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Positive Bilanz für deutsche Reiter Kentucky war eine kostspielige Reise wert

Für die deutschen Reiter hat sich der kostspielige Ausflug zu den Weltreiterspielen nach Kentucky gelohnt. Den Springreitern gelang nach den Doping-Debatten mit dem Mannschaftsgold der Neubeginn. Bis auf die kriselnde Dressur erfüllten die Reiter in allen Disziplinen die Erwartungen.

10.10.2010 16:30
Sorgte für goldenen Glanz: Michael Jung. Foto: dpa

Am Ende hatte das Motto Bestand, das auf den Postern in den deutschen Ställen zu lesen war: „Yes we Ken-tucky.“

Vor allem das erste WM-Teamgold der Springreiter seit 1998 wirkte wie eine Befreiung. „Wir können alle sehr glücklich sein“, sagte Reiter-Präsident Breido Graf zu Rantzau. Und DOSB-Präsident Thomas Bach, der extra für zwei Tage nach Lexington gereist war, sagte: „Dieses Gold hat international eine Marke gesetzt.“

Da hielt sich auch der Frust darüber in Grenzen, dass kein deutscher Springreiter das Einzelfinale erreichte. Bleibt nur zu hoffen, dass der Aufwärtstrend nicht noch durch einen Dopingfall getrübt wird. „Vier bis fünf Tage nach der WM sind alle Dopingproben ausgewertet“, sagte Generalsekretär Soenke Lauterbach von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN. Es wurden so viele Proben wie noch nie genommen. Erstmals gab es auch unangemeldete Tests im Stallbereich. „So etwas können wir nur unterstützen“, sagte zu Rantzau.

Auffallend war auch das gute deutsche Ergebnis in der Breite. Deutschland mischte in allen acht Disziplinen vorne mit. Die hohen Kosten von 1,45 Millionen Euro hätten sich gelohnt, betonte Bach. „Ich finde es positiv, wenn man zeigt, dass man eine Reitsportnation ist.“

Bach hätte gern auch kleinere Disziplinen wie das Viererzugfahren verfolgt, kam aber zu spät. „Ich habe nur noch ein Fohlen von hinten gesehen.“ Allerdings musste Breido zu Rantzau auch Enttäuschungen eingestehen. „In der Dressur sind wir im Neuaufbau“, sagte der Präsident und drückte den Absturz der einstigen Paradedisziplin noch harmlos aus. Eine Bronzemedaile und zwei sechste Plätze im Einzel ? eine erschreckend schlechte Bilanz. „Ich gehe davon aus, dass das 2012 bei Olympia schon wieder ganz anders aussieht“, sagte der Präsident und erhöhte den Druck auf die Verantwortlichen.

Mit Licht und Schatten präsentierten sich die Buschreiter. Michael Jung überstrahlte mit seinem Einzelgold viele Schwächen. Der neue Champion muss weiter um sein Ausnahmepferd Sam bangen. Die finanziellen Forderungen der Mitbesitzerin steigen von Tag zu Tag.

Die Mannschaft der Vielseitigkeitsreiter erlebte im Gelände nicht zum ersten Mal ein Sturzfestival und erreichte mit Platz fünf gerade mal die Olympia-Qualifikation. Auch hier ist noch Luft nach oben. Kritik übte der deutsche Verband an den Gastgebern. „Fragen Sie mich lieber erst, wenn ich wieder aus dem Lande bin. Hier laufen viele Menschen mit einem Colt herum“, scherzte zu Rantzau zunächst.

Doch die vielen organisatorischen Pannen im Ablauf und die totale Überteuerung auf allen Feldern hätten gezeigt, dass die USA mit der Ausrichtung des Turniers überfordert gewesen seien. „Der Höhepunkt war doch, dass das Dressur-Viereck bei den Parareitern vier Meter zu groß war. So etwas darf nicht passieren“, zeterte zu Rantzau. Weltreiterspiele in Europa auszurichten, sei die bessere Wahl. „Dann ist es für die meisten Reitsport-Nationen auch finanzierbar.“ ( sid)

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