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Sieg gegen Schalke Darmstadt vertagt Abstieg

Darmstadt 98 gewinnt in letzer Sekunde gegen Schalke 04 und vermeidet vorerst den vorzeitigen Abstieg aus der Bundesliga. Bei den Königsblauen herrscht dagegen dicke Luft.

SV Darmstadt 98 gegen FC Schalke 04, Fussball, 1. Bundesliga, 29. Spieltag, 2016/2017, 16.04.2017
Jerome Gondorf trifft zum 2:1. Foto: Walther/Eibner-Pressefoto

Einige der besten Pointen kündigen sich an. Sie kokettieren so lange mit ihrem Auftritt, bis jeder ahnt, dass es irgendwann so weit sein wird, und am Ende kommen sie dann doch völlig überraschend. Hamit Altintop indes ist mit seinen 34 Jahren erfahren genug, um die Dinge zu durchschauen. „Er hat vor dem Freistoß zu mir gesagt: Jetzt machst du ein Tor“, erzählte Jerome Gondorf nach dem 2:1-Sieg des SV Darmstadt gegen Schalke 04, den er mit einem Last-Minute-Treffer besiegelt hatte. „Dass ich dann einen auf Roy Makaay mache mit einem Abstauber, war völlig okay. Heute ist einfach mal das Glück auf unsere Seite gefallen.“ Oft genug in dieser Saison sei es genau andersrum gewesen.

Der naive Betrachter des Bundesliga-Spiels zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem FC Schalke 04 (2:1) durfte ab einem gewissen Punkt davon ausgehen, dass die Darmstädter gewinnen würden. Nicht, weil die so gut gespielt hätten. Sondern weil SVD-Torwart Michael Esser einfach unüberwindlich schien, und spätestens, als der Mann im gelben Torwart-Dress den in die Mitte geschossenen Elfmeter von Guido Burgstaller parierte (58.), obwohl er nach rechts gesprungen war, konnte dieser Ostersonntag irgendwie nur mit einem Lilien-Sieg enden.

Aber natürlich nicht ohne Kontrapunkt. Eine Viertelstunde vor Schluss egalisierte der Spanier Coke dann doch noch Mario Vrancics frühes Führungstor aus der elften Spielminute, dann flog der Schalker Thilo Kehrer nach einer Notbremse gegen den eingewechselten Sven Schipplock vom Platz (82.) und bereitete so den Weg für Gondorfs Schlussakkord, der den Darmstädter Abstieg doch nochmal vertagte.

Die Lilien finden es fair vom Glück, dass es sich wenigstens kurzzeitig mal für sie interessiert. „Es war ein glücklicher Sieg“, wusste auch Trainer Torsten Frings, „aber die Mannschaft hat sich für die Moral und den Charakter belohnt, die sie in den vorigen Wochen immer gezeigt hat.“

Auch gegen die alles in allem überlegenen, aber vor dem Tor erschreckend harmlosen Schalker stemmten die Darmstädter sich mit allem dagegen, was ihnen so zur Verfügung steht. Gegen den Drei-Mann-Spielaufbau der Gäste stellte Frings zwei laufstarke Angreifer, Felix Platte und, Überraschung, Mittelfeldspieler Jerome Gondorf, sie sollten Kehrer, Geis und Badstuber in vollem Tempo anlaufen und so zu Fehlern zwingen. „Es war sehr viel hin und her für uns da vorne“, sagte Gondorf. Dass die Schalker zu zahlreichen Chancen kamen, vor allem vor der Pause, lag indes eher an vielen individuellen Unaufmerksamkeiten in der Defensive.

Und dass die Königsblauen am Ende trotz Überlegenheit und zahlreicher Chancen unterlagen, sorgte für reichlich Unmut im Lager der Gäste. Als die Spieler sich nach der Partie zum Gästeblock begaben, flogen ihnen Bierbecher und Schimpfiraden entgegen. „Wenn man beim Tabellenletzten verliert, kann man das natürlich als Tiefpunkt empfinden. Es ist alles schiefgelaufen, da kann ich es nachvollziehen, dass die Fans unzufrieden sind“, sagte Manager Christian Heidel. In der Europa League droht nach dem 0:2 bei Ajax Amsterdam das Aus, und in der Liga steckt die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl als Elfter im Tabellenmittelfeld fest. „Das war eine sehr ärgerliche und total unnötige Niederlage für meine Mannschaft“, schimpfte Weinzierl.

Die Darmstädter haben derweil den Frieden mit sich und dieser für sie so unschönen Saison gemacht. Ja, der Abstieg sei lediglich verschoben, darüber brauche man ja gar nicht reden, sagte Esser: „Wir konzentrieren uns auf Fußball, nicht auf die Tabellensituation. Es wird Zeit, dass wir auch auswärts mal punkten.“ Alle 18 Punkte hat der SVD vor eigenem Publikum geholt, am kommenden Samstag geht es nach Hamburg.

Längst laufen natürlich die Planungen für die Zeit in der zweiten Liga bei den Darmstädtern. Kevin Großkreutz steht als erster Neuzugang fest, ein Personalie, von der sich die Verantwortlichen eine Signalwirkung erhoffen, aber hinter vielen Namen im Lilien-Kader steht noch ein großes Fragezeichen. Gondorf zum Beispiel hat eine Ausstiegsklausel im Vertrag, 1,2 Millionen werden kolportiert, Werder Bremen soll Interesse haben, aber eine offizielle Ebene hat dieser mögliche Transfer noch nicht erreicht.

Erst wenn es eine offizielle Anfrage gebe, müsse man sich zusammensetzen, sagte der 28-Jährige am Sonntag. „Natürlich kann ich mir auch vorstellen, zu bleiben, ich habe schöne Jahre hier erlebt. Aber wenn der Prozess in Gang ist, muss man eine Entscheidung treffen. In den Urlaub werde ich mein Handy sicher nicht mitnehmen, das tue ich mir nicht noch einmal an.“ Im vorigen Sommer war eine regelrechte Hängepartie für Gondorf, zwischenzeitlich hieß es sogar, er werde nun definitiv zum Hamburger SV wechseln. Am Ende blieb er in Darmstadt und verlängerte seinen Vertrag bis 2018. Eine Pointe mit Anlauf, auf die man am Böllenfalltor auch in diesem Jahr hofft.

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