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Darmstadt Relegation Lilien schaffen das Wunder

Darmstadt schafft die Riesensensation, holt einen 1:3-Rückstand aus dem Hinspiel auf und schießt sich in die 2. Fußball-Bundesliga. Durch eine couragierte Leistung bezwingen die Lilien Arminia Bielefeld im heimischen Stadion mit 4:2 nach Verlängerung.

19.05.2014 23:10
Sebastian Rieth
Mit einer engagierten Leistung schießen sich die Darmstädter in Liga zwei. Foto: dpa

Als der Wahnsinn mit dem Schlusspfiff ein Ende hatte, schossen die Helden des Abends wie von der Tarantel gestochen vor den eigenen Fanblock und ließen sich feiern. Es brachen alle Dämme. Die Spieler des SV Darmstadt 98 hatten in einer magischen Nacht Großartiges vollbracht. Trotz einer schweren Hypothek aus dem Hinspiel entschieden die Lilien gestern die Relegation zur Zweiten Bundesliga für sich.

Bei Arminia Bielefeld siegte der Drittligist, der in der Vorsaison sportlich abgestiegen war und sich nur am grünen Tisch rettete, nach Verlängerung mit 4:2 (1:0). Aufstieg in die Zweite Liga, nach 21 Jahren Abstinenz.

Ein Märchen

Die Mannschaft bot eine Klasseleistung. Zweifel nach der ernüchternden Pleite im Hinspiel? Weggeblasen. Das bittere 1:3 vor eigenem Publikum? Wettgemacht. Man darf von einem Wunder sprechen, das die 26.000 Zuschauer auf der Bielefelder Alm erlebten.

Lilien-Trainer Dirk Schuster hatte nichts unversucht gelassen. Für den im ersten Duell überforderten Aaron Berzel lief Sandro Sirigu auf der rechten Abwehrseite auf. Das machte er richtig gut. Außerdem lösten die Lilien ihre Doppelsechs auf und schickten Jerome Gondorf mit sämtlichen Freiheiten hinter die Spitzen. Ein erfolgreicher Schachzug. Der Dampf, den die Darmstädter ihrem Spiel gerne beimischen, verpuffte diesmal nämlich nicht. Schon nach fünf Minuten hatte Marco Sailer die erste Chance für die Gäste. Das ließ sich gut an – wenig später zahlte es sich auch aus: Dominik Stroh-Engel traf mit einem satten Schuss aus 16 Metern ins lange Eck (28.). Darmstadt schnupperte schon da an der Sensation.

Während sich die Gäste aus Südhessen in jeden Ball warfen, während sie Gift und Galle spuckten, schien es, als kehre bei den Arminen zusehends Verunsicherung ein. Den Spielern ging der Stift. Es wäre keineswegs unverdient gewesen, hätten die Lilien das Polster bis zur Halbzeit weiter abschmelzen lassen. Nicht nur dank Wille und Verve, auch spielerisch wusste der im ersten Vergleich noch so hausbacken daherkommende Drittligist zu überzeugen.

Die Spannung kulminierte mit dem Wiederanpfiff. Nachdem Hanno Behrens den Ball brillant per Hacke an den Pfosten gelenkt hatte und das Leder von dort knapp über die Linie trudelte, blieben den Gästen noch genau 40 Minuten für ein weiteres Tor. Daran änderte auch die Antwort der Arminen durch Felix Burmeister (53.) nichts. Darmstadt drückte, Darmstadt drängte. Es wurde mehrfach brenzlig, aber der Ball zappelte nicht im Netz. Und Bielefeld? Der Zweitligist kroch auf dem Zahnfleisch. Abstiegsangst ging um. Als Gondorfs Strahl im Kasten der Gastgeber zum 3:1 einschlug, muss es sich wie ein Stich ins Herz angefühlt haben (79.).

Allerdings war die Verlängerung damit noch keineswegs perfekt, Darmstadt hatte nämlich nicht genug – und unter dem Strich viel Pech. Ein Kopfball von Gorka wurde gerade noch so von der Linie gekratzt. In der Verlängerung wurde ihnen auch noch ein klarer Elfmeter wegen Handspiels verweigert. „Der Teufel ist manchmal auch ein Eichhörnchen“, hatte Schuster vor dem Spiel frohlockt. Die Lilien schienen geschlagen, als Kacper Przybylko das 3:2 in der 110. Minute gelang. Doch sie kamen durch Elton da Costa wieder zurück. In der Nachspielzeit der Verlängerung. Ein Wahnsinn.

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