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Nestor Djengoue In Bornheim angekommen

Neuzugang Nestor Djengoue kommt beim FSV Frankfurt allmählich immer besser in Schwung.

21.12.2013 12:52
Sebastian Rieth
Hat noch viel vor beim FSV: Nestor Djengoue. Foto: imago/Eibner

Nestor Djengoue ist manchmal ein etwas schlampiger Kerl. Am Donnerstag, nach dem Vormittagstraining, hatte der Kameruner in der Eile zum falschen Paar Laufschuhe gegriffen und statt der seinen, die Treter von Teamkollege Odise Roshi ins Trockene gebracht. Beim FSV Frankfurt wird so viel vermeintliche Fürsorge nicht belohnt, es kostet sogar richtig Geld: Zehn Euro musste Djengoue in die Mannschaftskasse zahlen. Nicht zum ersten Mal. Alleine in dieser einen Woche, das gibt er reumütig zu, hat sich schon ein stattlicher Betrag von 65 Euro angesammelt. Djengoue kann es verschmerzen.

Seit drei Spielen hat der Bornheimer Neuzugang keine Minute in der zweiten Liga mehr verpasst, und das, obwohl er zuvor noch nicht einmal an einem Stammplatz schnupperte. Auch im Heimspiel heute (13 Uhr) gegen den TSV 1860 München wird der defensive Mittelfeldspieler wieder von Beginn an auflaufen, seine fahrigen Aktionen, die hektischen Bewegungen und unnötigen Ballverluste hat er längst abgestellt. Mittlerweile macht der 22-Jährige seine Sache ziemlich gut.

Viel Lob von Möhlmann

Nach seinem Wechsel vom italienischen Klub Chievo Verona, wo er nie ein Erstligaspiel bestritt, habe der technisch versierte Sechser noch Nachholbedarf gehabt, erzählt Trainer Benno Möhlmann. Das sei nun erledigt. „Er ist ein junger Spieler, der weiter an sich arbeiten muss und bei uns in der Ausbildung ist.“

Bis zum Saisonende gilt sein Vertrag, dann kann ihn der Verein per Option für zwei weitere Jahre binden. Möhlmann ist voll des Lobes, er nennt Djengoue einen „cleveren Mann“, der neben Französisch und Englisch inzwischen auch schon die ersten Worte Deutsch versteht. Djengoue ist aufgeschlossen, er ist keiner, der vergeblich nach Anschluss sucht und von der Gruppe isoliert die Lust verliert.

Djengoue ist anders. „Man muss sich eben auf die Dinge einlassen, darf sich nicht verschließen“, sagt er. Dann käme der Rest von ganz alleine. Seine kleine Wohnung in Bornheim-Mitte hat er längst ins Herz geschlossen. „Mehr brauche ich doch auch gar nicht.“ Erst wenn aus dem Job beim FSV ein langfristiges Engagement werden sollte und seine Freundin ihm nach ihrem abgeschlossenen Studium aus Brüssel an den Main folgt, will sich der Mann mit Stoppelbart und Zahnpastagrinsen nach einer größeren Bleibe umsehen.

Djengoue denkt pragmatisch: „Ich habe mein Heimatland wegen meiner Leidenschaft verlassen: Und das ist Fußball. Wenn man das macht, muss man sich auf neue Bedingungen einlassen.“ Aber man merkt ihm auch an, dass er am Auskundschaften neuer Kulturen sichtlich Spaß hat. Mit 13 Jahren kam er nach Europa, wohnte erst bei seinem Onkel in Verona, dann im Jugendinternat von Inter Mailand. Mit der U17 gewann Djengoue den italienischen Meistertitel, Luca Caldirola von Werder Bremen war einer seiner Weggefährten. „Man bildet in Italien zwar gut aus, setzt dann aber nicht auf Jugendspieler“, krittelt Bornheims Nummer 14. Deshalb ließ er sich von Chievo Verona, seiner ersten Profistation, mehrmals ausleihen. Zuletzt spielte er bei NK Zagreb in Kroatien.

Vorbild Eto’o

Djengoue lebt eine dieser Geschichten, die man oft über afrikanische Fußballer erzählt, die deshalb aber nicht von ihrer Romantik verlieren. In der Hafenstadt Douala ist er geboren, in Yaoundé, der mitten im tropischen Regenwald gelegenen Kapitale, wuchs Djengoue auf und hatte nichts anderes im Sinn, als barfuß mit dem Ball in den staubigen Gassen seinem Idol Samuel Eto’o nachzueifern. „In Afrika ist er eine Legende. Jeder möchte so sein wie er. Ich auch, das ist mein Traum.“

Während seiner Zeit in Italien traf Djengoue sogar auf sein Vorbild. Das ergatterte Trikot ist für den Vater in der Heimat, die Worte des Lieblings für die Seele: „Ich war überrascht, wie er mich behandelt hat. Er wollte alles über mich wissen, ich musste ihm meine Geschichte erzählen. Er hat mir gesagt, wenn ich etwas brauche, soll ich einfach zu ihm kommen. Wunderbar.“ Djengoue ist aufgelöst, er erzählt von zu Hause, von Kamerun, dem Land, das er so sehr liebt und das er aufgab, um zu sein wie Eto’o.

Natürlich gebe es dort viele Menschen, die um Essen betteln müssen. „Das Gute aber an Kamerun ist“, sagt Djengoue mit stolzgeschwellter Brust, „dass wir trotz alledem gut gelaunt sind.“ Das sei so ähnlich wie mit den Brasilianern: „Gebt uns einen Ball und wir sind glücklich.“ Dann ist es auch egal, ob man nach dem Training die eigenen Schuhe oder die des Kollegen erwischt.

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