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FSV-Chef Bernd Reisig tritt zurück Die Ränkespiele haben ein Ende

Bernd Reisig verliert den Machtkampf gegen die Römer-Politik. Die Verzögerung um den Bau der Haupttribüne ließ die Situation eskalieren. Der Frankfurter Sportdezernent Markus Frank hat sich durchgesetzt - und seinen Chancen auf eine Nominierung zum Oberbürgermeister gesteigert.

Kann sich als Sieger fühlen: Der Frankfurter Sportdezernent Markus Frank. Foto: Michael Schick

Markus Frank gibt sich diplomatisch. „Wenn Herr Reisig tatsächlich zurücktreten sollte, würde ich das bedauern“, sagt der CDU-Politiker, der seit drei Jahren Frankfurter Sportdezernent ist. Und weiter: „Gerade jetzt, da der FSV so gut spielt und wir uns als Stadt entschieden haben, die Tribüne umzubauen, verstehe ich die Entscheidung nicht.“ Was Frank nicht sagt: Mit Reisigs Rücktritt ist er seinen ärgsten Gegenspieler los. Der Machtkampf zwischen Bernd Reisig und Markus Frank ist entschieden.

Sie mochten sich nie. Auf der einen Seite Bernd Reisig, der Macher und Manager, dem es nie schnell genug gehen konnte, der lieber heute als morgen ein großes, modernes, prachtvolles Stadion am Bornheimer Hang gehabt hätte, der nie einem Konflikt aus dem Weg ging und eine schillernde Figur in der Öffentlichkeit abgab. Und auf der anderen Seite Markus Frank. Vorsichtig, manchmal zaudernd, zurückgenommen, diplomatisch. Die Bild-Zeitung, die Reisig nahesteht, titulierte Frank als „Sport-Undezernent“ und „weißes Haichen“.

Absurdes Versprechen

Eine Zeit lang sah es so aus, als könnten sich Reisig und Frank auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen und den Stadionumbau zusammen bewerkstelligen. Man stritt sich über angeblich zurückgehaltene Dokumente, um die Frage, ob die Haupttribüne nur saniert oder ganz neu gebaut wird, man führte (mitunter sehr öffentlich) harte Verhandlungen über die Refinanzierung des Baus. Aber am Ende, so glaubten viele in Frankfurt, würden Frank und Reisig doch die Tribüne gemeinsam eröffnen. Wie sie es nach der ebenfalls von vielen Pannen begleiteten ersten Umbauphase, in der die Gegengerade und die Stehtribünen gemacht wurden, ja auch getan hatten.

Endgültig eskalierte die Situation erst Anfang der Woche. Frank setzte sich mit seiner seit Monaten geäußerten Forderung durch, der Umbau der Haupttribüne müsse europaweit ausgeschrieben werden. Die Regierungskoalition im Römer fasste einen entsprechenden Beschluss. Für Reisig ein harter Schlag. Die Ausschreibung bedeutet einen immensen Zeitverlust. Vor der Saison 2012/2013 wird das Stadion nicht fertig.

Dabei hatte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) Anfang des Jahres auf dem Neujahrsempfang des FSV etwas ganz anderes angekündigt. Bereits im März sollten die Bagger anrollen. Ein absurdes Versprechen, das Reisig aber glaubte. Oder glauben wollte.

Frank aber erklärte seit Sommer, die Stadt müsse das Projekt ausschreiben. Ansonsten drohten Klagen von Unternehmen, die nicht zum Zuge kommen. Im schlimmsten Fall werde es einen Baustopp geben. Reisig und Roth, die seit Jahren ein gutes Verhältnis haben, wollten den Auftrag dagegen freihändig vergeben. Am besten an die ABG Holding, die das Stadion in Erbbaupacht nehmen wollte und versprach, die Tribüne für 10,5 Millionen Euro umzubauen. Mehr Geld ist im Haushalt dafür nicht vorgesehen.

Baubeginn wohl erst im Sommer 2012

Frank gewann das Spiel. Zwar ist die ABG Herrin der Ausschreibung, was die Kostendisziplin sichern soll. Doch welcher Unternehmer welche Aufgaben am Bau übernimmt, muss in einem langwierigen Verfahren ermittelt werden. Frühestens in einem Jahr, sagt Frank, würden die ersten Fertigbauteile in Bornheim eingesetzt. Realistischer ist, dass die eigentlichen Arbeiten erst im Sommer 2012 beginnen.

Offen sind hingegen zwei Fragen: Wieso wurde das Projekt nicht schon vor einem Jahr ausgeschrieben? Und wird der Bau überhaupt den Anforderungen der Deutschen Fußball Liga entsprechen? Die verlangt dauerhaft 15.000 Zuschauerplätze. Am Bornheimer Hang können höchstens 12.500 Plätze entstehen. Frank spricht von „guten Gesprächen mit der DFL“. Und bis zum Ende der Bauarbeiten werde es eine Ausnahmegenehmigung geben, so dass der FSV weiter am Hang spielen könne.

Fest steht, dass sich Frank nicht nur gegen Reisig, sondern auch gegen Roth und nicht zuletzt innerhalb der CDU-Fraktion durchgesetzt hat. 2013, wenn Roths letzte Amtszeit endet, möchte er für die CDU als Oberbürgermeister-Kandidat antreten. Seine Chancen auf eine Nominierung sind seit dieser Woche gestiegen.

Dabei wurde im Römer am Freitag gemunkelt, Reisig pokere nur extrem hoch. Er wolle mit seiner Rücktrittsdrohung die Ausschreibung im letzten Moment verhindern. Doch daraus dürfte nichts werden. „Wir bereiten die Ausschreibung nun vor“, sagt Frank – ganz diplomatisch.

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