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Ratschläge vom offiziellen Mitarbeiter

Auch Lindsey Vonn lobt Leistungsdiagnostiker Bernd Pansold

13.02.2009 00:02

Lindsey Vonn ist der Star der alpinen Ski-WM in Val d'Isère. Zwei Goldmedaillen bringen ihre Kuh "Olympe" wieder in die Schlagzeilen. Das Rindvieh hatte Vonn vor zwei Jahren hier als Weltcupsiegerin gewonnen. Für mächtig Wirbel hat natürlich gesorgt, dass sich die zweifache Weltmeisterin an einer Champagnerflasche die Strecksehne des rechten Daumens zerschnitt. Das US-Super-Ski-Girl soll den Flaschenhals im Siegesrausch höchstpersönlich mit einem Ski abgeschlagen und anschließend sozusagen ins offene Messer gegriffen haben.

Beim Nachdenken über die mögliche medizinische Betreuung, die schließlich in einer österreichischen Privatklinik erfolgte, stoßen Suchende rasch auf den Namen Dr. Bernd Pansold. Der Mediziner hat aber mit Chirurgie nicht das Geringste am Hut. Pansold gilt als einer der weltbesten Leistungsdiagnostiker, allerdings als einer mit einer schmutzigen Vergangenheit. Pansold war von 1968 bis 1990 leitender Arzt beim SC Dynamo Berlin und als solcher tief in das DDR-Staatsplanthema 14.25 - Leistungssteigerung mit unterstützenden Mitteln - verstrickt.

Ende 1998 ist der Mediziner, der auch 18 Jahre inoffizieller Mitarbeiter (IM) des DDR-Staatssicherheitsdienstes war, wegen der Vergabe von Dopingmitteln an Minderjährige in einem von der Zentralstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität angestrengten Prozess zu 15000 Mark Geldstrafe verurteilt worden.

Heute ist Pansold Leiter des Red-Bull-Leistungsdiagnostik- und Trainingszentrums in Thalgau bei Salzburg. Dort betreut Pansold mit einem Team von Experten mehr als 500 Athleten aus verschiedenen Sportarten, darunter auch Lindsey Vonn. Zum Wundermann in Thalgau pilgern Red- Bull-Fußballer, -Eishockeyspieler, -Motorsportler inklusive der firmeneigenen Formel-1-Piloten von Red Bull Racing und Toro Rosso. Auf dieFrage, ob der deutsche Jung-Star Sebastian Vettel sich als Junior schon Fitness-Tipps bei Dr. Pansold geholt hat oder ob es immer noch eine Zusammenarbeit gibt, erklärte die Presseabteilung von Red Bull Racing: "Alle Red-Bull-Athleten werden jährlich im Diagnostikzentrum untersucht und Dr. Pansold ist dort ein Begriff. Ansonsten besteht aber zwischen Sebastian Vettel und Dr. Pansold keine direkte Beziehung."

Auch Maria Riesch gehörte einst in den Stall der roten Bullen. Der Pressesprecher des Deutschen Skiverbandes, Ralph Eder, beteuert, dass die gesamte Leistungsdiagnostik von der sportwissenschaftlichen Abteilung des Verbandes durchgeführt wird. Maria Rieschs beste Freundin, Lindsey Vonn, lobt das Betreuungsprogramm ihres großzügigen Sponsors ausdrücklich, legt aber Wert auf den Hinweis, dass der Thalgauer Mediziner keine Trainingspläne für sie erstelle. Mehrere Anfragen über Art und Weise der aktuellen Zusammenarbeit ließ der Leiter des speziellen Red-Bull-Athletenprogramms und persönliche Betreuer von Vonn, Robert Trenkwalder, ebenfalls unbeantwortet.

So ist es eine fast bizarre Situation, dass eine US-amerikanische Vorzeigeathletin ausgerechnet mit einem Stasi-Spitzel zusammenarbeitet, dem schwerlich eine Art Agentenehre angedichtet werden kann. IM waren Denunzianten, die ihr engstes Umfeld ausspioniert haben. Die Akte von Dr. Bernd Pansold, dem IM "Jürgen Wendt", ist über 600 Seiten stark. Pansold war bis zu seiner Verurteilung am Olympiastützpunkt in Obertauern für den Österreichischen Skiverband tätig und unter anderem für Kondition und Fitness von Hermann Maier zuständig. Auf zunehmenden öffentlichen Druck hin trennte sich der ÖSV von Pansold.

Der österreichische Milliardär und Erfinder des Flügel verleihenden Dosengetränks, Dietrich Mateschitz, befand, jeder habe im Leben eine zweite Chance verdient. Er machte Pansold zum Leiter seines Leistungsdiagnostik- und Trainingszentrums. Österreichische Journalistenkollegen schildern Pansold als leutseligen, umgänglichen Mann - so lange das Gespräch nicht auf die Vergangenheit des Mannes zielt. Dann schweigt der einstige Stasi-Zuträger, so wie er auch vor Gericht geschwiegen hat. Von Reue gibt es auch keine Spur, obwohl Pansold schon in einem frühen Aktenvermerk auf das "kriminelle Vergehen" der Dopingpraktiken hingewiesen hatte.

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