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SV Darmstadt 98 In der Mitte ein Spiegel

Eine wilde Saison könnte für den SV Darmstadt 98 glimpflich enden. Am letzten Spieltag in der 2. Fußball-Bundesliga kommt es zwischen den Lilien und Erzgebirge Aue zum direkten Duell im Abstiegskampf.

Dirk Schuster
Der Wundermacher: Lilien-Trainer Dirk Schuster. Foto: dpa

Wenn man die am Sonntag endende Zweitligasaison richtig verstanden hat mit all ihren Volten und Schrulligkeiten, ist es zwangsläufig, dass der SV Darmstadt 98 gegen Erzgebirge Aue den Klassenerhalt sichert – ein Pünktchen braucht es noch, will man nicht von den Resultaten der anderen abhängig sein. Denn das ist ja augenscheinlich: Die Lilien, als Bundesligaabsteiger und Aufstiegsmitfavorit in die Saison gegangen, gestalten die Rückrunde als exaktes Gegenteil der Hinrunde.

Mit dem Trainer Torsten Frings war ein guter Saisonstart gelungen, der dann in ein sich langsam steigerndes Drama überging, an dessen Ende die Südhessen plötzlich elf Spiele nacheinander nicht gewonnen hatten und Frings seinen Job verlor, nach einem 0:1 in Aue, 17.

Hinrundenspieltag. Mit dem Nachfolgetrainer Dirk Schuster verschärfte sich zunächst die Situation, zwischenzeitlich lag die Mannschaft fünf Punkte hinter den Nichtabstiegsrängen, auf Platz 17, aber dann steigerten sich die Südhessen in einen Lauf rein, und sollten sie gegen Aue am Sonntag (15.30 Uhr) mindestens noch dieses Unentschieden holen, am 17. Rückrundenspieltag, hätten sie elf Spiele nacheinander nicht verloren. Eine Saison, zwei Serien, und in der Mitte steht ein Spiegel.

Die Chancen stehen gut, dass alles noch einmal glimpflich ausgeht für die Darmstädter, von einem Erfolg wird so oder so nicht die Rede sein können. Ambitioniert ist man am Böllenfalltor in die Saison gestartet, zwar war der Aufstieg offiziell kein Thema, aber niemals hätten die Verantwortlichen um Präsident Rüdiger Fritsch im Sommer gedacht, dass der Klub am Rande der Drittklassigkeit landen würde.

Niemals hätten sie da gedacht, dass sie im Winter den umjubelten Trainer Frings rauswerfen und ausgerechnet mit Schuster ersetzen würden, jenem Trainer, der sich nach einem Bundesliga-Jahr nach Augsburg verabschiedete, viele grummelnde Menschen am Böllenfalltor hinterlassend. Niemals hätten sie gedacht, dass sie zweimal mit einem Cheftrainer verlängern würden in dieser einen Saison, erst mit Frings, im Herbst 2017; dann mit Schuster, anderthalb Wochen ist es her.

Gegen Aue nicht mehr Jäger

Die Saison der Darmstädter berührt den Kern des Fußballs, irgendwie kommt ja meistens alles anders als gedacht, außer man ist zufällig der FC Bayern. Und womöglich ist das die große Gefahr für die Lilien, für das Spiel gegen Erzgebirge Aue, das als 15. punktgleich mit Darmstadt (40) ums Zweitligaüberleben kämpft: Dass der Klassenerhalt nun plötzlich greifbar ist, da liegt er, nehmt ihn euch doch, Lilien, kein Grund für zittrige Hände.

Wochenlang haben die Darmstädter gejagt, gejagt, gejagt, und immer sind die Gejagten bis zuletzt entwichen, immer haben sie selbst gepunktet. Dass der SVD mit 40 Punkten noch nicht sicher ist vor den Drittligageistern, ist ja genauso erstaunlich wie die Tatsache, dass Dynamo Dresden – auch so ein Team mit anderen Ambitionen – mit 41 Zählern noch auf den vorletzten Platz stürzen könnte. Es ist halt das reinste Chaos in dieser Saison.

Den letzten Punkt wollen sie noch einsammeln, die Lilien, und dann ab in die Sommerpause: In Ruhe drüber nachdenken, was um alles in der Welt passiert ist in den vergangenen neun Monaten.

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