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FSV Frankfurt Der Gattuso von Bornheim

FSV-Mittelfeldabräumer Fanol Perdedaj ähnelt nicht nur äußerlich dem italienischen Weltmeister von 2006.

Arbeitet Fußball: Fanol Perdedaj (links) nach einem Zweikampf mit dem Bielefelder Fabian Klos (rechts). Foto: dpa

Als der erste Punkt der noch jungen Saison eingefahren war, hielt sich Fanol Perdedaj nicht mehr lange mit der Vergangenheit auf. Warum auch? Dem FSV Frankfurt steht im Klassenkampf der zweiten Liga noch ein langer Weg bevor. Also, Mund abputzen und weiter grätschen. Oder wie es der 24 Jahre alte Mittelfeldabräumer nach der Nullnummer bei Arminia Bielefeld politisch korrekt formulierte: „Wir müssen nur nach vorne schauen.“

Recht hat er. Vom vielen Reden allein geht der Ball nicht rein. Natürlich hätte der FSV auf der Bielefelder Alm durchaus auch drei Punkte einsammeln können. Das wäre zwar nicht verdient gewesen, aber die Chance bestand. „Uns fehlte vielleicht nur das Quäntchen Glück“, sagte Perdedaj nach dem Abpfiff. Dabei dachte der Neuzugang des FSV natürlich vornehmlich an die 50. Minute, als Lukas Gugganig die Kugel zentimetergenau an die Querlatte zimmerte. Ein klasse Freistoß. Wirklich sehenswert. Aber eben auch nicht viel mehr.

Am nächsten Wochenende ist Ligapause. Aber ausruhen ist nicht. In der ersten Runde des DFB-Pokals muss der FSV am Freitagabend (19 Uhr) beim ambitionierten Regionalligisten BFC Dynamo Berlin antreten. Ein schwerer Gang. Ein Traumlos sieht anders aus. Für Fanol Perdedaj ist der Trip in die deutsche Kapitale aber mehr als nur eine Dienstreise. Es ist dies auch eine Reise zurück zu den eigenen Wurzeln. „Ich war zwei Jahre alt, als meine Familie vor dem Krieg in Albanien geflohen ist“, erzählte er. Er wuchs in Berlin auf, lernte beim TSV Lichtenberg und dem 1. FC Wilmersdorf das Fußballspielen, bevor er kurz vor seinem elften Geburtstag in die Jugend von Hertha BSC wechselte. Dort verpasste ihm sein damaliger B-Jugendtrainer seinen noch heute gängigen Spitznamen: „Gattuso“. Nicht nur äußerlich ähnelt Perdedaj dem italienischen Haudrauf und Weltmeister von 2006. „Gennaro Gattuso ist mein Vorbild. Viele sagen, ich bin von meinen Spielanlagen ähnlich wie er. Das puscht unheimlich. Wenn du als junger Spieler so genannt wirst, auch vom Coach, macht dich das stolz.“

Rehhagel als großer Förderer

Zwölf Jahre trug er das Trikot der „alten Dame“. 2009 holte der damalige Trainer Lucien Favre den Junioren-Nationalspieler in den Profikader. Nicht wenige sagten Perdedaj eine große Karriere voraus, selbst der damalige DFB-Sportdirektor und heutige Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer schwärmte: „Er ist nicht der größte Stratege, sonst bringt er alles mit. Er ist laufstark, zweikampfstark und besitzt Willen. Ich bin schon lange ein Fan von ihm.“

Ein Lob aus berufenem Munde, wirklich durchgestartet ist Perdedaj aber nicht. Er kam gerade einmal auf 24 Profi-Einsätze, darunter acht in der Bundesliga. Dennoch waren es wichtige Lehrjahre für ihn. „Ich kann mich bei der Hertha nur bedanken“, sagte Perdedaj einmal. „Ich habe dort viel gelernt. Als wir in der zweiten Liga spielten, habe ich meine Sache ordentlich gemacht und der Mannschaft geholfen. In der Bundesliga war es etwas weniger. Die erste Liga ist eben eine andere Klasse. Dennoch bin ich froh, dass ich diese Einsätze bekam und beweisen konnte, dass ich dort mithalten kann.“

Größter Förderer des Mini-Gattuso war Otto Rehhagel. „Das kam für mich auch überraschend“, erinnerte sich Perdedaj. Denn Rehhagel sei ein Trainer gewesen, der eher auf Spieler über 30 setzte. Als er dann unerwartet gegen Werder Bremen in die Startelf berufen wurde, sei er selbst verwundert gewesen. „Er mochte mich wohl vom Spielertyp, weil ich ein bisschen verrückt und emotional bin, außerdem rennen und ackern kann.“

Tugenden, die gerade am Bornheimer Hang gerne gesehen werden. Fanol Perdedaj besitzt das Potenzial zum Fanliebling. Das war nicht immer so. Unter Jos Luhukay begann für den nur 1,73 Meter großen Deutsch-Kosovaren bei Hertha der sportliche Abstieg. „Neuer Trainer, neues Glück. Oder manchmal eben auch Pech“, erinnerte sich Perdedaj an seine Wanderjahre. Er ließ sich nach Dänemark ausleihen, kickte eine Saison für Lyngby BK. In der vergangenen Saison versuchte er sich dann in der Dritten Liga bei Energie Cottbus. Seit diesem Sommer schnürt er nun die Schuhe für den FSV Frankfurt. „Ich will mich wieder in der zweiten Liga beweisen“, sagte der Mittelfeldspieler bei der Unterzeichnung seines Zweijahresvertrags.

Im Konzept von Trainer Tomas Oral spielt Perdedaj eine zentrale Rolle. „Er ist voller Tatendrang, besitzt einen unheimlichen Willen und eine geile Mentalität“, lobte ihn Oral nach dem Kick in Bielefeld: „Trotzdem macht er Dinge, da will er einfach zu viel. Auf seiner Position muss er sich auf die einfachen Dinge beschränken.“

Für einen wie Fanol Perdedaj hängt die Messlatte eben höher. Auf der Doppel-Sechs ist er neben Kapitän Manuel Konrad gesetzt. „Nur belohnt er sich noch nicht für sein Spiel, weil er immer mal wieder einen fahrlässigen Ball nach vorne drin hat“, bekrittelte Oral den kosovarischen Nationalspieler. Dennoch zählte er am Freitagabend neben Konrad und Torwart André Weis zu den Besten. „Er hat gekämpft wie ein Maschine“, lobte Geschäftsführer Clemens Krüger. Wie Perdedaj und Innenverteidiger Joan Oumari ist auch Krüger Berliner.

Ein Betriebsausflug soll die Reise aber nicht werden. Das erste Erfolgserlebnis muss her. Ein Sieg ist Pflicht im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Nur das Weiterkommen zählt.

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