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Zweite Liga Darmstadt kassiert Ausgleich in der Nachspielzeit

Bei Union Berlin schien Darmstadt 98 den erstaunlichen Auswärtssieg erstaunlich souverän ins Ziel zu bringen. Am Ende vergeben die Lilien den Sieg durch ein Eigentor.

Darmstadt 98
Mund abputzen, weitermachen - Torsten Frings. Foto: dpa

Fabian Holland hielt den Pfosten mit beiden Händen fest umschlossen, dann dotzte er seinen Kopf dreimal gegen das Aluminium. Der Linksverteidiger konnte es nicht fassen: In der letzten Sekunde der Nachspielzeit hatten die Lilien das 3:3 kassiert bei Union Berlin. Jan Rosenthal, von Holland nach einer Ecke angeköpft, war der Torschütze: Eigentor. So warten die Lilien schon seit neun Spielen auf einen Sieg – trotz enormer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit.

Das Warten auf die Darmstädter Mannschaftsaufstellung war diesmal ganz besonders spannend. Trainer Torsten Frings überraschte in den vergangenen Wochen ja immer wieder mit personellen Umstellungen, Großkreutz rechts vorne, Großkreutz rechts hinten, mal Mehlem auf der Zehn, mal Rosenthal, zuletzt sogar von Haacke. Frings hat vieles versucht, um Formschwächen und Verletzungen zu kompensieren, aber die Krise war immer einen Schritt schneller, bis die Spieler selbst nicht mehr zu wissen schienen, wer von ihnen eigentlich Mehlem oder Rosenthal oder von Haacke ist.

Boyd mit Doppelpack

Nach dem 1:2 gegen Sandhausen, dem vorläufigen Stimmungstief und Krisenhoch am Böllenfalltor, dem achten Spiel in Serie ohne Sieg, hatte Frings nun angekündigt, er werde auf Namen keine Rücksicht mehr nehmen. Wen würde es also treffen gegen die Unioner? Jenen Mann vielleicht, der auf den berühmten Namen Hamit Altintop hört, oder vielleicht sogar den Abwehrchef Aytac Sulu, dem im Spielaufbau selten mehr einfällt als der lange Ball? Kevin Großkreutz, ein Weltmeistername, blieb ohnehin in Südhessen – Hüftzerrung.

Am Ende setzte Frings einen ganz anderen Namensakzent. Torwart Joel Mall, der in den vergangenen fünf Spielen die verletzte Nummer eins Daniel Heuer Fernandes ersetzte, in zwei Spielen entscheidend patzte und seinen Vorderleuten nie Sicherheit gab, saß nur draußen. Stattdessen stand der Ersatzmann des Ersatzmanns im Lilien-Tor, Florian Stritzel, 23, vor der Saison aus Karlsruhe gekommen. Nach 38 Spielminuten durfte man konstatieren, dass das vielleicht keine so gute Idee von Frings war.

Ein Hoppelschuss des Berliners Grischa Prömel hoppelte dem armen Stritzel durch die Beine – 1:0 für den Tabellendritten Union. Das war auch die verdiente Halbzeitführung für die Gastgeber.
Frings muss auf dem Weg in die Kabine dann allerdings eine sensationelle Halbzeitansprache eingefallen sein. Denn plötzlich spielten die Darmstädter mutigen Offensivfußball, sie griffen hoch an, drängten Richtung Strafraum, was die Berliner gar nicht so richtig verstanden. Boyd zwang den Ball zunächst zum 1:1 ins Tor (51.), und der schnelle erneute Rückstand, hergestellt von Sebastian Polter per Elfmeter nach einem Handspiel von Sulu (58.), weckte Darmstadt gar endgültig auf.

Wieder war es Boyd, der nach Maßflanke von Markus Steinhöfer sehenswert zum 2:2 traf (62.), und für das 3:2 (66.) notierte man dann einen Namen, den die Darmstädter lange schmerzlich vermisst hatten: Tobias Kempe, mit einer Zehenverletzung wochenlang ausgefallen, drosch den Ball vom Elfmeterpunkt vehement in die Maschen, nachdem Marvin Mehlem gefoult worden war. Auch sonst hatte Kempe nach seiner Einwechselung (59.) äußerst belebende Wirkung aufs Spiel der Lilien, die den erstaunlichen Auswärtssieg erstaunlich souverän ins Ziel zu bringen schienen. Bis, ja bis Fabian Holland verzweifelt den Pfosten umklammerte.

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