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Spiel gegen Heidenheim Fortschritt im Kopf

1. Update75 Minuten in Unterzahl: Darmstadt freut sich über ein 1:1 gegen Heidenheim.

Darmstadt 98 - 1. FC Heidenheim
Die beiden Darmstädter Slobodan Medojevic (l) und Darmstadts Felix Platte (r) nehmen Heidenheims Marcel Titsch-Rivero in die Zange. Foto: dpa

Es ist am Sonntag in Darmstadt viel darüber gesprochen worden, was er jetzt eigentlich bedeutet, dieser Punktgewinn der Lilien beim 1:1 (0:1) gegen den 1. FC Heidenheim. Halb zu sich selbst äußerte ein Journalist in den Katakomben den Verdacht, den Darmstädtern nütze dieser eine Zähler mal rein gar nichts, angesichts der fleißig punktenden Konkurrenz im Zweitliga-Abstiegskampf. Dafür handelte er sich umgehend einen Rüffel von Tom Eilers ein, dem ehemaligen Torwart und jetzigen Funktionär, der sich in der Interviewzone an einer Heizung aufwärmte.

Der Punkt hat im Laufe des Nachmittags dann noch mehrere Eigenschaften angenommen. Für Joevin Jones, den Torschützen zum Ausgleich, war er „wichtig, denn jeder Punkt zählt“; für Wilson Kamavuaka war es nicht nur einer für die Tabelle, sondern natürlich auch „für die Moral“; Mannschaftskapitän Aytac Sulu zeigte sich zufrieden mit einem „dreckigen“ Zähler; und Trainer Dirk Schuster, gewohnt nüchtern, bewertete das Unentschieden so, „dass wir einen Punkt gewonnen haben“, während sein Kollege Frank Schmidt von zwei verlorenen Punkten sprach. Ein Ergebnis, so viele Interpretationen: Für Mathematiker muss Fußball ein Albtraum sein.

In Unterzahl das Unentschieden erreicht

Ganz sicher war es ein erstaunlicher Punkt für den SV Darmstadt. Die Lage im Tabellenkeller der Zweiten Bundesliga hat sich zwar verschärft, der SVD steht nicht nur weiter auf dem direkten Abstiegsplatz 17, sondern mit 23 Punkten nun schon vier Punkte hinter dem Relegationsplatz 16 (Greuther Fürth) und dem ersten Nichtabstiegsplatz 15 (VfL Bochum). Und dennoch: Alles in allem konnten die Lilien gut leben mit diesem Unentschieden, bei dem über 75 Minuten in Unterzahl spielten, zur Pause mit 0:1 zurücklagen und bis dahin einen ziemlich hoffnungslosen Eindruck hinterlassen hatten. Eine Halbzeit lang schien man dieser Mannschaft förmlich zusehen zu können, wie sie gerade absteigt.

Nach sieben Minuten stand es wie selbstverständlich 0:1, weil Linksverteidiger Fabian Holland einen Pass in die Tiefe nicht verhindern konnte und Sulu gegen den aufgerückten Innenverteidiger Kevin Kraus einen Schritt zu spät kam. Nach 17 Minuten flog dann der Verteidiger Immanuel Höhn vom Platz nach einer Notbremse gegen Robert Glatzel, den er am Trikot festhielt. Eine zumindest diskussionswürdige Entscheidung, denn womöglich hätte Kevin Großkreutz noch rettend eingreifen können. „Ich lass das mal im Raum stehen, ob das Rot war. Aber wir respektieren die Entscheidung“, sagte Schuster, der nach der Pause sein Team mit dem „Glück des Tüchtigen“ ausgestattet sah.
 

Die schiere Aussichtslosigkeit der Situation schien die Lilien irgendwie zu befreien. Plötzlich waren sie das bessere Team, Sechser Slobodan Medojevic entkam seiner Lethargie, Stürmer Felix Platte machte die Bälle fest, Tobias Kempes Flanken gewannen an Präzision, und auf der linken Seite machte Joevin Jones unbekümmert Dampf. Es war kein Zufall, dass es der 26-jährige Mann aus Trinidad und Tobago war, dem der Ausgleich gelang. Nach genau einer Stunde köpfte er eine Kempe-Hereingabe am langen Pfosten ein. „Ich glaube, das war das erste Kopfballtor meiner Karriere“, sagte Jones im breiten Englisch der Karibik.

„Wir hatten nach der Pause eine Phase, in der wir Heidenheim hinten reingedrückt haben mit spielerischen Mitteln“, sagte Kamavuaka, der nach Höhns Platzverweis für Sechser Yannick Stark ins Spiel kam und in die Innenverteidigung rückte: „Das hat uns Selbstvertrauen gegeben.“
Das Schicksal der Lilien in der zweiten Liga wird nun davon abhängen, wie nachhaltig dieses Selbstvertrauen ist. „Die Mentalität, die wir gezeigt haben, ist der richtige Weg für uns“, sagte Dirk Schuster: „Im Kopf war das ein Schritt nach vorne.“ Wenn schon nicht in der Tabelle.

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