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Stadionneubau Stadion wird teurer und kommt später

In der Euphorie nach dem Aufstieg des SV Darmstadt 98 klang alles ganz einfach. Die Stadt baut am Standort des Böllenfalltor-Stadions eine neue Arena. Die Finanzierung schien gesichert. Baubeginn sollte diesen Sommer sein. Davon ist jetzt keine Rede mehr.

16.02.2015 11:00
Das Böllenfalltor: Die Nachfolge kostet. Foto: dpa

Darmstadt braucht ein neues Stadion - darin sind sich zumindest Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) und die Verantwortlichen beim SV Darmstadt 98 einig. Es geht dabei um mehr als das Wohl des Fußball-Zweitligisten. Die Stadt als Besitzer des Stadions am Böllenfalltor buttert nämlich jedes Jahr rund eine halbe Million Steuergelder allein in den Erhalt der maroden Spielstätte. Mit einer neuen Arena könnte man dagegen sogar Geld verdienen. Nach den jüngsten Entwicklungen steht jedoch in den Sternen, wann diese Arena kommt - und zu welchem Preis.

«Es gibt eine andere Betrachtungsweise der Gesamtsituation und eine Risikoabwägung für den Prozessverlauf», erklärte Rainer Burhenne, in Personalunion Büroleiter des Oberbürgermeister und Geschäftsführer der mit der Organisation des Stadionneubaus beauftragten Darmstädter Sportstätten GmbH & Co. KG. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich die Erkenntnis, dass die Stadt entgegen bisherigen Annahmen doch ein sogenanntes Bauleitplanverfahren durchführen muss, das unter anderem eine Beteiligung der Bürger vorsieht.

Grund für das Verfahren ist, dass in der neuen Arena neben den Fußballspielen etwa 70 andere Veranstaltungen pro Jahr stattfinden sollen. Damit liegt eine Erweiterung der bisherigen Nutzung vor. Diese Pläne sind nicht neu. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie war im Sommer 2013 jedoch davon ausgegangen, dass deswegen kein Bauleitplanverfahren notwendig ist. «Es nutzt niemandem, einen Baustopp zu riskieren, während vielleicht schon eine Tribüne abgerissen wurde», rechtfertigte Burhenne nun das Umdenken.

Mäßige Begeisterung bei Anwohnern

Das Stadion grenzt an das Steinbergviertel - eine der besten Gegenden Darmstadts. Und dort ist man vom Aufschwung der «Lilien» angesichts des zunehmenden Mülls, urinierender Fußballfans und zugeparkter Straßen und Einfahrten an den Spieltagen nur mäßig begeistert. Einwände oder Klagen im Zuge des Planverfahrens würden den Baubeginn weiter verschieben, könnten im schlimmsten, wenn auch unwahrscheinlichen Fall sogar das gesamte Projekt kippen.

Ebenfalls nicht mehr gültig sind die in der Studie veranschlagten Kosten von 27,4 Millionen Euro. Die Stadt hat eingeräumt, dass man mittlerweile von 30,7 Millionen Baukosten ausgehe. Der Gesamtfinanzierungsbedarf mit Vorlaufkosten, Vorsteuern und Risikozuschlag liegt sogar bei 33,95 Millionen Euro.

All das setzt jedoch voraus, dass der Umbau tatsächlich wie aktuell geplant im Sommer 2017/18 abgeschlossen ist. Weitere Verzögerungen - etwa wegen Bürgerklagen im Bauleitplanverfahren - könnten den Preis weiter nach oben treiben, ebenso wie nicht eingeplante größere Nachbesserungen am ohnehin noch nicht komplett fertigen Konzept.

Bei den «Lilien» versucht man, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Als Mieter sind die Einflussmöglichkeiten des Vereins ohnehin gering. «Wir jubeln nicht», sagt Vereinspräsident Rüdiger Fritsch, der sich «lieber heute als morgen» ein neues Stadion wünscht.

Trainer Dirk Schuster nennt die neuen Verzögerungen «nicht gerade förderlich und sehr ärgerlich für die Entwicklung des Vereins». Immer wieder hat er betont, wie wichtig ein neues Stadion für einen dauerhaften sportlichen Erfolg sei. So seien mehrfach Verpflichtungen geplatzt, weil die potenziellen Neuzugänge die Nase über die Bedingungen am Böllenfalltor gerümpft hätten.

Auch Schusters Engagement hängt mit der Stadionfrage zusammen. Der 47-Jährige, der das Gesicht des sportlichen Erfolgs bei den Südhessen ist, macht keinen Hehl daraus, dass er irgendwann einen Bundesligaverein trainieren möchte. Sein Kontrakt läuft bis Sommer 2016. Das Stadion wird ein Jahr später fertig - wenn alles klappt. (dpa)

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