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Darmstadt-Trainer Runjaic Der Aufsteiger

Kosta Runjaic hat den SV Darmstadt 98 nicht nur in die dritte Liga geführt. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner prophezeit dem Lilien-Trainer eine große Karriere.

Zufrieden: Kosta Runjaic. Foto: Hübner

Kosta Runjaic hat den SV Darmstadt 98 nicht nur in die dritte Liga geführt. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner prophezeit dem Lilien-Trainer eine große Karriere.

Wer sich mit Kosta Runjaic in aller Ruhe über Fußball unterhält, blickt auffallend häufig in leuchtende, fast schon feurige Augen. Der Coach des SV Darmstadt 98 steht im blauen Trainingsanzug im kargen Presseraum tief unten im Bauch des alten Böllenfalltors und nimmt den Zuhörer mit auf einen Streifzug quer durch die Welt des Fußballs.

Runjaic, 40, erzählt irgendwann von Sport-DVDs, die ihn begeistert haben, von seinem Lieblingsfilm „Les yeux dans les bleus“, jenen Streifen, der die Franzosen auf ihrem Weg zum WM-Titel 1998 zeigt. Runjaic kann seine Begeisterung kaum zähmen. „Sensationell, überragend“, sagt er. Den Film gebe es nur auf Französisch, „ich habe kaum ein Wort verstanden, aber das macht nichts, du spürst einfach diese Emotion, diese Power und Leidenschaft“, erzählt er. „Große Spieler, große Mannschaft. Weltklasse.“

Länderspiel als Beispiel

Es ist eine Stunde vor Trainingsbeginn der Lilien, die am Samstag Wacker Burghausen erwarten. Dritte Liga, Mittelfeldduell, 13. gegen 14. Runjaic sagt: „Du musst von den Besten lernen, als Trainer muss man sich am Spitzenfußball orientieren.“

Zur Vorbereitung auf die Partie wird er seiner Mannschaft eine Videosequenz der deutschen Nationalmannschaft vorführen ? das 0:1 im Länderspiel in Polen, in diesem Fall die unmotivierte Flanke von Christian Träsch, die den Rückstand einleitete. „Das war reflexartig, gar nicht gut, die Spanier hätten da den Ball niemals geflankt.“

Ob es nicht ungewöhnlich sei, sein Team mit Szenen aus einem Länderspiel auf eine Drittligabegegnung vorzubereiten? „Soll ich ihnen Bezirksligafußball zeigen?“, fragt Runjaic zurück. Man spürt: Da richtet einer den Blick nach oben.

Runjaic, in Rüsselsheim geboren, Vater dreier Kinder, ist das, was man im Jargon einen Fußball-Verrückten nennt. „Er beschäftigt sich rund um die Uhr mit Fußball“, sagt Bruno Hübner, der Sportdirektor der Frankfurter Eintracht, der als größter Förderer des Südhessen gilt. „Er will sich immer weiterbilden, er ist rhetorisch begabt und hat eine soziale Komponente, er sieht auch die Lebensumstände der Spieler“, sagt Hübner, der ihn einst beim SV Wehen Wiesbaden kennen und schätzen lernte. Hübner glaubt: „Er ist der optimale Trainer. Er hat das Zeug für Liga eins und zwei.“

Runjaic sieht sich selbst als „kommunikativen Trainer“, der für „flache Hierarchien“ steht. Er ist kein harter Hund, aber auch kein Kumpeltyp, bei ihm spielt sich vieles im Zwischenmenschlichen ab, er hat, wie er selbst findet, „ein gutes Gespür“ für die Strömungen innerhalb einer Gruppe, „auch leichte Strömungen nehme ich wahr“, sagt er.

Hospitiert beim FC Barcelona

Runjaic, der einst beim FC Barcelona, dem FC Arsenal, Fenerbahce Istanbul und Aston Villa hospitierte, beschäftigt sich „nonstop mit Fußball, das ist wie bei einem Musiker, der eine bestimme Melodie im Kopf hat“. Nur im Fußball sei vieles sehr viel komplexer: „Viele sehen die 90 Minuten auf dem Platz ? aber da steckt monatelange Arbeit im Hintergrund dahinter.“ Gerade in einem Verein mit 30 Fußballern werde viel Politik hinter den Kulissen gemacht. „Das muss man als Trainer bewältigen, das ist eine Herausforderung.“

Vielleicht hat es ihm da sogar geholfen, als Spieler keine große Karriere gemacht zu haben. „Wenn du hoch gespielt hast, kann das deinen Blick verzerren“, sagt Runjaic, der es als unabdingbar ansieht, „außerhalb des Fußballs Interesse zu zeigen“.

Er habe erst Sport studiert, dann in einer Versicherung, als Immobilienmakler und als Werbefachmann gearbeitet. „Mir ist der Austausch wichtig, und im Fußball muss man ja auch verkaufen können. Man muss immer offen für Neues sein“, betont der Kommunikator. Auch deshalb hat er vor und während der WM 2006 die serbische Nationalelf als Betreuer begleitet, auch bei der WM 2010 war er vor Ort, für das ZDF und Oliver Kahn war er als Analyst in Südafrika beschäftigt.

Zum Schluss wird Runjaic gefragt, ob die Bundesliga sein großes Ziel sei. „Ach, das kann man nicht erzwingen“, sagt er und verabschiedet sich mit festem Händedruck. Die große Karriere muss warten. Am Samstag kommt erst mal Wacker Burghausen.

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