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Hanno Balitsch „Ich stelle mich breit auf“

Hanno Balitsch braucht keine Kapitänsbinde, um sich beim FSV Frankfurt Gehör zur verschaffen. Der ehemalige Nationalspieler spricht im Interview über FSV-Knackpunkte und ein Leben nach dem Fußball.

„Ich erwarte ein physisch sehr intensives Spiel“, sagt Hanno Balitsch. Foto: Huebner/Vogler

Hanno Balitsch, 34, braucht keine Kapitänsbinde, um sich beim FSV Frankfurt Gehör zur verschaffen. Der ehemalige Nationalspieler ist nicht nur wegen seiner Erfahrung aus 343 Bundesligaspielen für den 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, Mainz 05, Hannover 96 und den 1. FC Nürnberg eine der wichtigsten Führungskräfte in Benno Möhlmanns Ensemble. Sein Wort hat Gewicht. Auf und neben dem Platz. Der Abwehrchef hält die Defensive zusammen und hat maßgeblichen Anteil an der jüngsten Bornheimer Erfolgsgeschichte. Nach sechs Spielen ist der Fußballsportverein weiterhin die beste Rückrunden-Mannschaft der zweiten Liga.

Herr Balitsch, wie sehr schmerzt Sie heute noch die 0:4-Schlappe gegen Darmstadt 98 aus dem Hinspiel?
Das verfolgt mich nicht in meinen Träumen. Es war zwar eine brutale Niederlage, aber wenn man das Spiel noch mal auseinandernimmt, waren wir in den ersten 20 Minuten sicherlich nicht die schlechtere Mannschaft. Letztlich haben wir durch vier Standardsituationen verloren. Das Ergebnis war deutlicher, als es der Verlauf hergegeben hat, und deshalb sehe ich uns damals wie heute sportlich nicht 0:4 von Darmstadt entfernt.

Diese herbe Niederlage am 7. Spieltag hatte auch etwas Positives. Seither läuft’s richtig gut. Aus den letzten 17 Spielen holte der FSV 27 Punkte ...
... das war sicherlich einer von vielen Knackpunkten in der bisherigen Saison. Wir haben uns durch deutliche Niederlagen wie die in Darmstadt nie verrückt machen lassen. Das zahlt sich am Ende auch meistens aus.
Wie geht’s am Sonntag aus?
Ich erwarte ein physisch sehr intensives Spiel. Wir sollten zusehen, dass die Standardsituation diese Partie nicht gegen uns entscheiden. Sollte es uns dagegen gelingen, in Führung zu gehen, sind wir momentan schwer zu schlagen.

Sie sind in Alsbach-Hähnlein aufgewachsen, das liegt nur wenige Kilometer südlich von Darmstadt. Was verbindet Sie mit den Lilien?
Ich bin sogar in Darmstadt geboren und habe mein Schulpraktikum in der Redaktion des „Darmstädter Echo“ gemacht. Natürlich habe ich einen Bezug zu den 98ern. In der Jugend gab es immer mal Anfragen. Ich habe mit dem FC Alsbach oft gegen Darmstadt gespielt, aber nie für Darmstadt. Als ein Wechsel auf Grund des sportlichen Anspruchs nötig war, habe ich mich damals für den SV Waldhof Mannheim entschieden.

Würde Sie ein Engagement bei den Lilien zum Ende Ihrer Karriere noch mal reizen?
Realistisch geht es bei mir nach dieser Saison darum, ob ich überhaupt weitermache. Diese Entscheidung muss erst einmal getroffen werden.

Sie sind aber doch fit. Sie zählen Woche für Woche zu den Besten...
... es geht nicht nur ums Können, es geht auch ums Wollen. Finde ich eine Konstellation vor, unter der ich mir vorstellen kann, mit Spaß weiter Fußball zu spielen? Wer kommt, wer geht? Wie ist der Charakter der Mannschaft? Und wie bei vielen Dingen im Leben, ist es immer auch eine Frage der Alternativen. Vielleicht tut sich eine andere berufliche Alternative auf, die nichts mehr mit dem aktiven Sport zu tun hat. Sollte ich aber noch ein Jahr dranhängen wollen, wäre der FSV mein erster Ansprechpartner.


Stimmt es, dass Sie nach Ihrer aktiven Zeit als Fußballer gerne in den Journalismus wechseln würden?
Das ist nicht uninteressant. Ich war immer einer, der seine Meinung intern vertreten hat, wenn sie gefragt war. Dabei habe ich in der Vergangenheit auch das eine oder andere Mal polarisiert und auch die Konsequenzen zu spüren bekommen. Aber das ist in dem einen oder anderen Bereich der Medien nicht verkehrt, vielleicht sogar erwünscht. Andererseits habe ich mit Björn Schlicke beim DFB-Stützpunkt hospitiert. Das ist eine Voraussetzung, um den B-Schein zu machen. Ich will mich einfach breit aufstellen. Dazu zählt auch, dass ich vor x-Jahren ein Fernstudium im Sportmanagement abgeschlossen habe. Derzeit erweitere ich es durch ein Aufbaustudium speziell im Fußballmanagement.


Sie haben viel erlebt im Profifußball, waren nie einer, der sich weggeduckt, sondern seine Meinung offensiv vertreten hat. Sie sind gut befreundet mit dem Sportjournalisten und Bestsellerautor Ronald Reng. Könnten Sie sich vorstellen, mal ein Buch zu schreiben über ihre bewegte Zeit als Berufsfußballer?
Ich schätze Ronny wirklich sehr. Aber wenn ich ein Buch schreiben würde, müssten auch einige unangenehme Sachen angesprochen werden. Das hätte dann was von Nachtreten und Nachkarten. Das entspricht nicht meinem Charakter.

Interview: Jörg Hanau

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