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Darmstadt 98 Lange Anlaufzeit

Darmstadt 98 kommt beim 1:1 in Chemnitz erst in der zweiten Halbzeit auf Touren. Was Trainer Dirk Schuster in seiner Heimatstadt sah, dürfte ihm zunächst wenig gefallen haben.

24.02.2014 07:35
Sebastian Rieth
Nach dem Spiel auf Heimaturlaub: Dirk Schuster. Foto: imago

Das Auslaufen am Sonntagmorgen ging ohne den Chef über die Bühne. Als sich die kickenden Angestellten in aller Frühe eine ruppige Drittligapartie aus den Beinen schüttelten, weilte Dirk Schuster noch ziemlich weit entfernt im Osten. Nach dem 1:1 (0:1) des SV Darmstadt 98 beim Chemnitzer FC war der 45-Jährige nicht wie sonst üblich direkt mit der Mannschaft zurück ans Böllenfalltor gefahren, sondern hatte sich vor dem Schließen der Bustüren von seinen Spielern verabschiedet.

Schuster nutzte das Gastspiel in seiner Geburtsstadt für einen kurzen Heimaturlaub. Ein Privileg, das bei genauem Hinsehen gar keines ist. „Jeder kann einmal den Joker ziehen“, erklärt Schuster. „An diesem Wochenende war das eben der Trainer.“

Es ist schon sehr erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit in Darmstadt Dinge praktiziert werden, die an anderen Standorten nie und nimmer funktionieren würden, weil dort die Missgunst größer als das Vertrauen ist. Oder weil Spieler in ein Korsett der Disziplin gepresst werden, statt auf Eigenverantwortung zu setzen.

Bei den Lilien hat jeder im Team einen Schuss frei: Einmal pro Runde darf jeder eine Trainingseinheit entschuldigt fehlen. „Mit mir kann man immer reden“, sagt Schuster.

Am Samstagabend saß er noch mit seinem Vater Eberhard zusammen, in der DDR einst ein erfolgreicher Rechtsaußen und heute als Scout für die Lilien tätig. Er deckt die Gegnerbeobachtung vorrangig im Osten ab, während der Vater von Co-Trainer Sascha Franz den Westen übernimmt. Darmstadt 98 ist ein kleiner Kosmos.

Nur lange Bälle gebolzt

Was Dirk Schuster in seiner Heimatstadt sah, dürfte ihm zunächst wenig gefallen haben. Der Drittletzte der Tabelle dominierte den Dritten, die Lilien fanden gegen die Aggressivität der Gastgeber bis zur Pause kein wirksames Mittel. Der Rückstand durch einen Treffer von Anton Fink (30.) war absolut gerechtfertigt. „Wir haben keinen Fußball gespielt, bloß einige lange Bälle gebolzt“, ärgerte sich der Trainer, dessen Vorhaben mit Milan Ivana als Ersatz für den gesperrten Marco Sailer hinter der Spitze zunächst nicht aufging. „Das ist ein bisschen verpufft.“

Erst als die Mannschaft in der zweiten Halbzeit kämpferisch draufpackte und Schuster mit der Einwechslung von Elton da Costa auch das spielerische Element stärkte, fanden die Hessen einen Zugang zur Partie. Der Brasilianer zwirbelte einen Freistoß direkt auf den Kopf von Dominik Stroh-Engel, der aus elf Metern zum Ausgleich traf (60.). Es war bereits das dritte Mal, dass die Lilien in diesem Kalenderjahr in einem Auswärtsspiel eine Führung egalisierten und einen Punkt mit nach Hause nahmen.

In Chemnitz wären es beinahe zwei mehr gewesen, aber Schiedsrichter Markus Schmidt verwehrte einem Treffer von Jerome Gondorf aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen die Anerkennung (75.). „Wenn der Schiedsrichter etwas sieht, dann pfeift er. Wir können darüber diskutieren, es bringt aber nix“, sagte Schuster, der sich die freien Tage nach seinem Joker in Chemnitz nun selbst gestrichen hat. „Die gibt es erst wieder ab dem 10. Mai“, sagte er. Dann wäre die Saison in der dritten Liga zu Ende. Wenn da mal einer die Termine der Aufstiegsrelegation noch nicht im Kalender hat.

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