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FSV besiegt Bochum Papa ist nicht böse

Mimoun Azaouagh trifft beim FSV für Bochum und auch für sich.

10.04.2011 22:31
Andreas Hunzinger
Gleich schlägt’s ein: Mimoun Azaouagh (m.) zieht zum 1:0 ab. Foto: getty

Normalerweise verrichtet Mohamed Azaouagh seine Arbeit abseits jeglicher Öffentlichkeit. Der kleine freundliche Mann ist Zeugwart beim Zweitligisten FSV Frankfurt. Und da wuselt er meist hinter den Kulissen herum und sorgt dafür, dass die Ausrüstung der Herren Profifußballer stets bestens präpariert ist. Am späten Montagabend war der 59 Jahre alte Marokkaner allerdings ein gefragter Mann. Mohamed Azaouagh musste Fernsehinterviews geben und auch der schreibenden Zunft Rede und Antwort stehen. Was doch ziemlich ungewohnt für ihn war.

Eingebrockt hatte ihm das mediale Interesse sein Sohn Mimoun. Der Mittelfeldspieler des VfL Bochum hatte mit seinem sehenswerten Treffer in der 18. Minute zum 1:0 das Gastspiel beim FSV Frankfurt zugunsten des VfL entschieden. Und nachdem die Fernsehkamera schon unmittelbar nach dem Tor auf den Vater gehalten und dessen Regungslosigkeit in die Wohnzimmer der Republik getragen hatte, wollte nun jeder wissen, wie denn die Gefühlslage bei Papa Azaouagh sei.

Denn es ist bekannt, dass Mohamed Azaouagh seinem Filius stets die Daumen drückt ? wenn es nicht gerade gegen seinen Arbeitgeber FSV geht. Am Montag, gab Azaouagh senior schließlich zu Protokoll, hätten schon zwei Herzen in seiner Brust geschlagen. Und er habe „nicht damit gerechnet, dass Mimoun ein Tor schießt“, so der Zeugwart der Bornheimer. Einen Rüffel für seinen Sohn gab es allerdings nicht. „Nein, er kriegt keinen Ärger“, sagte Mohamed Azaouagh milde lächelnd. „Ich bin ihm nicht böse.“

Derweil räumte auch der Bochumer Siegtorschütze ein, dass die Partie für ihn keine ganz gewöhnliche gewesen sei. Auch Mimoun Azaouagh sprach von „zwei Herzen in meiner Brust“, bestritt allerdings, dass ein recht sparsamer Torjubel etwas mit der Familienbande zu tun gehabt hätte. „Ich habe mich natürlich über das Tor gefreut“, sagte der 28-Jährige. Denn bei aller Besonderheit, die das Spiel für den einst aus der Jugend des FSV hervorgangenen Azaouagh hatte, war er zuvorderst mit professionellem Anspruch am Bornheimer Hang aufgelaufen. „Ich wollte nur die drei Punkte“, sagte Azaouagh. „Denn wir wollen den dritten Platz unbedingt festigen.“

Vorrunde im Regionalligateam

Doch nicht nur für seinen Arbeitgeber waren das Tor und der Sieg gut, sondern auch für Azaouagh persönlich. Denn der schmächtige Ex-U-21-Nationalspieler, der einst beim FSV Mainz 05 den Sprung in den Profifußball schaffte und durchaus als Versprechen für die Zukunft galt, hat die Kurve wieder gekriegt, nachdem er zuvor harte Monate zu überstehen hatte. Erst musste Azaouagh mit dem VfL im Mai 2010 aus der Bundesliga absteigen, dann verbrachte er die Vorrunde der laufenden Saison in der zweiten Mannschaft des VfL in der Regionalliga West, weil ihn Trainer Friedhelm Funkel im vergangenen Sommer ausgemustert hatte. In der Wintervorbereitung wurde der flinke Techniker schließlich wieder „begnadigt“ und hat seitdem alle Rückrundenspiele bestritten.

Azaouagh klingt nicht verbittert, wenn er heute über die Zeit in der Reserve spricht. „Ich habe es schon einmal gesagt“, betonte er am Montagabend. „Der Schritt zurück war einer nach vorne. Ich habe lediglich wieder Anlauf genommen.“ Anlauf in Richtung Bundesliga. Denn da will Mimoun Azaouagh mit dem VfL Bochum wieder hin. Und wenn dafür auch mal Papa geärgert werden muss.

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