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1. FFC Frankfurt Der nächste Schock

Nach dem Skandal von Potsdam patzt der 1. FFC Frankfurt beim 1:1 gegen den FSV Gütersloh. Die FFC-Fußballerinnen zeigen bei drückender Überlegenheit eine fast schon groteske Abschlussschwäche.

Melanie Behringer (l.) im Zweikampf mit Marina Hermes. Foto: Jan Huebner

Es ist in der 89. Minute des Bundesliga-Spiels zwischen dem 1. FFC Frankfurt und FSV Gütersloh sehr lohnend gewesen, einen Blick auf Siegfried Dietrich zu richten. Wie das Gesicht erstarrte und rot anlief, der Mann die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Fassungslos. Und nach eigenem Bekunden auch sprachlos. Genauso sieht Uli Hoeneß aus, wenn seinen FC Bayern unverhoffte Rückschläge treffen. Genau wie Hoeneß gibt Dietrich nicht nur den mächtigen Gestalter, sondern auch den größten Fan seines Vereins ab, der nach dem Skandal von Potsdam nun gleich noch ein Trauma gegen Gütersloh erlebte.

Verursacht durch Maren Wallenhorst, die nach der ersten Ecke und dem ersten Torschuss dem Aufsteiger ein völlig unverhofftes 1:1 (1:0) in Frankfurt bescherte. „Ich kapiere es nicht“, schimpfte FFC-Präsident Bodo Adler, „wir haben 800 Länderspiele auf dem Platz und bekommen den Ball nichts ins Tor.“ In der Tat befleißigte sich die FFC-Fußballerinnen bei drückender Überlegenheit einer fast schon grotesken Abschlussschwäche. Am fahrlässigsten gingen dabei die eingewechselte Jessica Wich, Dzsenifer Marozsan und Melanie Behringer zu Werke, die allesamt versäumten, die Führung der fleißigen Französin Sandrine Bretigny (17.) auszubauen. „Diese Punkte darf man nicht liegen lassen“, grantelte die absprachegemäß auf der Bank sitzende Kapitänin Nadine Angerer, „aber nach den Ereignissen von Sonntag war es wohl schwer, zur Normalität überzugehen.“

Nun im Pokal zum FC Bayern

Der These der Torfrau widersprach Philipp Dahm. „Die Spielerinnen sind frei in der Birne“, insistierte der Interimstrainer, „die wollten das Tor machen.“ Der 33-Jährige mochte sich auch nicht auf die Grundsatzdebatte einlassen, dass dieses Heimspiel wie eine Blaupause der Versäumnisse der Vorsaison wirkte. „Ich werde mich nicht für Sachen rechtfertigen, die ich nicht verantworte“, beschied er trotzig. Dass es möglicherweise im DFB-Pokalspiel beim FC Bayern am Sonntag um seine Weiterbeschäftigung geht, blende er aus. „Da denke ich am wenigsten dran.“

Augenzeuge der Begegnung waren neben Eintracht-Profi Takashi Inui, der mit Frau und Kind das Saisondebüt seiner Landsfrau Saki Kumagai beobachtete, übrigens auch DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock und Frauenfußball-Direktorin Steffi Jones. Beide sind damit beauftragt, die Wogen zwischen den Erzfeinden Potsdam und Frankfurt wieder zu glätten. Als Dietrich seine Sprache wiedergefunden hatte, konnte er zumindest erzählen, dass sich der Turbine-Fanklub per Mail für das Verhalten mancher Zuschauer entschuldigt hat. „Wir wollen da Entspannung reinbringen, da sind wir auf einem guten Weg.“ Doch dann hat der 55-Jährige sogleich wieder über diese vermaledeite 89. Minute nachgedacht.

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