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Darmstadt 98 Manchmal wie kleine Kinder

Der neue Darmstädter Trainer Dirk Schuster vermittelt seinen Spielern im Trainingslager neues Selbstvertrauen und bringt den Spaß zurück.

16.01.2013 21:42
Sebastian Rieth
Mit Freude bei der Sache: Dirk Schuster. Foto: Hübner

Mit einem breiten Grinsen stand Dirk Schuster eines Morgens am Sandstrand von Side und konnte seine Freude kaum verbergen. Nach einem anstrengenden Lauf hatte er seine Spieler ins kalte Meer geschickt, knöcheltief sollten sie eintauchen – zur Regeneration. Was zunächst einiges an Überwindung kostete, endete schnell in einer Wasserschlacht. „Fußballspieler sind manchmal wie kleine Kinder“, folgert Schuster. Die halbe Mannschaft habe mitgemacht. Wo so mancher Trainer zur Disziplin mahnen würde, ließ der Coach des SV Darmstadt 98 seine Jungs gewähren. Schließlich habe man am Böllenfalltor viel zu lange keinen Spaß gehabt. „Bei aller Konzentration gehört das zum Spiel dazu. Wir müssen lernen, auch an den 90 Minuten auf dem Platz unsere Freude zu finden“, fordert der bereits dritte Lilien-Trainer der Saison vor seinem Drittliga-Debüt am 27. Januar gegen den Chemnitzer FC. Bis dahin will er die Mannschaft auf ein „anderes Level“ heben, schließlich müsse man von diesem „schlimmen, letzten Tabellenplatz“ schleunigst verschwinden.

Zehn Tage scharte er dazu den Kader im Trainingslager an der türkischen Riviera um sich. Auch wenn es an einem Vormittag wie aus Kübeln goss und eine Einheit schon nach wenigen Minuten abgebrochen werden musste, seien die Bedingungen ideal gewesen. Mit einem „positiven Gefühl“ habe man gestern Abend um 22 Uhr die Heimreise angetreten. Dafür gibt es einige Gründe. Konditionell sieht Schuster die Mannschaft in einem „ordentlichen Zustand“. Daran gebe es nichts zu mäkeln. Und auch mental habe sich über die Weihnachtspause einiges getan. „Die freie Zeit hat geholfen, die negativen Erlebnisse abzuhaken und nach vorne zu blicken“, sagt der 45-Jährige. Mit „Elan, Kraft und Mut“ wolle man sich nun dem Kampf um den Klassenerhalt stellen.

Aytac Sulu überzeugt

In der Defensive haben die Lilien personell nachgebessert und neben Stefan Hickl in Aytac Sulu einen zweiten Verteidiger geholt. Der Deutsch-Türke sei laut Schuster „ein toller Typ, ein intelligenter Bursche“, der dem Team schon schnell weiterhelfen könne. Beim Testspiel am Montag gegen Zweitligist Dynamo Dresden (1:2) überzeugte der Neuzugang ebenso, wie der Rest der Mannschaft. Die hatte wenige Tage zuvor schon Unterhaching (2:1) und Tokatspor (3:1) besiegt.

Der Trainer lobt: „Wir haben gesehen, dass wir auch gegen eigentlich bessere Mannschaften mithalten können. Das gibt uns Selbstvertrauen.“ Testspiele als Mutmacher und Geplansche im Wasser als Ausdruck der Vorfreude – was Schuster zu seinem Glück in der Vorbereitung noch fehlt, ist ein Stürmer. Zuletzt hatten die 98-er mit Steffen Wohlfahrt, dessen Vertrag beim Nachbarn SV Wehen Wiesbaden aufgelöst worden war, mehr als nur geflirtet. „Das waren richtig ernsthafte Gespräche“, verrät Schuster. In seinen Worten klingt aber auch die Enttäuschung mit, denn dass der Angreifer tatsächlich vom Westen in den Süden des Bundeslandes wechselt, mag er nicht mehr glauben. „Die Chancen liegen bei unter zwei Prozent.“ Wohlfahrt soll ein lukratives Angebot aus der ersten schottischen Liga auf dem Tisch liegen. Also sucht man beim SV Darmstadt 98 einfach weiter. Den Spaß lasse man sich dadurch nicht verderben.

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