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Darmstadt 98 Zwei fehlende Prozent

Das 0:2 gegen St. Pauli macht Darmstadts Trainer Schuster nachdenklich. Es fehlt den Lilien an Esprit.

Darmstadt 98
Gewann nahezu alle Zweikämpfe, die Gegentore konnte er aber nicht verhindern: Aytac Sulu (r.) Foto: dpa

Aytac Sulu und Marcel Franke, die beiden Innenverteidiger des Zweitligisten SV Darmstadt 98, das sind schon echte Kerle. Männer, die sich vor keinem Zweikampf scheuen, die, wenn es sein muss, auch schmerzende Knochen in Kauf nehmen, nur um ein Gegentor zu verhindern. So traten die beiden auch am Freitag am Millerntor auf. Sie grätschten über den feuchten Rasen, droschen den Ball mit aller Gewalt aus der Gefahrenzone, wuchteten sich in jeden hohen Ball, der auf sie zugeflogen kam. Aber: Es half alles nichts. Die Lilien verloren beim FC St. Pauli verdient mit 0:2. Und das trotz der beiden beinharten Abwehrrecken.

„Dass wir zwei Gegentore kassiert haben, macht mich nachdenklich und hinterlässt kein gutes Gefühl“, sagte der Darmstädter Trainer Dirk Schuster: „Vom Einsatz und der Bereitschaft hat nichts gefehlt, aber wir müssen lernen, die Kleinigkeiten zu beachten, dass beim Verteidigen immer 100 Prozent benötigt werden und nicht nur 98.“ Nun ist es nicht so, dass das Üben des richtigen Verteidigens im schusterschen Trainerkosmos üblicherweise zu kurz kommt. Ganz im Gegenteil. Der 50-Jährige ist ein Defensivfanatiker. Ja kein Risiko, lieber den eigenen Kasten absichern. Entsprechend fuchst ihn nichts mehr als vermeidbare Gegentreffer wie in Hamburg.

Als beim 0:1 in der 52. Minute Lilien-Linksverteidiger Fabian Holland Flankengeber Mats Möller Dæhli zu viel Raum ließ, Sandro Sirigu in der Mitte unter der Hereingabe durchtauchte und Paulis Richard Neudecker freistehend einnicken konnte, da lief der Kopf von Schuster an der Seitenlinie feuerrot an. Die Arme fuchtelten wild durch die Luft, da war jemand richtig bedient.

„Das wirft uns nicht um“

Die Gier habe in den entscheidenden Momenten gefehlt, sagte der beste Darmstädter nach der Partie. Bezeichnend: Es war Torhüter Daniel Heuer Fernandes. „Die Gegentore fielen zu einfach, das müssen wir verbessern“, sagte der 25-jährige Ballfänger, „aber es ist letztlich nur eine Niederlage, die wirft uns nicht um.“ Aytac Sulu, Kapitän der Hessen, hatte nicht nur beim 0:1, sondern auch fünf Minuten vor dem Abpfiff beim zweiten Gegentreffer die Intensität in der Abwehrarbeit vermisst, ansonsten aber ein durchaus gute Leistung seines Teams gesehen: „Wir haben 70 Minuten sehr ordentlich gespielt, hatten sogar die besseren Chancen.“ Nun ja, sehr ordentlich, das ist freilich Ansichtssache.

Denn vor allem im Offensivspiel fehlte es den Lilien an Esprit. Nur zwei Chancen hatten die Gäste, einen Sulu-Kopfball und einen zu zentralen Sechzehnmeterschuss von Serdar Dursun, beide in der ersten Hälfte. Rückkehrer Marcel Heller, auf Rechtsaußen aufgeboten, konnte keinen Akzent setzen, Spielmacher Tobias Kempe ebenfalls nur bei ruhenden Bällen. Wenn dann noch zwei Patzer in der Defensive dazukommen, kommen Niederlagen heraus. Das musste sich auch der beinharte Abwehrrecke Sulu eingestehen: „In dieser Liga schenken sich die Teams nicht viel, da entscheiden Nuancen.“

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