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SV Darmstadt 98 Viele Fragen und eine Baustelle

Nach dem Zweitliga-Klassenerhalt steigt der SV Darmstadt 98 in die Planungen für die kommende Saison ein.

Dirk Schuster
Brachte den Erfolg zurück: Dirk Schuster. Foto: dpa

Und jetzt? Was jetzt, nach dem geschafften Zweitligaklassenerhalt für den SV Darmstadt 98, nach Monaten des Hoffens und Bangens am Böllenfalltor? Die ganz große Party hatte man sich ja selbst untersagt, nach dem finalen 1:0-Sieg gegen Erzgebirge Aue, zu enttäuschend war die Saison des Bundesliga-Absteigers insgesamt gelaufen, und Sandro Sirigu traf am Sonntag noch im Stadion eine harte Erkenntnis: „Bis Dienstagnachmittag haben wir Training. Da bin ich schon etwas bestürzt“, sagte der Flügelmann grinsend. Die spontane Abschlussfahrt war also nicht drin für die Fußballprofis.

Wenn schon Training angesetzt sei, dann werde man halt auch ein bisschen trainieren, sagte Coach Dirk Schuster verschmitzt, als habe er nichts mit der Planung zu tun. Tatsächlich aber geht es vordergründig um andere Dinge in dieser Woche am Böllenfalltor als um körperliche Ertüchtigung, Vertragsgespräche müssen geführt werden, Saisonanalysen erstellt: „Dafür werden wir die komplette Woche nutzen“, erklärte Schuster. „Die Spieler haben da noch das Glück, dass sie am Mittwoch abhauen dürfen.“

Wer dann nach der Sommerpause zurückkehrt nach Darmstadt, ist nun die große Frage. Der Abstiegskampf hat die Darmstädter bis zum letzten Spieltag konsumiert, ihren kompletten Fokus gefordert, und ohne die Gewissheit, in welcher Liga der Klub spielen würde, ließ sich der Kader für die Saison 2018/19 nicht einmal in Ansätzen vorbereiten. Beim Gang in die Dritte Liga, wo die TV-Gelder von mehr als 15 Millionen Euro auf etwa 1,3 Millionen geschrumpft wären, hätte die Mannschaft mit schmalem Budget neu aufgestellt werden müssen. Die kürzlich erfolgte, ligaunabhängige Vertragsverlängerung mit Mastermind Schuster immerhin gab ein Grundmaß an Stabilität.

Brégerie fühlt sich wohl

„Wir hatten das Problem, zweigleisig planen zu müssen“, sagte Präsident Rüdiger Fritsch. Viel Papier und viele Konzepte für den Drittligafall könne man nun „in die Tonne treten. Aber das ist uns natürlich nur lieb.“ Auf den Papieren, die übriggeblieben sind, prangen indes viele Fragezeichen. Was zum Beispiel passiert mit den Leihspielern?

Innenverteidiger Romain Brégerie, 31, ist vom FC Ingolstadt ausgeliehen, er steht dort noch zwei Jahre unter Vertrag. „Es war die richtige Entscheidung, nach Darmstadt zurückzukommen“, sagte der Franzose am Sonntag, der 2014 mit Lilien unter Schuster den Bundesliga-Aufstieg schaffte, eher er nach Bayern wechselte: „Die fünf Monate hier waren sehr schön, mit vielen Emotionen.“ Gespräche hat es noch nicht gegeben mit den Ingolstädtern, aber Brégerie ließ zwischen den Worten recht klar durchblicken, dass er am liebsten in Darmstadt bleiben würde. Und die Darmstädter würden den Mann natürlich auch gerne halten, der, Seit‘ an Seit‘ mit Kapitän Aytac Sulu, die Defensive in der Rückrunde merklich stabilisierte.

Auch den aus Augsburg ausgeliehenen Offensivmann Dong-Won Ji, 26, würde Schuster gerne weiter trainieren. Der technisch versierte Koreaner war ein zentraler Bestandteil des Angriffsspiels der Lilien in den zurückliegenden Monaten. „Er hat die Erwartungen erfüllt und uns sehr weitergeholfen“, sagte Schuster, „auch wenn er vielleicht das eine oder andere Tor mehr hätte erzielen können.“ Zwei waren’s nur. Vielleicht finde man ja irgendeinen Weg, „wie man weiter zusammenarbeiten kann.“

Jan Rosenthal, 32, spielte zuletzt gar keine Rolle mehr bei Schuster und überlegt sich gerade, ob, wie und wo er seine Karriere fortsetzen wird. Und auch bei Peter Niemeyer, 34, der in dieser Saison aus Verletzungsgründen nur zweieinhalb Spiele absolviert hat, ist die Zukunft unklar. Der Vertrag des Defensivallrounders läuft aus.

Es wird sich mal wieder einiges tun am Böllenfalltor im Sommer, so viel ist klar. Ein Abgang steht ja bereits fest, die legendäre Gegengerade wird demoliert in der Pause, es ist der erste Schritt des großen Umbaus, 30 Millionen Euro teuer, 2020 soll das modernisierte Bölle dann komplett sein. Bis dahin werden die Lilien auf einer Baustelle spielen, und in der kommenden Saison wird sich die Kapazität zunächst von 17 500 auf rund 11 000 verringern.

Die Pläne immerhin, die für die Projektfinanzierung beim Abstieg „für schlechte Zeiten“ (Fritsch) bereitliegen, können nun erst einmal in der Schublade bleiben. Vielleicht die beste Nachricht überhaupt in Darmstadt am Ende eines schwierigen Fußballjahres.

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