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Terrence Boyd Auf neuen Pfaden

Lilien-Stürmer Terrence Boyd hat ein Café eröffnet – und hofft, dass es besser läuft als seine Karriere in Darmstadt.

Terrence Boyd
Terrence Boyd (hier mit Freundin Jasmin) spielt seit Januar 2017 für Darmstadt 98 und erzielte in 41 Spielen fünf Tore. Foto: Imago

Terrence Boyd bevorzugt den schnellen Abschluss, im Fußball wie im sonstigen Leben. Als Boyd in Wien spielte vor ein paar Jahren, bei Rapid, bezeichnete ihn der damalige Salzburger Trainer Roger Schmidt einmal ehrfurchtsvoll als „besten Ein-Kontakt-Stürmer“ der Bundesliga, der österreichischen natürlich. Und als der Deutsch-US-Amerikaner im Frühjahr 2017 nach Darmstadt kam, Bundesliga Deutschland, zeigte er gleich, dass er sich auch mit Wackelkontakten auskennt. Beim 2:1-Sieg der Lilien gegen Borussia Dortmund traf er den Ball nicht richtig, aber der Ball ging einfach trotzdem ins Tor.

Jetzt also die Sache mit dem Café, in Mannheim. Ab und zu, findet Terrence Boyd ja, muss man auch die Chancen volley nehmen, die einem das Leben vor die Füße flankt. Vor wenigen Monaten entstand die Idee, inzwischen steht der ganze Laden. 

Am Donnerstag war die Eröffnung des „Boyd’s“ in der Mannheimer Innenstadt, und der Mitinhaber und Namensspender sagt: „Spontan zu sein und einfach machen, statt später einer Sache hinterherzutrauern: Das ist für mich eine Form des Lebens. Da merkst du doch, dass du lebst.“ 

In Wien hatte er seine Liebe zum Kaffee entdeckt, in den legendären Kaffeehäusern der Stadt, aber der kleine Laden in Mannheim wird ein bisschen was anderes, schon aus Platzgründen. Alles soll schnell, „wir gehen voll aufs To-Go-Geschäft“, sagt der 14-malige US-Nationalspieler, und da unterscheidet sich seine Kaffeekarriere wesentlich von der im Fußball, der für Boyd ein Go-To-Geschäft ist: Er ist der Zielspieler vorne drin. Wenn er denn mal auf dem Platz stehen darf. Was eher selten der Fall war in seiner Zeit am Böllenfalltor.

Am vergangenen Wochenende gegen Köln (0:3) hat er tatsächlich mal wieder spielen dürfen, so richtig, von Anfang an und fast bis zum Ende durch. Das war zuletzt im April der Fall gewesen. Danach: Kurzeinsätze, wenn überhaupt, acht Minuten, neun Minuten – keine Minuten. Gegen den FC durfte er ran, weil die unumstrittene Stammkraft Serdar Dursun angeschlagen ausfiel und Felix Platte, nach langwieriger Verletzung erst seit Kurzem wieder fit, noch die Kraft fehlte. Sind Dursun und Platte gesund, droht Boyd die Tribüne, dem Dursuns Geschmeidigkeit abgeht und Plattes Dynamik.

„Natürlich bin ich nicht zufrieden, wenn ich nicht spiele, aber das ist ja bei jedem so“, sagt Boyd. Aber: „Wir freuen uns alle, dass Felix wieder fit ist, weil er viel beisteuern kann. Wir haben in der letzten Saison gesehen, was passieren kann, wenn Spieler länger verletzt sind. Ein halbes Jahr fast als Absteiger rumzudümpeln, das hat uns alle sehr geprägt. Das war echt nicht cool.“ Boyd preist die Ruhe, die Trainer Dirk Schuster vermittelt hat damals, als es um alles ging. „Das war beeindruckend. Er hat geschafft, dass wir nicht das große Ganze betrachten, sondern Spieltag für Spieltag. ‚Am Ende wird abgerechnet, wir machen das schon‘, hat er gesagt. Das hat uns getragen.“ 

Die aktuelle Spielzeit scheint etwas entspannter zu verlaufen für die Lilien, sie stehen mittendrin in der Tabelle, wenn sie am Samstag (13 Uhr) beim noch ungeschlagenen Top-Team Union Berlin spielen. Boyd hat gute Erinnerungen ans Stadion an der Alten Försterei, beim 3:3 in der vergangenen Saison traf er zweimal, mit zwei wuchtigen Ein-Kontakt-Treffern. Ein Highlight in seiner Darmstädter Karriere? „Ja. Gab ja auch nicht so viele“, sagt er lachend. „Das ist schade, aber so ist Fußball. Man muss immer weiter Gas geben. Irgendwann fallen die Dinger vor die Füße. Jammern hilft nicht.“

Ohnehin ist nicht ausgeschlossen, dass Boyd sich in Berlin wieder bewähren darf. Dursun droht weiter auszufallen mit muskulären Problemen, Platte ist eigentlich noch nicht bereit für die Startelf. Es wäre die nächste Chance für Boyd, für den es jetzt eines zu vermeiden gilt: Dass seine Zeit bei den Lilien bald kalter Kaffee ist. 

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