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Spiel gegen Ingolstadt Zum Punkt gemogelt

Schwache Lilien bedienen sich einer Schwalbe, um nicht zu verlieren. Gegen den FC Ingolstadt spielen die Darmstädter 1:1.

Fabian Holland, Aytac Sulu und Thomas Pledl
Eingekeilt: Die Darmstädter Fabian Holland (li.) und Aytac Sulu nehmen Thomas Pledl in die Zange. Foto: dpa

Stefan Leitl verweigerte jetzt lieber die Aussage, und vermutlich war das auch besser so. Andernfalls wären dem freundlichen Mann noch ein paar sehr unfreundliche Dinge rausgerutscht bei seiner Rückkehr ans Darmstädter Böllenfalltor, die natürlich auch eine Rückkehr zu alten Freunden war. Von 2004 bis 2007 spielte Leitl für die Lilien in der Regionalliga, inzwischen ist er Trainer des Zweitligisten FC Ingolstadt, und als solcher hatte er ein großes Ärgernis zu verarbeiten beim 1:1 an früherer Wirkungsstätte am Samstagmittag. „Da kann sich jeder selbst ein Bild machen“, sagte der 40-Jährige über jene Situation in der zweiten Halbzeit, die den Gästen aus Bayern den Auswärtssieg kostete. „Ich möchte mich dazu nicht äußern.“

Gut, auch kein Problem, das entsprechende Bild hatte man sich ja schnell gemacht, es ging um die 67. Spielminute. Das Bild sah so aus, dass Fabian Holland, Darmstadts Linksverteidiger, seiner abstiegsbedrohten Mannschaft mal eben einen Elfmeter erschuf. Er kreuzte den Laufweg des Ingolstädters Hauke Wahl im Strafraum der Gäste, fuhr sein linkes Bein aus, stolperte damit über Wahl, und weil Holland das recht geschickt anstellte, nahm Schiedsrichter Thorben Siewers ihm die Elfmeterillusion ab und zeigte auf den Punkt. Fairplay geht anders. Tobias Kempe nahm das Geschenk stellvertretend für alle Darmstädter an und traf zum Ausgleich.

Es wird den Lilien schon sehr bald sehr egal sein, wie der Punkt am Ende zustande kam, sie sind gerade um alles Zählbare froh, das sie sich irgendwie auf die Seite schaffen können. „Es ist ein gewonnener Punkt“, sagte Torwart Daniel Heuer Fernandes. Aytac Sulu, der Kapitän, nahm „den Punkt gerne mit“, denn: „Es war klar, dass wir bis zum Saisonende nicht jedes Spiel gewinnen werden. Das schafft nicht der FC Bayern und wir schon gar nicht.“

Und doch tappen die Darmstädter weiter auf der Stelle im düsteren Zweitligakeller, Vorletzter sind sie, acht Spieltage vor dem Saisonende. Der überzeugende Auswärtssieg bei Dynamo Dresden in der Vorwoche ist gleich auf mehrere Arten verpufft, tabellarisch, weil die Konkurrenz gleichzeitig wie wild punktete, und fußballerisch, nun ja: Weil die Lilien in der ersten Halbzeit spielten, wie sie spielten. Nicht sonderlich gut. 

„Wir wollten früh anlaufen, Fehlpässe provozieren und die Zweikämpfe aktiv gestalten“, sagte Trainer Dirk Schuster, dessen Team die Fehlpässe dann allerdings selbst spielte und die Zweikämpfen eher passiv gestaltete. „So, wie wir da gespielt haben, gewinnt man in der zweiten Liga nicht viele Spiele.“ Robert Leipertz traf nach schönem Steilpass des Ex-Frankfurters Sonny Kittel zur verdienten Führung für die Gäste (18.), unzureichend gestört von Kevin Großkreutz. „In der ersten Halbzeit war es nicht so berauschend“, befand Sulu: „Das wissen wir, und das haben wir so auch gesagt bekommen.“

Schuster selbst zog es vor, sich an seine Halbzeitansprache „nicht mehr erinnern“ zu können. Seine Umstellungen zum Seitenwechsel immerhin fruchteten, Kempe machte aus dem Zentrum das Spiel, der eingewechselte Jan Rosenthal sorgte hier und da im Zusammenspiel mit Dong-won Ji für ein wenig Spielkultur. Am Ende war es aber zu wenig, alles in allem, und wenn die Darmstädter eine seriöse Plus-Minus-Bilanz aufmachen nach der Begegnung mit den ersatzgeschwächten und biederen Ingolstädtern, dürfte die Enttäuschung überwiegen. „Mehr als einen Punkt hatten wir heute nicht verdient“, wusste Schuster, der durchaus ein wenig entsetzt schien ob der zaghaften und wirren Leistung seines Teams vor der Pause. 

Verletzte und angeschlagene Spieler hatten den Lilien unter der Woche zu schaffen gemacht, wie so oft in den zurückliegenden Wochen. Auch so ein Grund, warum die Mannschaft nicht richtig in Schwung kommt, gegen Ingolstadt musste Schuster Stürmer Felix Platte und Innenverteidiger Romain Brégerie ersetzen (beide muskuläre Probleme). 

Andere haben so mit sich zu kämpfen, Slobodan Medojevic zum Beispiel, der Sechser, der von Eintracht Frankfurt ans Böllenfalltor wechselte und nach einem Dreivierteljahr so gut wie ohne Spielpraxis noch auf der Suche nach seinem alten Fußball-Ich ist. Am Samstag kam der Serbe nicht zum Einsatz, wie schon in Dresden.

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