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FSV Frankfurt "Das war dämlich"

Der bereits nach einer guten Viertelstunde vom Platz gestellte Marc Heitmeier zeigt sich nach seinem Blackout ebenso selbstkritisch wie untröstlich.

Marc Heitmeiers schwerer Gang vom Platz. Foto: bild pressehaus

Mit gesenktem Kopf schlich Marc Heitmeier vom Platz. Sein Arbeitstag war beendet – nach nur 16 Minuten. Es war ein Bild des Jammers, das selbst Union-Coach Uwe Neuhaus rührte. Er verpasste dem 27 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler im Trikot des FSV Frankfurt auf dessen Weg in die Kabinen einen väterlichen Klaps auf den Hinterkopf. „Normalerweise mache ich sowas nicht“, sagte Neuhaus später. Aber man kennt sich. Heitmeier sei schließlich mal sein Spieler gewesen. Acht Jahre ist das her, als sich ihre Wege in der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund kreuzten. Das verbindet.

Marc Heitmeier bekam von alledem nichts mit. Der Mann bewegte sich längst in einem Tunnel. Seine Gedanken kreisten immer wieder um diese eine Szene im eigenen Fünfmeterraum, als er den Ball im Stile eines Volleyballers mit der Hand aus der Gefahrenzone gepatscht hatte. „Was habe ich nur getan?“, fragte er sich immer wieder und blieb sich selbst eine schlüssige Antwort schuldig. Er habe keine Ahnung, wie das passieren konnte, erklärte er nach dem Abpfiff den Journalisten. Untröstlich und doch mit einem Lächeln auf den Lippen. „In einem drin sieht es aber ganz anders aus.“

Strittige erste Gelbe Karte

Die Niederlage in Köpenick, daran gab es nichts zu deuteln, geht in erster Linie auf seine Kappe. „Ich wusste gleich um die Konsequenzen: Elfmeter, das 0:1 und dann auch noch Gelb-Rot. Das ist harte Kost“, sagte Heitmeier selbstkritisch: „Das war dämlich.“ Bereits nach nur fünf Minuten hatte ihm der Unparteiische erstmals den gelben Karton unter die Nase gehalten. Nach einem Zweikampf mit Markus Karl. Für Uwe Stöver ein ganz normales Tackling, keinesfalls gelbwürdig. Die Karte sei vom vierten Schiedsrichter gefordert worden, schimpfte der Geschäftsführer Sport des FSV.
„Die erste Gelbe war eindeutig überzogen“, krittelte auch Kapitän Björn Schlicke: „Die zweite lasse ich gelten.“ Über Heitmeiers Handarbeit gab es keine zwei Meinungen. „So dumm kann man gar nicht hingehen. Das weiß er selbst“, grantelte Schlicke. Einzig Heitmeier hielt es mit der Entscheidung des Schiedsrichters. „Man kann Gelb geben, auch wenn ich den Ball gespielt habe. Aber in solch einer Atmosphäre passiert das schon mal.“

Erst spät in Tritt gekommen

Dabei hatte sich der defensive Mittelfeldspieler vorher so viel vorgenommen. Es war erst das zweite Mal in der laufenden Saison, das er überhaupt in der Startformation stand. In den zurückliegenden neun Begegnungen kam er gerade mal zu vier Kurzeinsätzen. „Da ist das umso schlimmer, wenn man so ein Spiel abliefert“, haderte Heitmeier mit sich und der Welt.
Nun gehört Heitmeier zweifellos zu jenen Profis, die mitunter zu selbstkritisch ihrem Job nachgehen. Die Psyche spielte ihm schon so manchen Streich. Deshalb ist er nach missratener Vorbereitung im Sommer auch erst jetzt in Tritt gekommen. Dennoch, so Stöver, müsse man ihn jetzt nicht aufbauen: „Das ist Fußball, Mund abputzen und weitermachen. Da hilft kein Lamentieren, kein Ärgern. Ich erwarte von einem Profifußballer, dass er solche Dinge schnellstmöglich verarbeitet und ausblendet und nicht mit ins nächste Spiel mitnimmt.“ Wird er nicht. Er ist ja gesperrt.

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