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Darmstadt 98 Trotzig gegen die Dämonen

Für Lilien-Mittelfeldspieler Tobias Kempe ist der Abstiegskampf eine Frage der Kleinigkeiten. Darmstadt 98 muss gegen Union Berlin unbedingt drei Punkte einfahren.

Tobias Kempe
Auf sein Ballgefühl kommt es an: Tobias Kempe. Foto: Imago

„Jetzt“, sagt Tobias Kempe, „geht es nur noch darum, auf die drei Punkte zu gehen – ohne die defensive Ordnung zu verlieren, natürlich. Alles andere kommt ja nicht in Frage.“ Es ist ein trotziger Optimismus, der die Stimmungslage beim SV Darmstadt 98 bestimmt vor dem drittletzten Spieltag der laufenden Zweitligasaison, die Südhessen treffen am Samstag auf Union Berlin (13 Uhr). Theoretisch, sollten die Lilien gewinnen und der FC St. Pauli im Parallelspiel gegen Greuther Fürth verlieren, ist der Sprung von Rang 17 auf den Relegationsplatz 16 drin, der Rettungsboje im Abstiegskampf.

Kempe, 29, leitende Offensivkraft und Toptorschütze beim SVD mit neun Saisontoren, hat einen Plan für das Spiel gegen die Hauptstädter, die ebenfalls noch nicht völlig stressfrei auf die Tabelle gucken können, als Neunter haben sie nur vier Punkte Abstand zur Abstiegszone. „Wir müssen eiskalt sein, hoffentlich mal in Führung gehen und bestenfalls gleich einen Treffer nachlegen“, erläutert Kempe seine Vorstellungen für den Samstagmittag im Stadion am Böllenfalltor: „Gleich von Anfang an wollen wir loslegen.“

Es ist den Lilien ein Anliegen, endlich mal wieder in ein Spiel reinzuplatzen, den Gegner zu überwältigen und sich mit den drei Punkten davonzumachen. In den vergangenen Wochen glichen die Spiele eher zähen Ringkämpfen, und die Darmstädter sind zwar inzwischen beachtliche acht Spiele nacheinander nicht mehr auf die Matte gegangen. Meistens jedoch standen sie hinterher da und wussten nicht, ob sie sich jetzt freuen oder ärgern sollten; sechs Unentschieden, zwei Siege.

Man werde sehen, was der Punkt wert sei, sagen die SVD-Profis seit Wochen tapfer nach den Spielen. Stets ist die Mannschaft stabil aufgetreten, bei Holstein Kiel (0:0), daheim gegen Eintracht Braunschweig (1:1) und am vergangenen Wochenende beim SV Sandhausen (1:1), aber die offensiven Hemmungen waren nicht zu übersehen. Seit Jahresbeginn ist es dieser im Angriff für Zweitligaverhältnisse durchaus stark besetzten Elf nur ein einziges Mal gelungen, mehr als ein Tor zu schießen, beim 2:0-Sieg bei Dynamo Dresden.

Gegen Braunschweig und Sandhausen waren es Kempes Elfmetertore, die eine Niederlage verhinderten. Der Befreiungsschlag lässt auf sich warten.

„Es liegt an Kleinigkeiten“, findet Kempe, „die zweite Liga ist sehr ausgeglichen. Und wir spielen uns ja die Chancen heraus, da muss man sich nur das Spiel in Sandhausen anschauen: Felix Plattes Kopfball wird auf der Linie geklärt, Terrence Boyd trifft den Pfosten. Das ist dann auch ein Stück weit Pech.“

Vertrag auch für dritte Liga

Viele Kleinigkeiten haben sich in Darmstadt inzwischen zu einer besorgniserregenden Großigkeit angehäuft, aber längst folgen die Spieler dem Mantra des positiven Denkens, das der Trainer Dirk Schuster den Profis eintrichtert. Tobias Kempe erinnert sich zwar an den Ablauf des Hinspiels bei Union Berlin, als Darmstadt in der Nachspielzeit durch ein Eigentor von Jan Rosenthal den 3:3-Ausgleich kassierte. Eine Verdichtung des Unglücks.

„Ja, das war bitter. Der Schiedsrichter hat danach auch gar nicht mehr angepfiffen.“ Doch dann verscheucht der Mann, der vor der Saison nach einem Jahr in Nürnberg nach Darmstadt zurückkehrte, schnell die alten Dämonen: „Das ist abgehakt. Von so etwas dürfen wir uns nicht verunsichern lassen.“ Was war, will man in Darmstadt genauso ausblenden wie das, was kommt – das schafft Freiheit im Augenblick.

Und wenn’s am Ende doch zum Fall der Fälle kommt? Nach FR-Informationen gilt Kempes Vertrag auch für die dritte Liga. „Ich bin aber davon überzeugt, dass wir nicht absteigen. Von daher stellt sich die Frage gar nicht.“

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