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FSV Frankfurt gegen 1. FC Köln Erstklassige Schnupperstunde

Nach dem glücklichen 1:1 gegen den 1. FC Köln empfindet der FSV Frankfurt mehr Lust auf Spiele vor ausverkauftem Haus

Sicher verwandelt: Zafer Yelen trifft per Elfmeter zum 1:0. Foto: Pressehaus

Nach dem glücklichen 1:1 gegen den 1. FC Köln empfindet der FSV Frankfurt mehr Lust auf Spiele vor ausverkauftem Haus

Ihre beinahe kumpelhafte Beziehung ist verbürgt. Benno Möhlmann und Holger Stanislawski, zwei wirklich markante Figuren des deutschen Profifußballs mit diversen Berührungspunkten als Trainer und Spieler in erster und zweiter Liga, sind sich schon so oft begegnet, dass daraus irgendwann eine freundschaftliche Bande entstand. Bestens zu besichtigen bei einigen Scherzen auf dem Weg zur Pressekonferenz nach dem 1:1 (0:0) zwischen dem FSV Frankfurt und dem 1. FC Köln; übrigens ein Resultat, mit dem auch beide Fußballlehrer gut leben konnten. Dass der nunmehr seit zwölf Spielen ungeschlagene und inzwischen auf den vierten Platz vorgerückte Bundesligaabsteiger „das fußballerisch bessere Team mit den besseren Chancen“ stellte, räumte Möhlmann unverhohlen ein, aber Stanislawski gab eben auch zu Protokoll, „eine sehr interessante, hochintensive Partie“ erlebt zu haben, weil der Gastgeber „sehr strukturiert“ sei.

Doch wichtiger als diese fachliche Analyse war beiden ein Umstand, der nicht in Toren, Ecken, Schüssen, Flanken oder Ballbesitz zu messen war: die Atmosphäre. „Ich war ja gegen Cottbus in diesem Stadion“, erzählte Stanislawski mit einem Lausbub-Grinsen, „da war hier nicht so eine Stimmung.“ Und dann bedankte er sich bei „jedem Kölner Zuschauer, unsere Fans haben hier eine tolle Show hingezaubert“. Tatsächlich war der äußere Rahmen im mit 10470 Zuschauern restlos ausverkauften Stadion prächtig, auch wenn rund die Hälfte der Kulisse aus sangesfreudiger Kölner Kundschaft bestand.

Hoffnung auf mehr Zuschauer

Möhlmann nahm die Stanislawski-Vorlage direkt auf, „so macht es natürlich allen mehr Spaß, wenn eine gewisse Lautstärke auf den Rängen dabei ist.“ Frankfurts Trainer lobte explizit auch die FSV-Fans, „das war auch gut.“ Frankfurts Finanzfachmann Clemens Krüger sprach eingedenk der langen Schlangen bei der Einlasskontrolle oder den umlagerten Bratwurstbuden gleich von einem „Festtag“, Geschäftsführer-Kollege Uwe Stöver von „einer tollen Sache“. Die Schnupperstunde hat Lust gemacht: Stöver hofft, dass gleich am Freitag zum nächsten Heimspiel gegen Aalen „die meisten wiederkommen, weil sie hier eine gute Geschichte erlebt haben“.

Fast hätte diese Story sogar ein sportliches Happy End gehabt. Nachdem die Bornheimer am eigenen Hang über weite Strecken der ersten Halbzeit und vor allem nach der Verletzung von Kapitän Björn Schlicke (Oberschenkelprobleme) im zweiten Durchgang doch überwiegend mit dem Verteidigen beschäftigt waren, kamen die Hausherren nach einem dummen Einsteigen von Adam Matuschyk gegen Yannick Stark sogar in den Genuss eines Elfmeters. „Ich bin zuerst am Ball, dann trifft er mich klar von hinten“, schilderte der abermals starke, aber wegen seiner fünften Gelben Karte nunmehr gesperrte Mittelfeldmann des FSV die Szene. Der eingewechselte Zafer Yelen verwandelte den Strafstoß („Das liegt mir“) souverän (76.). Plötzlich gewann sogar der FSV-Anhang die akustische Hoheit.

„Ein gewonnener Punkt“

In diesem Moment beschlich nicht nur Möhlmann die trügerische Hoffnung, „dass wir ein unverdientes, dreckiges 1:0 über die Zeit bringen, aber das hat nicht sollen sein.“ Als Christian Clemens eher unkonventionell traf (83.), lag sich der Kölner Anhang in den Armen. Nichtsdestotrotz sprach Möhlmann später von „einem gewonnenen Punkt“. Der 58-Jährige will ohnehin nichts von den etwas künstlich anmutenden Aufstiegsambitionen des FSV wissen, weil er sie nicht für realistisch hält. Und deswegen wird er es dem 15 Jahre jüngeren Kumpel Stanislawski kaum übelnehmen, dass dieser später in kleiner Kölner Fragerunde Folgendes fürs Aufstiegsrennen prognostizierte: „Der dritte Platz wird erst die letzten zwei, drei Spieltage vergeben; Kaiserslautern, 1860, Cottbus und wir sind die Bewerber.“ Der FSV Frankfurt nach seiner Rechnung also nicht.

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