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Lilien gegen Braunschweig Jetzt hilft nur Selbsthilfe

Zweckoptimismus in Darmstadt nach dem 1:1 gegen Braunschweig.

SV Darmstadt 98 - Eintracht Braunschweig
Hüpfen um den Klassenerhalt: Aytac Sulu (rechts) und der Braunschweiger Philipp Hofmann. Foto: Arne Dedert (dpa)

Es war ein perfekter Frühlingstag, um die Hoffnung weiter anzufüttern. Der Himmel über Darmstadt blau, hier und da mit Wolken wattiert, die Menschen gut gelaunt, und in Scharen strömten sie hoch, zum Stadion am Böllenfalltor, wo der Fußball-Zweitligist SV98 gegen Eintracht Braunschweig einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf feiern wollte an diesem Sonntag, ganz unbedingt.

Ein paar Stunden später aber stand Romain Brégerie im Untergeschoss des Stadions, er sagte: „Es ist frustrierend.“ Keine Wattewolken weit und breit, stattdessen schüttelte der Darmstädter Verteidiger ein Proteingetränk mit der rechten Hand, als könne er damit die vorangegangenen 90 Minuten irgendwie neu zusammenmischen. „Wir waren die klar bessere Mannschaft“, klagte der Franzose nach dem 1:1 (0:1) gegen die Niedersachsen, bei dem die Südhessen einen Halbzeitrückstand wettmachen mussten: „Aber das wäre auch komplett frech gewesen, hier zu verlieren.“

Das Unentschieden gegen schwache Braunschweiger hält die Lilien zwar am Leben im tiefen Tabellenkeller der Zweiten Bundesliga, aber die Luft wird immer dünner, vier Spieltage vor Saisonende. Da der 1. FC Heidenheim, vor dem Sonntag zwei Punkte vor dem SVD auf dem Abstiegsrelegationsrang, zeitgleich mit 3:1 gegen den taumelnden Tabellenführer Fortuna Düsseldorf gewann, hat sich der Abstand zu Platz 16 verdoppelt. Dort steht nun der FC St. Pauli (37 Punkte), mit vier Zählern mehr auf dem Konto als die Lilien auf Platz 17 also.

„Wir haben hier von Anfang an gesagt, dass es eine enge Kiste wird“, erklärte Brégerie, „im Januar haben wir das gesagt, im Februar, im März.“ Zwölf Punkte seien noch zu holen, „Rechnen bringt da nichts.“ Diejenigen, die es dennoch tun, folgen dabei einer etwas eigenwilligen Arithmetik. „Wir haben einen Punkt gutgemacht“, erklärte Mannschaftskapitän Aytac Sulu, was tabellarisch nicht den Fakten entsprach, aber wohl so gemeint war, dass die Darmstädter ganz grundsätzlich jeden Zähler gebrauchen können dieser Tage. „Das Gute ist, dass wir nicht auf die anderen angewiesen sind.“ Vier Punkte in vier Spielen aufzuholen, das sei durchaus machbar, findet Sulu.

Atik bricht sich Wadenbein

Die Frage ist nur, ob die Lilien in der Lage sein werden, sich selbst zu helfen im Endspurt um den Klassenerhalt. Am Sonntag zeigte die Mannschaft von Trainer Dirk Schuster in der ersten Halbzeit eine gute Leistung, wusste auch fußballerisch immer wieder zu gefallen. Das Tor indes schossen die Gäste, die mit 38 Punkten ebenfalls noch dick drinstecken im Abstiegssumpf und sich in Darmstadt mit einer reinen Kampfleistung begnügten. Und bei der Führung von einem Eigentor Slobodan Medojevics profitierten, der eine Freistoßhereingabe im Gewühl ins eigene Tor beförderte (39.).

Vor dem Braunschweiger Tor waren die Lilien nicht so eiskalt. Brégerie nach einer Ecke (22.), Wilson Kamavuaka mit einem zu schwachen Flachschuss (31.) und vor allem Terrence Boyd, der in bester Lage verzog (34.), vergaben gute Chancen. Nach der Pause löste sich die Struktur des Darmstädter Spiels mehr und mehr im Mittelfeldgewühl auf, und wäre Fabian Holland nicht sinnlos von Mirko Boland gefoult worden, hätte also Tobias Kempe den fälligen Elfmeter nicht verwandelt (72.) – die Lilien wären wohl gänzlich leer ausgegangen.


Die Torgefahr bleibt das Manko. Das weiß auch Dirk Schuster, deshalb versuchte er gegen Braunschweig immer wieder offensive Impulse mit Einwechselungen zu geben. Nach einer Stunde kam der schnelle Baris Atik ins Spiel, mit Dribblings sollte er Räume öffnen, aber schon knapp zehn Minuten später nahm der Arbeitstag des Türken ein tragisches Ende. Nach einem Zweikampf blieb er verletzt liegen, keinen Schritt konnte der 23-Jährige mehr gehen, und weil die Zeit drängte, trug Teamkollege Boyd den kleinen Mann vom Platz. Nach einer ersten Diagnose sei das Atiks Wadenbein angebrochen, berichtete Schuster. Personalprobleme, die der 50-Jährige Fußballlehrer gar nicht gebrauchen kann.

Die Situation ist nicht leichter geworden für die Darmstädter, für die nun das komplizierte Auswärtsspiel beim SV Sandhausen auf dem Programm steht, am kommenden Samstag (13 Uhr). Es ist die kürzeste Auswärtsfahrt, gut 40 Fahrminuten nur auf der A5 Richtung Basel, und Schuster wünscht sich, dass besonders viele SVD-Fans die Reise mitmachen. „Ich hoffe, dass wir in Sandhausen ein kleines Heimspiel draus machen können.“

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