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SV Darmstadt Darmstadts mutige Mischung

Saisonvorbereitung: Der SV Darmstadt 98 vereint in seinem neuen Kader Jung und Alt.

SV Darmstadt Österreich
Der SV Darmstadt im Trainingslager in Österreich. Foto: Imago

Es läuft diesmal etwas anders im idyllischen Haus im Ennstal, wo sich der SV Darmstadt 98 noch bis Dienstag auf die in knapp zwei Wochen beginnende Zweitligasaison einstimmt. Auch im vergangenen Jahr waren die Darmstädter Berufsfußball ja in die österreichische Steiermark gefahren, um sich im Sommertrainingslager für die nächste Spielzeit vorzubereiten – was dann vor allem insofern gut gelang, als dass sich das kleine Chaos der Vorbereitung später im großen Chaos einer furchterregenden, den Abstieg einleitenden Hinrunde widerspiegelte.

Dem Abwehrspieler Slobodan Rajkovic fiel damals plötzlich ein, dass er unbedingt nach Palermo wechseln will, worauf auch der Flügelstürmer Marcel Heller sehr dringend weg wollte, ohne dass jemand wusste, wohin überhaupt. Rajkovic durfte gehen, Heller musste bleiben, und aufmerksame Beobachter sind heute der Meinung, den folgenden Saisonverlauf inklusive Abstieg bereits in Österreich in der Laune des damaligen Trainers Norbert Meier entdeckt zu haben.

Rundes Team für Torsten Frings

Es gibt die berechtigte Hoffnung in Darmstadt, dass man auch den diesjährigen Aufenthalt in der Steiermark in der neuen Saison wiederfindet. Im Gegensatz zu Meier, der in den Trümmern des Post-Schuster-Umbruchs in kürzester Zeit eine Erstligateam improvisieren musste, kann der jetzige Trainer Torsten Frings mit einer ziemlich runden Mannschaft arbeiten, er muss auch nicht befürchten, dass plötzlich ein Führungsspieler an der Zimmertür klopft und nach seinem Auflösungsvertrag verlangt.

„Die Spieler sind hungrig und zeigen sich, die jungen machen Druck. So haben wir uns das vorgestellt“, sagte Frings in der vergangenen Woche. Der 40-Jährige, Trainer und sportlicher Leiter in Personalunion bei den Lilien, unterstützt von einem mehrköpfigen Tüftlerteam im Hintergrund, verantwortet eine Mischung, die Gegenwart und Perspektive gleichermaßen zu vereinen scheint; er hat die vorhandene Basis erfahrener Spieler wie Mannschaftskapitän Aytaç Sulu (31), der seinen Vertrag ebenso bis 2019 verlängerte wie der gleichaltrige Jan Rosenthal, und Peter Niemeyer (33) um einige zukunftstragende Personalien ergänzt.

Einige junge Neuzugänge

Aus der Jugend des VfL Wolfsburg kam zum Beispiel der 19-Jährige Orrin McKinze Gaines ans Böllenfalltor, ein rasend schneller US-Amerikaner für die rechte Außenbahn. Julian von Haacke (23), ein feiner Techniker, mit dem Frings schon bei der U23 von Werder Bremen zusammenarbeitete, ist nach dem Weggang von Jerome Gondorf genauso eine Option fürs zentrale Mittelfeld wie Romuald Lacazette (23), der mit der Erfahrung zweier aufregender Jahre bei 1860 München nach Südhessen wechselte.

Das sind Transfers, die man in den vergangenen Jahren eher nicht gesehen hat am Böllenfalltor, wo man den Erstligazwängen in erster Linie damit begegnete, erfahrene, woanders aussortierte Spieler in den Kader aufzunehmen. Die Lilien experimentieren mit einem neuen Ansatz, aber es ist kein Experiment, mit welchem sie die Konkurrenzfähigkeit in der zweiten Liga gefährden würden; neben den Talenten, die sich erst beweisen müssen, haben sie ja auch Spieler den grundsätzlich überall einsetzbaren Kevin Großkreutz (28) verpflichtet sowie Rückkehrer Tobias Kempe (28), den Aufstiegshelden von 2015, der auf der linken Seite den Abgang Marcel Hellers nach Augsburg kompensieren soll. Und jene Kompetenz bei Standardsituationen zurückbringt, die man in der vergangenen Saison so sehr vermisst hat.

Weitere Neuzugänge sind möglich, auch die Weiterverpflichtung Hamit Altintops ist noch nicht abgehakt, der Türke vereint mit 34 ja irgendwie alles in sich: Jugend und Alter, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zu den neuen Lilien würde er perfekt passen.

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