Lade Inhalte...

FSV- Spieler Ilian Micanski Wie Zwölfjährige beim Kindergeburtstag

Ilian Micanski entwickelt sich in der Rückrunde zum Glücksfall für den FSV Frankfurt. Die FCK-Leihgabe trumpft in Rostock auf und trägt maßgeblichen Anteil daran, dass der FSV sich von der Abstiegszone entfernt. Schlechte Nachrichten gibt es für den FSV in Sachen Haupttribüne.

16.04.2012 17:46
Wolfgang Hettfleisch
Alles richtig gemacht: Trainer Benno Möhlmann klatscht Ilian Micanski ab, der in Rostock zwei Treffer zum 5:0-Sieg beisteuerte. Im Hintergrund jubelt Geschäftsführer Uwe Stöver. Foto: bild pressehaus

So eine ewig lange Busfahrt durch die Nacht ist ja eigentlich kein Vergnügen. Auf die Frage, ob sich die Heimreise aus Rostock dank eines grandiosen 5:0-Siegs im Gepäck für den Tross des Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt womöglich nicht ganz so ziehen werde, hatte Benno Möhlmann am Freitagabend vor der Abfahrt erklärt, man könne zwar so manchem Gegner, nicht aber der Zeit ein Schnippchen schlagen: „Es bleiben trotzdem acht Stunden.“

Das strahlende Gesicht des erfahrenen Trainers verriet indes, dass sich da ein ziemlich fröhlicher Reiseleiter auf den Weg machte, den diese Aussicht nicht schreckte. Und seine Profis, die in den Katakomben des Ostseestadions herumgealbert hatten wie Zwölfjährige beim Kindergeburtstag, dürften auf der Autobahn friedlich in der Gewissheit eingeschlummert sein, ungeachtet des schweren Restprogramms alle Trümpfe für den Klassenverbleib in Händen zu halten.

FSV hat ein Polster von sieben Punkten

Das Polster auf einen direkten Abstiegsplatz beträgt drei Spieltage vor Saisonende sieben Punkte, auf den Karlsruher SC und somit auf Relegationsplatz 16 sind es sechs.

„Wir werden in den drei Spielen die nötigen Punkte machen“, erklärte Ilian Micanski im Brustton der Überzeugung. Trumpft der Bulgare so auf wie gegen die heillos überforderte Hansa-Defensive, ist das fast unvermeidlich.

„Note eins“ für Micanski

Die 26-jährige Leihgabe des 1. FC Kaiserslautern spielte mit der oft viel zu weit aufgerückten Rostocker Viererkette Katz und Maus. Mit einem tollen Antritt bereitete er die frühe Führung durch Zafer Yelen vor, beim vorentscheidenden 2:0 vollstreckte er kühl und überlegt, beim 3:0 bewies er den Instinkt des Torjägers, als er entschlossen nachsetzte. Das 4:0 durch Ju-Tae Yun leitete Micanski mit einem Pass auf den ebenfalls starken Yelen ein, beim 5:0 des Koreaners lieferte er die Vorlage selbst.

FSV-Sportchef Uwe Stöver musste nicht lange überlegen, wie der Auftritt des Winterzugangs der Bornheimer in Rostock zu bewerten war: „Note eins.“ Und der nicht zum Überschwang neigende Möhlmann erklärte zufrieden: „Das kommt dabei heraus, wenn man seine Fähigkeiten optimal nutzt.“

Nach dem Geschmack des Cheftrainers war das dem Angreifer in den vorausgegangenen Spielen nicht immer gelungen. Mitunter versucht sich Micanski zu sehr in einer Art Co-Spielmacherrolle neben Yelen und kann dann seine Qualitäten im Sturmzentrum nicht ausspielen. In Rostock war das anders. „Er hat sich darauf beschränkt, die Bälle anzunehmen und weiterzuleiten, so kommt er dann fast automatisch in die für ihn richtige Position“, lobte Möhlmann.

Die Rückrunden-Bilanz des drahtigen Angreifers, der 2010 als Torschützenkönig der zweiten polnischen Liga nach Kaiserslautern gewechselt war, liest sich eindrucksvoll.

Acht Tore in zwölf Spielen

In zwölf Spielen für den FSV erzielte er acht Tore und bereitete drei weitere vor. „Es ist brutal wichtig, dass wir ihn geholt haben“, erkennt Stöver Micanski einen beträchtlichen Anteil am Aufschwung der Bornheimer zu.

Überhaupt ist zu konstatieren, dass es die Offensive ist, die die Frankfurter von jenen Teams unterscheidet, die sie hinter sich gelassen haben. Mit dem Kantersieg an der Ostsee schraubten sie ihre Torausbeute auf 41, da kann kein Kellerkind mithalten.

Weniger schmecken dürfte den Verantwortlichen beim Frankfurter Stadtteilklub da, dass Ilian Micanski in der kommenden Saison gegen den FSV auf Torejagd gehen könnte. Der mutmaßliche Bundesliga-Absteiger Kaiserslautern ist nicht eben mit torgefährlichen Spielern gesegnet, was eine Rückkehr des Bulgaren in die Pfalz wahrscheinlich macht. Gern würde er die Hessen sicher nicht verlassen.

Am Freitag gegen Fürth

„Jeder Sportjournalist in Deutschland darf sich gern die Frage stellen, warum ich in dieser Saison nicht für den FCK gespielt habe“, gab der Stürmer in Rostock vielsagend zu Protokoll. Die eklatante Stürmermisere beim ehemaligen und womöglich auch zukünftigen Arbeitgeber mochte er verständlicherweise nicht kommentieren: „Das ist im Moment nicht mein Problem.“

Dass Benno Möhlmann gern auch in der nächsten Saison die Dienste des antrittsschnellen und abschlussstarken Angreifers in Anspruch nehmen würde, steht außer Frage. Womöglich ist auch das ein Grund dafür, dass er die Verwunderung darüber, dass die Lauterer einen Mann dieses Kalibers im Winter ziehen ließen, nicht teilen mochte: „Zwischen erster und zweiter Liga ist ja schon noch ein Unterschied.“

Nun spricht zu 99 Prozent alles dafür, dass es den Klassenunterschied zwischen FCK und FSV in der kommenden Spielzeit nicht mehr geben wird. Nach zwei trainingsfreien Tagen gilt von Montag an alle Aufmerksamkeit dem Heimspiel am Freitag (18 Uhr) gegen Greuther Fürth. „Jetzt müssen wir nachlegen“, forderte der Frankfurter Mittelfeldabräumer Samil Cinaz, „damit wir absolute Sicherheit haben.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen