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Jahr der Frauen „Ich hatte nie Probleme, mich durchzusetzen“

Monika Koch-Emsermann hat beim FSV Frankfurt ein Vierteljahrhundert Pionierarbeit geleistet, die den Frauen in der Männerdomäne Fußball die Tür öffnete.

FSV Frankfurt
Immer engagiert, auch an der Seitenlinie: Monika Koch-Emsermann (rechts vorne) war als Trainerin und Macherin beim FSV Frankfurt unverzichtbar. Foto: prd

Managen, trainieren und motivieren: Monika Koch-Emsermann machte alles, um sich beim FSV Frankfurt für den Frauenfußball einzusetzen. In ihrem Holzhaus in Oberursel-Stadt blickte die 74-Jährige auf die bewegende Zeit als Pionierin im Frauenfußball zurück.

Um Ihre Verdienste für den Frauenfußball zu erfassen, muss man eine Zeitreise ins Jahr 1970 unternehmen. Damals gründeten Sie mit Mitstreiterinnen die Frauenfußball-Abteilung des FSV Frankfurt. Was war der Anlass?
Wir waren damals in der Leichtathletik und hatten zum Auflockern immer Fußball gespielt, was ja in vielen Sportarten heute noch üblich ist. Eine von uns, Renate Baum, war total fußballbegeistert. Sie kam auf die Idee, eine Mannschaft zu gründen, nachdem der Frauenfußball erlaubt worden ist. Da wollten wir ihr einen Gefallen tun, und der damalige Präsident des FSV Frankfurt hatte glücklicherweise uns das auch gestattet. Mir hat dieses Gefühl, gemeinsam zu spielen und zu siegen, total imponiert. Bei der Leichtathletik war ja eher jeder für sich allein.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte den Frauenfußball bis dahin verboten. Nach der Zulassung gab es Einschränkungen: Sie mussten in Nockenschuhen spielen, die Spielzeit war verkürzt. 
Der Frauenfußball war ja lange verboten, den Vereinen wurden Strafen angedroht für den Fall, die Frauen spielen zu lassen. Nach der Aufhebung waren diese Einschränkungen absurd: Wir sollten ja auch einen Jugendball nehmen, was wir nicht getan haben. Ganz schlimm wurde es im Winter, wenn wir in Nockenschuhen auf die durchgeweichten Plätze mussten und dauernd auf die Schnute gefallen sind. In der damaligen Tschechoslowakei gab es sogar Ärzte, die einen Brustschutz entwickelt haben, wenn wir den Ball stoppen. Da haben wir gesagt: ‚Wenn Euch der Ball auf die Hose fliegt, ist doch viel schlimmer!‘

Wer war für dieses Rollenverständnis verantwortlich?
Man muss sich doch nur die Altersstruktur damals beim DFB anschauen: Die waren fast alle aus einem anderen Jahrhundert. Jeder hing lange an seinem Posten und wollte so wenig wie möglich verändern. Ich könnte allein mit den Argumenten, die mir als Vorbehalt gegen den Frauenfußball entgegengebracht wurden, ein Buch füllen.

Der Hessische Fußball-Verband wollte Sie nicht zum Lehrgang zulassen...
...weil es in der Sportschule Grünberg die Duschen, Toiletten und Zimmer nur für Männer gab! Der Verbandstrainer Rudi Gellesch hat dann einen ersten Trainer-Lehrgang für Frauen ins Leben gerufen, zu dem sich 25 Frauen angemeldet haben. Am Ende bin ich als Einzige übrig geblieben, musste aber noch zwei Jahre warten, bis ich die B-Lizenz machen konnte. Wir waren damals ein bunter Haufen fußballbegeisterter Frauen, von denen einige auf dem Platz sogar noch Perlonstrümpfe trugen (lacht). Es war eine verrückte Zeit, aber bei den Männern waren ja auch immer skurrile Gestalten dabei.

Wie groß waren die Vorurteile?
Zu 80 Prozent habe ich damals Ablehnung erfahren. Auch von meiner Mutter, die das ganz furchtbar gefunden hat, dass ich etwas mit Fußball zu tun hatte. Wenn jemand im Kleingartenverein gesagt hat, ihre Tochter ist doch Trainerin, hat sie den Kopf eingezogen und sich für mich geschämt. Das hat sich erst geändert, als sich beim FSV Frankfurt und der Nationalmannschaft die ersten Erfolge zeigten. Ich musste als Trainerin auch immer wieder zu Eltern fahren, um Überzeugungsarbeit zu leisten, weil die fürchteten, ihre Töchter würden zum Beispiel zu dicke Beine bekommen.

Und die Verbände haben Sie vermutlich auch nicht so unterstützt?
Ich war überhaupt kein Vereinsmensch. Aber alles musste durch irgendwelche Verbandstage beschlossen werden. Wenn ich was wollte, bin ich nicht zum untersten Kreisbeauftragten, sondern gleich zum Otto Andres (ehemaliger Präsident des Hessischen Fußballverbandes, Anm. d. Red.) gegangen. Dann hatte ich alle Funktionäre dazwischen auch schon wieder zum Feind. Es gab wirklich nur wenige Männer, die uns wirklich unter die Arme gegriffen haben: wie der damalige Offenbacher Stürmer Oscar Lotz, der uns einige Zeit toll trainiert hat, ehe ich das übernommen hatte.

Sie waren für alle die Chefin.
Ich war für alles zuständig: Ich habe die Mannschaften trainiert, die Abteilung geleitet, die Sponsoren rangeschafft. Ich hatte als Mensch nie Probleme, mich durchzusetzen. Als ich aufhörte, hatten wir drei Frauenteams, zwei Mädchenteams – und 1986 waren alle Meister in ihren Klassen.

Was hat Sie in diese Rolle getrieben?
Ich wollte mich irgendwie engagieren. Ich war vorher Klassensprecherin, Betriebsrätin. Es stand zur Wahl Sport oder Politik. Beim Frauenfußball habe ich als Abteilungsleiterin gemerkt: Es ist ja gar nichts da – was für ein Eldorado für mich! Alles konnte ich entwickeln oder entscheiden. In der Politik hätte ich am Anfang doch nur Handzettel austeilen können. 

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