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Abriss des Böllenfalltor Abschied von der Gegengerade

Darmstadt 98 spielt am Samstag gegen Ingolstadt zum letzten Mal vor der legendären Gegengerade am Böllenfalltor.

SV Darmstadt
Bald weg: Die Bölle-Gegengerade. Foto: imago

Die Menschen werden rührig, wenn etwas zu Ende geht, und dann erinnern sie sich an den Anfang. In Darmstadt, Fußballstadion Böllenfalltor, findet am Samstag der letzte Auftritt der legendären Gegengerade statt, danach wird sie abgerissen. Ein graues Bauwerk, errichtet auf Weltkriegsschutt, das wie ein schlafender Elefant am Rande eines Fußballfeldes liegt, seit 40 Jahren. Da beginnt auch die härteste Fanseele zu beben.

Der SV Darmstadt hat dem Anlass gemäß also seine Archivaren hervorgebeten, auf www.sv98.de erzählen sie, wie das war mit der „sagenumwobenen“ Stehtribüne, der die Darmstädter begegnen wie einem guten alten Freund. Die Sagen umfassen, dass man sich hier erstklassig vollregnen lassen konnte, bis auf die Haut, die einem ansonsten von der Sonne verbrannt wurde. Kein Dach über den Stufen, auch nicht nach dem letzten größeren Umbau 1978, und weil weder vollgeregnete noch von der Sonne verbrannte Zuschauer vorgesehen sind in den Statuten der DFL, stehen nun bereits die Bagger hinter der Gegengerade, mit der die stufenweise Bölle-Erneuerung beginnt.

Spötter behaupten übrigens, auch der Darmstädter Fußball habe sich seit 1978 nicht groß verändert. Der Zweitligist zeigt in der laufenden Saison ja mal wieder reinen Arbeiterfußball, mitunter am Rande der Zumutbarkeit; über allem steht die Risikominimierung. Das klappt manchmal, und manchmal klappt es nicht, wie beim 1:3 am vergangenen Wochenende beim Aufstiegsanwärter Union Berlin. Eine schwer zu vermeidende Niederlage, beschleunigt allerdings von Darmstädter Nachlässigkeiten in der Hochsicherheitszone Abwehr um Security-Chef Aytac Sulu.

„Wir haben auch nicht so agiert, wie wir das wollten“, sagte Trainer Dirk Schuster. „Das war überhaupt nicht das, was wir können“, klagte Flügelstürmer Marcel Heller. Wenn am Samstag (13 Uhr) bei der Gegengeraden-Abschiedsparty am Bölle das Tabellenschlusslicht FC Ingolstadt zu Gast ist, selbst frisch renoviert durch den Trainerwechsel von Alexander Nouri zu Jens Keller, hoffen die Lilien auf den ersten Sieg nach drei aufeinanderfolgenden Niederlagen. Die Südhessen bewegen sich stoßweise durch die Saison, jedem Lauf folgt ein Antilauf. So sind sie im Mittelfeld gelandet, Rang zwölf, zehn Punkte hinter Platz drei und sieben vor Platz 16, und wenn sie auf die Art durch die ganze Saison kämen, wäre bei den Lilien niemand unglücklich. In finanziell komplizierten Zeiten eines Stadionumbaus gilt: Bloß nicht absteigen, völlig egal, wie der Fußball dazu aussieht.

Ein wenig mehr Esprit als in Berlin wird der SVD aber zeigen müssen gegen die Ingolstädter, die auf ein Erweckungserlebnis beim ersten Spiel von Jens Keller hoffen. Personelle Sorgen plagen die Lilien allerdings vor allem in der Defensive: Kapitän Sulu fehlt wegen der fünften Gelben Karte, Innenverteidiger-Kollege Marcel Franke droht mit einer Wadenverletzung auszufallen, und dem Sechser Slobodan Medojevic zwickt es in den Adduktoren.

Unabhängig vom Personal forderte Schuster von seinem Team, bei „der Bereitschaft und der Willensstärke noch ein paar Schippen draufzulegen“. Ein letztes Mal kann er dabei auf die Unterstützung der alten Gegengerade hoffen. „Die hat uns in vielen Situationen in der Vergangenheit immer wieder gepusht und unterstützt“, sagte Schuster. „Da hat man als Trainer schon mal Gänsehaut gehabt.“

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