Lade Inhalte...

Darmstadt 98 Das Licht bleibt an

Das 2:0 bei Dynamo Dresden ist überlebenswichtig für Darmstadt 98.

Dynamo Dresden - Darmstadt 98
Gruppenkuscheln in Dresden: Darmstadts Fußballer nach dem 2:0. Foto: Sebastian Kahnert (dpa)

Es ist am Wochenende nicht eben übersichtlicher geworden, dieses seltsame Schlachtengemälde, das die zweite Fußball-Bundesliga sein soll. Regelmäßig unterliegen angebliche Spitzenteams angeblichen Abstiegskandidaten, das spricht für eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit in der Liga. Leider halt eher auf die Art, das alle ausgeglichen schlecht sind.

„Massenaufstand im Keller“, titelte der „Kicker“ auf seiner Internetseite treffend, als Greuther Fürth am Samstag das Derby beim Tabellenführer 1. FC Nürnberg gewonnen hatte. Schon am Freitagabend hatte ja Schlusslicht Kaiserslautern Union Berlin mit 4:3 besiegt, in einem Spiel, wie stellvertretend für das Durcheinander der zweiten Liga. Zeitgleich vernahm man gewaltiges Aufatmen aus östlicher Richtung. Den 2:0-Sieg des SV Darmstadt 98 im Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden als wichtig zu bezeichnen, würde bedeuten, die Wahrheit sanft zu umschmeicheln. Bei einer erneuten Niederlage wären die Lilien – weiter Vorletzter – auf den letzten Tabellenplatz gefallen, und es wäre langsam düster um sie geworden.

Spannendes Rennen um den Abstieg

So sind sie alle eng beisammen da unten, die Lauterer (24 Punkte), die Darmstädter (26), die Bochumer (27), die allerdings erst am Montag spielen, bei den Ingolstädtern, die ihrerseits mit 33 Zählern nicht so richtig wissen, wo sie jetzt eigentlich hinschauen sollen: nach oben Richtung Aufstieg oder nach unten Richtung Abstieg. Der halben Liga geht das so.

Glaubt man den Beteiligten, dann schauen sie ohnehin nirgendwo hin, der Blick richtet sich nach innen. „Wir brauchen nicht großartig auf die Tabelle zu schauen“, sagte Lilien-Mittelfeldspieler Yannick Stark am Freitag in Dresden: „Wir wissen alle, welche Punktzahl in der zweiten Liga zum Klassenerhalt reicht.“

Er dürfte damit die ominöse 40-Punkte-Grenze meinen, mit der man nach allgemeinem Verständnis den Klassenerhalt sicher hat, und angesichts der fleißigen Punktesammler im Tabellenkeller wird man wohl tatsächlich annähernd so viele Zähler für den Ligaerhalt benötigen. 1860 München landete zweimal in den vergangenen drei Jahren mit 36 Punkten auf dem Relegationsplatz, ein Punkt mehr hätte jeweils die sichere Rettung bedeutet.
 

Darmstadt muss in den verbleibenden neun Spielen also noch viermal gewinnen, um vielversprechende 38 Zähler zu erreichen. Ein hehres Vorhaben angesichts des anspruchsvollen Restprogramms, der Spielplan der kommenden Wochen ist kein Lesevergnügen für alle, die es mit den Lilien halten.

Zunächst geht es gegen den FC Ingolstadt, dann warten der aktuelle Tabellenzweite 1. FC Nürnberg, der aktuelle Tabellenerste Fortuna Düsseldorf (zu Hause) und der aktuelle Tabellendritte Holstein Kiel auf die Mannschaft von Trainer Dirk Schuster. „Wir wissen, dass noch richtig viele schwere Spiele kommen“, sagte Tobias Kempe, Torschütze zum 2:0 in Dresden (55. Spielminute).

Für die Darmstädter war es aber in mehrfacher Hinsicht ein ermutigendes Wochenende, denn nicht nur wurde wieder deutlich, dass in der Liga sowieso alle gleich stark sind oder schwach, wie man halt draufschaut; auch sieht es seit Freitagabend so aus, als könnten die Lilien gerade noch rechtzeitig in Form kommen. Es war ja eine runde Leistung in der eisigen Kälte Sachsens, vielleicht die beste der laufenden Saison, ganz sicher die beste, seit Schuster wieder das Sagen hat am Böllenfalltor.

Trotz Verletzungen (Niemeyer, Medojevic) und Sperren (Großkreutz, Höhn) präsentierten die Lilien über weite Strecken jene Mischung, die Schuster sehen will; kompakt verteidigen, zielstrebig angreifen. „Die Mannschaft hat die Herausforderung mit Bravour gemeistert“, sagte der Coach. Die individuelle Qualität ist ja da in der Offensive, mit Flügelmann Kempe, Stürmer Felix Platte, dem fußballerisch für Zweitligaverhältnisse herausragenden Koreaner Dong-won Ji – und natürlich mit Joevin Jones, 26, dem, wenn man so will, Darmstädter Shootingstar. Der Flügelflitzer erzielte das wegweisende 1:0 in Dresden (29.).

Seit er im Januar von den Seattle Sounders aus der MLS nach Darmstadt kam, hat er drei Tore erzielt, womit er sich um alle sieben Punkte verdient gemacht hat, die der SVD im Jahr 2018 holen konnte. Ohne Joevin Jones, den Strahlemann aus Trinidad und Tobago, wären die Lilien womöglich längst in der Dunkelheit verschwunden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen