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Darmstadt 98 Seeberger unter Druck

Nut gut zwei Monate nach seiner Amtsübernahme bei den Lilien steht Jürgen Seeberger als Trainer gewaltig in der Diskussion. Zwischen ihm und der Mannschaft scheint es nicht zu stimmen.

21.11.2012 14:35
Von Sebastian Rieth
Sind Jürgen Seebergers Tage bei den Lilien gezählt? Foto: imago

Als Jürgen Seeberger bei seiner Vorstellung ganz unkonventionell hellblaue Chucks zum schicken Hemd und schwarzer Hose trug, als er mit eindringlicher Sprache darauf verwies, dass er, und nur er, der richtige Trainer für den Drittligisten SV Darmstadt 98 sei, da wurde in Südhessen die Sehnsucht wach. Man verlangte nach einem Mann, der die Mannschaft nicht nur vor dem Abstieg bewahrt, sondern zudem den Verein mit Visionen beflügelt. Nur zehn Wochen später scheint dem einstigen Hoffnungsträger noch nicht einmal Ersteres zu gelingen. Die Lilien stehen ganz unten in der Tabelle und Seeberger massiv unter Druck.

Fragwürdiges Defensivkonzept

Sicher verwaltet der 47-Jährige nur jenen Notstand, den ihm sein Vorgänger Kosta Runjaic übergeben hat. Der Kader spielt knochenhart gegen den Abstieg. Davor verschloss man in Darmstadt viel zu lange die Augen. Aber Seeberger hat auch schwere fachliche Fehler gemacht. Fast besessen versucht er der Mannschaft sein Defensivkonzept aufzudrücken, obwohl die es wie ein transplantiertes Organ abstößt. Sprechen mag der Konstanzer darüber allerdings nicht, auf kritische Nachfragen reagiert er schnippig, manchmal sogar herablassend. Viel lieber referiert der Coach ausführlich über die ständige Verunsicherung im Team. Auch daran ist er nicht schuldlos. Zum Heimspiel gegen Dortmund wirbelte er die Aufstellung durcheinander, tauschte beide Flügelspieler und stellte Spielmacher Elton da Costa in den Sturm. Die Partie ging mit 1:2 verloren. Am vergangenen Sonntag kam mit Erfurt erneut ein Schlusslicht ans Böllenfalltor und wieder griff Seeberger in die Trickkiste. Das Experiment mit Bankdrücker Marc Schnier als Außenverteidiger ging gehörig in die Hose.

Krisengespräch am Abend

Nach FR-Informationen kracht es hinter verschlossenen Kabinentüren gewaltig. Augenscheinlich hat die Mannschaft ein handfestes Problem mit ihrem Trainer und kommt mit seinem Führungsstil nicht klar. Das hieß es schon 2009 als Seeberger in Aachen entlassen wurde. „Ich hege keine Abneigung gegen ihn“, sagte Jan Zimmermann. Wenn der Kapitän seine Aussage aber anschließend einschränkt, er könne nicht für alle anderen reden, dann lässt das tief blicken. Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch mag daran nicht glauben, für ihn sind das „Scheißhausparolen“. Dennoch trommelte er gestern Abend Mannschaft, Trainer und Präsidium zu einem Krisengespräch zusammen. „Stand heute gehen wir mit dem Trainer in die Winterpause“, erklärte Fritsch. Erst, wenn man die nächsten drei Spiele mit 0:7 verliere, mache man sich über eine Ablösung Gedanken. Aus zwei Gründen klammert sich der Vereinsboss an Seeberger: Zum einen war es die erste Personalie die über seinen Schreibtisch ging, zum anderen ist eine Entlassung kostspielig. Und doch wird der Druck immer größer, die Partie am Samstag in Seebergers Stuttgarter Wahlheimat ist vielleicht schon seine letzte Chance. Dort hat man den Trainer gerade erst entlassen.

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