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Bernd Reisig „Der Aufstieg war ein Betriebsunfall“

Ex-Geschäftsführer Bernd Reisig erinnert sich an den Tag vor genau zehn Jahren, als der FSV Frankfurt in die Zweite Liga aufgestiegen war.

Bernd Reisig
Mister FSV: Bernd Reisig, hier 2008, dem Jahr seines größtes Triumphes mit seiner großen Liebe. Foto: Imago

In Frankfurt, das kann man  sagen, ist Bernd Reisig so bekannt wie ein bunter Hund. Der 55-Jährige, im Stadtteil Zeilsheim geboren, war fast eineinhalb Jahrzehnte das Gesicht und der Macher des heutigen Regionalligisten FSV Frankfurt, er führte den Bornheimer Stadtteilklub von der Oberliga bis hinauf in die zweithöchste deutsche Spielklasse. 2010 trat er überraschend zurück.

Reisig, der die meiste Zeit des Jahres in seinem Haus auf Mallorca verbringt, hat für sich ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen. Doch er liegt nicht nur auf der faulen Haut, hat viele Projekte am Start, auch karitative, sehr erfolgreich führte er den Internet-Talk „Bembel und Gebabbel“ ein. Reisig, auch auf dem Politikterrain zu Hause und Unterstützer von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), ist einer, der aneckt, an dem man sich reiben kann. Finanziell ist er unabhängig, weil er die Karrieren von Nena, Badesalz oder Bodo Bach einst erfolgreich anschob. Morgen jährt sich einer seiner größten beruflichen Erfolge zum zehnten Mal, der Aufstieg des FSV Frankfurt in die Zweite Bundesliga. Für die FR nahm sich der Medienmanager daher sehr viel Zeit.

Herr Reisig, fast auf den Tag genau zehn Jahre liegt der Aufstieg des FSV Frankfurt in die Zweite Bundesliga zurück. Spielt dieses Datum noch eine Rolle für Sie, werden Sie womöglich gar sentimental oder ist das abgehakt?
Das ist für mich eine absolut sentimentale Geschichte. Ich hatte schon sehr erfolgreiche Episoden in meinem Leben, viele Highlights, nicht nur im Fußball, auch mit meinen Künstlern, zum Beispiel die erste Goldene Schallplatte mit Badesalz. Aber der Aufstieg gehört mindestens in die Top Five meines Lebens. Dieser Moment, mit meinem FSV auf dem Römerbalkon gestanden zu haben, bleibt unvergessen und immer in meinem Herzen.

Weil der kleine FSV so unendlich weit von der großen Fußballwelt weg war?
Wir haben den Verein in einer aussichtslosen Situation übernommen und mit Visionen bestückt. Damals, 1996, steckten wir im Konkurs, der Verein war so gut wie tot. Wir hatten durchschnittlich 150 Zuschauer, davon waren 100 über 70 Jahre alt. Die Tribünen am alten Bornheimer Hang waren mit Unkraut übersät, wir haben es selbst gejätet, ich habe auch aushilfsweise mal die Trikots gewaschen und getrocknet. Die Jugendabteilung war zwar existent, die Mannschaften spielten aber in den unteren Ligen. Wir waren ein liebenswerter Verein, aber in sich total eingestaubt. Aber was uns schon damals und in den Folgejahren immer stark gemacht hat, das waren unsere Nehmer-und Aufstehqualitäten. Wir haben oft auf die Schnauze bekommen, sind aber immer wieder aufgestanden. Wir sind mit Niederlagen und Rückschlägen seriös umgegangen. Wir hatten stets eine hohe Solidarität im Verein. Das bringt auch Sympathien. Wir hatten den Beinamen „kleines Gallisches Dorf“.

Und es war ausgerechnet die Eintracht, der große und lange ungeliebte Nachbar, die einen nicht unerheblichen Teil zur Rettung beitrug.
Ja, aber nicht ganz freiwillig. Die Eintracht hat uns, wenn man so will, damals mit gerettet, weil wir drei geniale Transfers eingefädelt hatten. Ich habe erst unsere Spieler Sascha Amstätter und Renato Levy für 300.000 Mark an die Eintracht transferiert. Und dann gab es diese komische Konstellation, dass Alex Schur vom FSV zu den Eintracht-Amateuren gewechselt war, sich aber nicht wohl fühlte. Ich hatte schon im September Kontakt zu ihm und ihm gesagt, er solle doch zur neuen Saison zurück zum FSV kommen. Wir haben dann auch recht bald einen Vertrag für die neue Spielzeit gemacht. Dann kam Stepi zur Eintracht, hat den Alex von den Amateuren zu den Profis hochgeholt und ihn reingeworfen. Alex hat gleich ein Tor gemacht und im nächsten Spiel noch eins. Der damalige Präsident Rolf Heller rief dann bei mir an und sagte: ,Du musst den Vertrag mit Schur rückgängig machen, du kannst dem Jungen nicht die Karriere verbauen.‘ Ich sagte ihm dann nur: ‚Will ich ja nicht, ihr müsst dann nur für ihn bezahlen.‘ Rolf Heller war einigermaßen erzürnt, weil er für seinen eigenen Spieler eine Ablöse ausgeben sollte. Das gab einen Riesenzirkus. Aber irgendwann hat die Eintracht bezahlt, 400.000 Mark. Da hatten wir für die drei Transfers auf einen Schlag 700.000 Mark – das war die Hälfte unserer gesamten Schulden.

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