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1. FFC Frankfurt Land in Sicht

Der 1. FFC Frankfurt hat zwar die historisch schlechteste Saison gespielt, ist dank seines Trainers Arnautis im Jugendbereich gut aufgestellt.

1. FFC Frankfurt
Positive Erscheinung beim FFC: Sophia Kleinherne (vo.) grätscht die Wolfsburgerin Ewa Pajor ab. Foto: Imago

Wie ist die Saison des 1. FFC Frankfurt zu bewerten, wenn der erreichte Platz sechs mit mehr Niederlagen (elf) als Siegen (zehn) die schwächste Bilanz seit der Gründung 1998 darstellt? Der FFC ist angekommen im Mittelmaß, nie war der Traditionsverein erfolgloser, nie schoss er weniger Tore. Und dennoch war die Saison für Trainer Niko Arnautis keine schlechte.

„Wir hatten in der Rückrunde einige Verletzte und überspielte Spielerinnen“, relativiert der 38-Jährige die miese Bilanz. Tatsächlich war eine Entwicklung unter Arnautis nach dem Trainerrauswurf Matt Ross‘ zu Saisonbeginn deutlich erkennbar, bei schwierigen Rahmenbedingungen. Der Abgang mitten in der Saison von Leistungsträgerin Ana-Maria Crnogorcevic trug zur schlechten Torausbeute bei. Zudem fehlte in der Rückrunde das in der Hinrunde teils vorhandene Spielglück. Und trotz Niederlagen wie zuletzt gegen VfL Wolfsburg oder Bayern München darf die Mannschaftsleistung zuversichtlich stimmen.

Ross-Trennung kam zu spät

Arnautis hatte ja kein leichtes Erbe. Aussagen von Ross und Manager Siegfried Dietrich, man wolle mehr Punkte als in der Vorsaison holen, waren illusorisch mit diesem Kader. An diesen Worten musste sich der FFC – was Arnautis stets kritisierte. Zwischenzeitlich missfielen ihm kritische Presseberichte, fand, man solle die positiven Entwicklungen angemessener bewerten. Oft musste er die Erwartungen im Umfeld und innerhalb der Mannschaft nach dem Zwischenhoch in der Hinrunde bremsen. Aussagen von Kapitänin Marith Prießen oder dem Management in der Winterpause, man wolle nach Möglichkeit in der Rückrunde die Qualifikation für die Champions League in Angriff nehmen, halfen keineswegs. Eine einheitliche Linie des gesamten Vereins hätte geholfen.

Der FFC wäre zudem besser beraten gewesen, schon im vergangenen Sommer einen Schlussstrich unter die Ära Ross zu ziehen. Das Team kam mit dem Australier nicht mehr zurecht, Fehltransfers wie Margarita Gidion und Lily Agg bestätigten die schlechte Kaderplanung 2017. Auch die Japanerin Kumi Yokoyama konnte nicht im Ansatz überzeugen, die Frauen-Bundesliga war schlicht zu stark für sie. Nun hat Arnautis erstmals die Möglichkeit, eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zusammenzustellen.

Die Neuzugänge Verena Aschauer und Laura Feiersinger sind vielversprechende und erfahrene, Marilena Widmer, Géraldine Reuteler und Laura Freigang talentierte Verstärkungen, die alle in das Gesamtkonzept passen. Ein bis zwei Neuzugänge könnte es noch geben, womöglich auch eine Torhüterin. Ihren Vertrag bis 2019 erfüllen wird auf jeden Fall Jackie Groenen, da kann der FFC aufatmen, denn die Europameisterin ist mit ihrer Kreativität enorm wichtig. Zudem wird der Vertrag von Theresa Panfil wahrscheinlich verlängert. Die Stürmerin, seit ein paar Tagen wieder im Mannschaftstraining, stand nach mehreren Knieschäden fast zwei Jahre nicht mehr auf Platz. Der Verein wird ihr nach FR-Informationen die Chance geben, wieder Fuß zu fassen.

Arnautis, auch das eine positive Entwicklung, ist es gelungen, mehrere Talente im Team zu integrieren und weiterzuentwickeln, er hat das Team verjüngt. Sophia Kleinherne ist in der Innenverteidigung nicht mehr wegzudenken, Shekiera Martinez könnte nächste Saison richtig durchstarten. Dann wird der Kader jünger und kleiner: „Wir müssen schauen, Talente zu guten Bundesligaspielerinnen zu entwickeln, U-Nationalspielerinnen zur A-Nationalspielerinnen“, sagt Arnautis. Einfach wurde ihm dies nicht gemacht: Immer wieder beschwerten sich junge Spielerinnen und ihre Eltern über zu wenig Einsatzzeiten, die in die USA wechselnde Celine Brandt sogar öffentlich.

Geduld ist gefragt, und zwar von allen Seiten. Dabei ist der FFC in der Jugend gut aufgestellt, zuletzt wurde U-Nationalspielerin Madeleine Steck geholt, die zweite Mannschaft unter Kim Kulig schaffte zudem die Qualifikation zur eingleisigen Zweiten Bundesliga.

Eine offene Baustelle gibt es bei Kai Rennich. Nach FR-Informationen ist der Co-Trainer in viele Bereiche nicht mehr eingebunden. Auf Nachfrage sagte Arnautis nur: „Mit den Neuverpflichtungen haben Siggi und ich gesprochen. Der Co-Trainer ist im Trainingsbetrieb und der Organisation eingebunden.“ Ob die Mannschaft in der neuen Saison – womöglich der letzten als reiner Frauenverein vor einer Fusion mit Eintracht Frankfurt – letztlich besser ist, bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen sind jedenfalls gegeben.

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