bundesliga womöglich nicht ausreicht. Aber dann hat er ganz schnell per Kopf den Ausgleich erzielt und schließlich auch noch den 3:1-Endstand, als er geschwind zur Stelle war. Die Fans haben ihm nach seinen ersten Bundesligatoren geholfen, dass ihm nach zuvor fünf Heimniederlagen unbekannte „Humba Humba Täterä“ anzustimmen.

Anruf beim stolzen Vater

Später am Abend war Ujah der Letzte. Er musste so viele Fragen beantworten, auf Englisch, weil sein Deutsch natürlich noch nicht gut genug ist. Er berichtete, dass Trainer Tuchel „sehr viel Interesse an meinem Spiel hat“ und ihm im Training ständig erläutere, wo „ich hinlaufen muss“. Anthony Ujah ist jetzt fast schon wieder der fröhliche Kerl, der er in Lilleström war, wo er sich zum Abschied noch einmal mit den Fans im Block getroffen hat und wo er niemals vergessen werden wird.

In der Nacht hat er dann noch seinen Vater in der nigerianischen Hauptstadt Abuja angerufen und ihm stolz erzählt, was er zuvor im Stuttgarter Strafraum als Stürmer des FSV Mainz erlebt hatte. Jetzt hofft Anthony Ujah, es nach einer Nominierung für die U23 bald auch in das nigerianische A-Team zu schaffen. Das wäre dann noch besser als ein Heimaturlaub.

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